Handelsblatt-Geschäftsführerin verlässt die Düsseldorfer Verlagsgruppe

Claudia Michalski wird Unternehmerin

Eine erfolgreiche Managerin steigt aus. Und demnächst ganz anders wieder ein. Claudia Michalski, seit drei Jahren Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Handelsblatt und zuvor viele Jahre in der Verantwortung bei Beuth, verlässt die Düsseldorfer im August. Neues Wohn-, Lebens- und Arbeitsziel: Berlin. Aber warum?

Die Geschichte zur Meldung, die Michalski zu erzählen hat, verrät einiges über die Welt des Top-Managements – insbesondere über das, was in dieser Welt bisher zu kurz kommt beziehungsweise verdrängt wird.

Kurz vor ihrem 50. Geburtstag im Januar nächsten Jahres wird die Volkswirtin in ihre eigene, soeben erworbene Firma einsteigen: OMC, ein Management -Consulting-Unternehmen in Berlin. Dessen Gründer Dieter Ortleb wollte verkaufen, und Claudia Michalski wollte ihr Leben ändern. Das passte zusammen. „Ich hätte mir auch ein Haus kaufen können“, sagt sie, aber sie entschied sich für eine selbstbestimmte Existenz, die sie gemeinsam mit ihrer zukünftigen Geschäftspartnerin Claudia Cordt weiter ausbauen möchte.

OMC hat seit seiner Gründung vor 18 Jahren im Segment Outplacement/New Placement sein Geld verdient. In der herkömmlichen Variante reicht dieses Geschäft vom Zeitpunkt der Trennung bis zum Neustart und geht so: Führungskraft verliert ihren Job, bekommt Beratung zum Sortieren, zum Entwickeln neuer Perspektiven, wird dann fitgemacht für die nächste Bewerbungsrunde – und schafft den Wiedereinstieg. Bis zur abermaligen Freisetzung…

Aber Beratung allein auf der Ebene professioneller Fitness greift nach Überzeugung der künftigen OMC-Chefin viel zu kurz. Executive Consultancy sei heute zunehmend auch Sinnsuche: „Wer bin ich eigentlich ohne meinen Geschäftsführungsposten? Warum arbeite ich? Welchen Beitrag leiste ich? Was erwarte ich?“ Michalski erwähnt jenes bestürzend ehrliche Buch der australischen Palliativpflegerin Bronnie Ware – „The Top-five Regrets of the Dying“. Zu dem, was Sterbende am meisten bereuen, gehört demnach, zu viel gearbeitet und zu wenig Zeit mit Freunden verbracht zu haben.

Deshalb ist für die Noch-Geschäftsführerin der Handelsblatt-Gruppe eine gute Outplacement-Beratung nicht nur Business-, sondern umfassendes Life-Coaching. Ein Freund habe ihr mal geraten: „Wenn du ein Problem hast, mach einen Beruf draus.“ Und ihr Mann, der Verleger Volker Dittrich, habe ihren Entschluss zum Einstieg bei OMC mit dem Satz kommentiert: „Du kaufst dir kein Unternehmen, du kaufst dir Selbstbestimmung.“ Ihre eigene Lagebestimmung klingt so: „Ich will in meinem Leben nicht mehr nur die Hauptrolle spielen. Ich möchte die Regie führen.“

Unter ihrer Regie geht’s in Berlin mit einem Team von etwa zwölf festen und freien Beratern im Januar los. Bisher seien vorwiegend Unternehmen, aus denen die Klienten entlassen werden, die Auftraggeber von OMC; oft würden solche Zusatzleistungen im Rahmen von Aufhebungsverträgen vereinbart. Michalski rechnet aber damit, dass zunehmend auch private Anfragen nach Beratung kommen werden – nach einer Beratung, die eben weiter schaut als bis zum nächsten Assessment-Center. „Was Change-Prozesse mit den Menschen machen, die diesen Change oft unfreiwillig durchleben, habe ich in den vergangenen drei Jahren intensiv persönlich erlebt.“ Das sei eine wesentliche Voraussetzung, um Führungskräften, die sich in Umbruchsituationen wiederfinden, eine hilfreiche Partnerin im Gespräch zu sein.

Natürlich wird es dabei auch künftig noch um Karrierekurven gehen. Aber immer öfter eben auch um die Lebenskurve überhaupt. Um die Frage, ob und wie sich jemand noch einmal neu erfinden möchte. „Da spielt schon auch Seel-Sorge mit hinein“, sagt Claudia Michalski, „ohne jede Spur von Esoterik.“ Vielleicht wird das in ein paar Jahren Executive (Pastoral) Care heißen – und etwas völlig Normales geworden sein.

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