Jugendliteratur

Oppermann erhält Hans-im-Glück-Preis

Den Jugendliteraturförderpreis "Hans im Glück" der Stadt Limburg erhält 2016 Lea-Lina Oppermann für ihren Roman "Die Wahrheit und wir". Auf Platz 2 hatte die Jury Katrin Zipses "Die Quersumme von Liebe" (Magellan) gewählt, auf Platz 3 Christoph Scheurings "Echt" (Magellan) und Franziska Molls "Egal wohin" (Loewe) sowie auf Platz 4 Peer Martins "Sommer unter schwarzen Flügeln" (Oetinger).

„Die Wahrheit und wir“ ist ein Manuskript und Oppermanns erster Jugendroman; zuvor schrieb sie vor allem Kurzgeschichten und Sprechtexte. Von 2013 bis 2015 spielte die 1998 geborene Lea-Lina Oppermann im Musical „Die Chroniken von Narnia“ die Rolle der Susan am Jungen Theater Bonn; 2014 besuchte sie als Schülerstudentin ein „Kreatives Schreiben Seminar“ an der Uni Bonn und ist seitdem Mitglied in der dortigen Schreibgruppe. Seit Februar 2015 ist sie außerdem als Autorin auf der Online Plattform Oetinger34 unterwegs.

"Ihre Wahl begründete die Jury wie folgt: "Ein Kammerspiel: zwei Dutzend Schüler, ein Lehrer und eine unbekannte Person mit Pistole in einem abgeschlossenen Klassenraum. Drei Stunden Angst und Ungewissheit, in denen die Fassaden bröckeln, Konflikte offenbar und unangenehme Wahrheiten ausgesprochen werden. Mit "Wunschzetteln" fordert der Bewaffnete zu Handlungen auf: Der Lehrer soll der Lieblingsschülerin ins Gesicht spucken, zwei Mitläufer müssen die Kleider tauschen, der Narzisstin muss ihre beste Freundin die langen Haare abschneiden, die angefangene Doktorarbeit des Lehrers, der seine Schüler kaum wahrnimmt, wird samt Laptop zerstört. Die Schüler werden fortwährend zu Tätern, der Begriff Freundschaft harten Proben unterzogen und die Masken fallen. Die Schande des Vorteilssuchers wird offenbar, wenn er seine Tasche mit gestohlenen Gegenständen seiner Klassenkameraden ausleert, ebenso die Anorexie der hart über alle anderen urteilenden Selbstgerechten, die nun einen Big Mäc essen muss.
Erzählt wird aus drei Perspektiven, der Mitschüler Fiona und Mark wie die des Mathelehrers, der Leser ist so unmittelbar beteiligt, dass er sich selten in die Rolle des distanzierten Beobachters zurückziehen kann. Fiona wird die Katharsis bewusst, wenn sie den Blender Sylvester küssen soll: Nichts bleibt mehr von dem Typ, den sie angehimmelt hat, zurück. Aber die Liste der entlarvenden Grausamkeiten wird ähnlich wie in Janne Tellers "Nichts" brutaler, wenn die Schüler die Hand der Lügenkönigin Alice ins Feuer legen sollen, wenn das Klassenskelett Hugo zerstört werden muss und nach dieser Forderung "Hugo muss sterben" die nächste im Raum steht: Der mitleidlose Schönling Sylvester soll sterben. Mehr und mehr dämmert den Schülern, dass die bewaffnete Person eine sein muss, die sie kennt, besser als sie sich selbst. Man könnte es Rache nennen, aber wie eine Dürrenmattsche Claire Zachanassian fordert sie Einsichten: "Ich will Gerechtigkeit. Wenigstens drei Stunden lang." Wie diese Geschichte endet, sei an dieser Stelle nicht verraten, aber für alle Beteiligten wird nichts mehr so sein wie vorher: Die Anklage, dass keiner der Schüler den anderen wirklich wahrnimmt, der Vorwurf, dass sie sich das Leben permanent zu ihrem Vorteil zurechtrücken, wiegt zu schwer."

Der Hans-im-Glück-Preis der Stadt Limburg ist mit 3.000 Euro und einer Kugel mit 24-karätiger Blattvergoldung der Limburger Silberschmiedin Annette Zey dotiert. Die Preisverleihung mit anschließender Lesung findet am Donnerstag, 6. Oktober, um 11:30 Uhr in der WerkStadt Lounge (Bahnhofsplatz 2, Limburg a. d. Lahn) statt.

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