Karin Plötz empfiehlt Fußball-Bücher

Aus der Welt der Fußballer-Eltern

Die LitCam-Direktorin Karin Plötz stellt jeden Monat ein aktuelles Fußball-Buch vor. Heute das Handbuch der "Fußballmutter" Susanne Amar "Ins Netz gegangen". Nicht nur für Eltern sei "dieses Buch eine interessante Lektüre über den Werdegang eines möglichen Fußballprofis, so Plötz.

© tredition

Noch ist die Bundesliga in der Winterpause. Daher starte ich das Jahr mit der Besprechung eines Buches aus der Welt von "Fußballer-Eltern". Susanne Amar ist Autorin und Bloggerin zum Thema Jugendfußball und unterstützt als systemischer Coach heute Fußballer-Eltern und Vereine. Sie beschreibt auf unterhaltsame Weise, wie sich ihre Sicht zum Fußball im Laufe von zehn Jahren als Mutter eines Nachwuchskickers auf dem Weg von der Fußballschule bis zum Leistungszentrum veränderte. Als Handbuch für Eltern, Trainer und Betreuer gedacht, gibt "Ins Netz gegangen" zugleich einen Überblick über den doch nicht so einfachen "Weg zum Fußballprofi" von der F-Jugend in die B-Jugend Bundesliga.

Susanne Amar outet sich als nicht konventionelle Fußballmutter, die anfangs mit Fußball wenig anfangen konnte. Da ihr Sohn unbedingt Fußball spielen wollte, meldete sie ihn mit sieben Jahren zu einem Probetraining an. Nebenbei erfährt man, dass in Deutschland 2,2 Millionen Jugendliche unter dem Dach des DFB kicken. In den ersten Jahren teilt sie das Los vieler Fußballer-Eltern: Trikots waschen, die Fußball-Kids zum Training und an den Wochenenden zu den Spielen fahren etc. Die Beschreibungen der verschiedenen Eltern-Typen, von Helicopter-Eltern über den Vater, der selber der beste Trainer und Schiedsrichter ist, werden ergänzt durch Anekdoten z.B. über das erste Eigentor ihres Sohnes. Die Begeisterung und der Elan ihres Sohnes für den Fußball führt sie und ihren Mann dazu, ihn auch auf dem weiteren Weg zu unterstützen. Es wird immer schwerer, Schulalltag und Trainingsalltag unter einen Hut zu bringen. Und nicht mit allen Trainern ist Amar zufrieden. Sie bemängelt, dass wenig auf den Einzelnen geachtet wird. Dies ändert sich, als ihr Sohn Joshua mit 14 Jahren in ein Leistungszentrum wechselt.

Er gehört jetzt zu den Talenten, die sich in bester Trainingsumgebung weiterentwickeln sollen. Klar wird, dass Joshua auf viel verzichten muss. Ein großes Risiko sind die Verletzungen. Joshua hat mehrere Muskelverletzungen und muss daher oft aussetzen und danach in die Reha. Neben dem Spagat zwischen Schule und Training kommen jetzt weitere Fragen hinzu. Wieso nehmen Trainerentscheidungen wenig Rücksicht auf die Familie? Und wie gehe ich mit den körperlichen und seelischen Verletzungen des Sohnes um? Amar beschreibt, dass sie die Probleme nur mit einer Art Berater lösen konnte: ein Freund, der früher selber Fußballspieler und danach Trainer war, unterstützt ihren Sohn. Und ein guter Kompromiss zwischen Training und Schule wurde durch den Schulwechsel auf eine Berufskollegschule, die zu den Eliteschulen des Fußballs gehört, möglich.

Amar zeigt die zahlreichen Schwierigkeiten auf, die Eltern auf dem Weg ihres Kindes zum möglichen Fußballprofi begegnen und wie sie und ihr Mann persönlich damit umgegangen sind. Sie lässt nicht unerwähnt, dass Fußball als Mannschaftssport für die Entwicklung ihres Sohnes sehr viel Positives bewirkt hat.

Nicht nur für Eltern von Fußball-Kids ist dieses Buch eine interessante Lektüre über den Werdegang eines möglichen Fußballprofis und den nicht unerheblichen Einfluss der Eltern. 

Bibliografie

Susanne Amar:
"Ins Netz gegangen"
Mein Leben mit einem Nachwuchskicker zwischen Schulbank und Torjubel
tredition
312 S., 11,99 Euro
ISBN 978 374395205 8

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