Kooperationen

In kaum einer anderen Branche gibt es eine niedrigere Kooperationsrate

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse organisierte der Sortimenter-Ausschuss des Börsenvereins erstmals ein „Forum Kooperationen im Buchhandel“. Die Veranstaltung informierte über Geschäftsmodelle, Leistungen und Aktivitäten von acht buchhändlerischen Verbünden. boersenblatt.net sprach mit dem Detmolder Buchhändler und Börsenvereins-Vorstandsmitglied Stephan Jaenicke, der das Leipziger Forum wesentlich angestoßen hat. VON NK

Stephan Jaenicke

Stephan Jaenicke © Cordula Giese

Herr Jaenicke, Sie bieten eine Plattform, die ein für Sortimenter vielleicht überlebenswichtiges Thema anschiebt, und nur wenige Kollegen kommen – frustriert Sie das?
Stephan Jaenicke: Ich bin überzeugt, dass das Forum eine gute Idee war – leider haben wir offenbar unsere Zielgruppe nicht erreicht. Wir werden überlegen, was man anders anfassen muss. Wir finden es allerdings unverändert wichtig, etwas für die kleineren Buchhandlungen zu tun. Und da sind Verbünde ein extrem wichtiges Thema.


Acht Verbünde konnten sich vorstellen, insgesamt gibt es rund 15...
Jaenicke: Wir haben noch mehr Kollegen angeschrieben. Es gab einige weitere kleinere regional arbeitende Einkaufs- und Marketing-Verbünde, die aufgrund mangelnder personeller Kapazitäten abgesagt haben oder – wie die Aktivisten von „Lesen in Dortmund“ – auf den überregionalen Werbeauftritt verzichten wollten.  

Andere Marktteilnehmer hätten gern gewollt...
Jaenicke: Wir hatten eine Anfrage von Prolit, das passte unserer Meinung nach nicht in den Rahmen dieser Veranstaltung. Ein anderes Format, in dem Barsortimente oder Auslieferungen ihre Leistungen für kleinere  Buchhandlungen vorstellen, ist aber durchaus denkbar.

In Teilen der Basis heißt es: Der Börsenverein soll etwas für uns tun, geredet wurde schon lange...
Jaenicke: Der Börsenverein als Mehrspartenverband hat eine komplexe Struktur; wenn wir Investitions-Entscheidungen fällen, müssen sie im Konsens getroffen werden. Wir nehmen jedoch das Konzentrationsproblem auf Verlags- und Handelsseite sehr, sehr ernst – und engagieren uns für die Erhaltung einer funktionierenden Buchhandelsstruktur.

In Leipzig stieß die alte Idee vom Verbund der Verbünde eher auf taube Ohren. Warum?
Jaenicke: Ich finde die Idee sehr charmant, wenn auch leider wenig realistisch. alle Verbünde stecken ja einen beträchtlichen Teil ihrer Aktivitäten in Rationalisierungskonzepte und Einkaufsmodelle. Man könnte aber auch den anderen Weg gehen und eine gemeinsame Marktmacht werden. Dass das für die Verbünde nicht auf der Tagesordnung steht, war in Leipzig mit Händen zu greifen -  nach wie vor denken sie vor allem in ihren je eigenen Strukturen.

Kleine und mittlere unabhängige Buchhandlungen, die angesichts zunehmender Konzentration in der Branche und verstärkter Konkurrenz aus dem Internet überleben wollen, müssen in Einkauf oder Marketing enger zusammenrücken. Sinnvoll findet das jeder – praktiziert wird es leider zu selten: In der Bundesrepublik sind heute nur annähernd 700 Sortimenter in rund 15 Verbünden organisiert; in kaum einer anderen Branche gibt es eine niedrigere Kooperationsrate.

 
Eine Auflistung der Kooperationsgemeinschaften mit weiterführenden Informationen finden Sie auch auf der Internetseite des Börsenvereins. Mitgliedern stehen dort auch die Präsentationen der in Leipzig vorgestellten Verbünde zum Download zur Verfügung.

Einen ausführlichen Bericht zum Thema Kooperationen lesen Sie im Börsenblatt Heft 12, das am kommenden Donnerstag erscheint.

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1 Kommentar/e

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  • Frankobs

    Frankobs

    Ob E-Book oder Branchenmarketing - Die Buchbranche beweist seit Jahren: Eine einheitliche Linie will ihr nicht gelingen. Mit der viel gerühmten Vielfaltigkeit (ob Meinungen, Konzepte, Kooperationen), jeder wurschtelt lieber für sich allein, als gemeinsam als an einem Strang zu ziehen. Das gebetsmühlenartige Vorbeten der Dogmen "Das [haptische] Buch ist unschlagbar!" und "Keine Vielfalt ohne Preisbindung!" reicht für die Zukunft nicht aus.

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