Literaturverfilmungen

"Das Buch zum Film ist kein Selbstläufer"

Bald startet die Verfilmungen von Benedict Wells Roman "Becks letzter Sommer" (Diogenes) in den Kinos, ebenso wie "Boy 7" von Mirjam Mous (Arena) oder - allerdings erst im Oktober - Timur Vermes "Er ist wieder da" (Bastei Lübbe). Sind den Buchvorlagen neue Verkaufserfolge garantiert? Welche Rolle spielt das Buch zum Film im Buchhandel? boersenblatt.net hat nachgefragt.

Ute Hentschel, Buchhandlung Hentschel, Burscheid:

„Kino- und auch TV-Filme fördern auf jeden Fall den Verkauf der literarischen Vorlagen. Das gilt insbesondere, wenn im Film Dinge aus dem Buch fehlen. Viele lesen daher nach dem Film das Buch. Es gibt aber auch Fälle, in denen zuerst das Buch gelesen und dann erst der Film geschaut wird. Bei anderem Filmen wie 'Tribute von Panem' werden gerne auch die anderen Teile der Geschichte noch einmal gelesen. Insgesamt führt das schon mal dazu, dass wir wie bei 'Margos Spuren', dass wir den Titel im Stapel verkaufen.“

Susanne Martin, Schiller-Buchhandlung, Stuttgart:

„Der Einfluss einer Verfilmung auf den Buchverkauf ist sehr unterschiedlich. Bei Titeln wie 'Tribute von Panem' hat man das schon gemerkt. Auch Bücher, die schon einige Jahre alt sind, werden wie bei 'Still Alice' wieder gekauft. Das passiert allerdings nicht in großen Mengen und nur wenn ich den Titel entsprechend platziere. Positiv ist der Zusammenhang von literarischen Verfilmungen und dem Weihnachtsgeschäft. Insgesamt ist aber bei uns die Nachfrage nach Film nicht mehr so groß. Das letzte, was wir nach den Filmen vom Stapel verkauft haben, waren die Fantasybücher von 'Narnia'."

Eleonore Mörbitz, Buchhandlung Graff, Braunschweig:

„Insgesamt ist es nicht mehr die ganz große Nachfrage nach Literaturverfilmungen, so wie das früher einmal war. Bei Mainstream-Geschichten wie 'Fifty Shades of Grey' entdeckt mancher Jugendlicher erst nach dem Film die Buchvorlage für sich. Beim klassischen Feuilleton-Publikum ist das gerade anders herum. Es sind aber nicht die ganz großen Mengen, die da verkauft werden. Bei "Kind 44" waren es gerade einmal zehn verkaufte Exemplare.“

Karola Brockmann, Buchhandlung Brockmann, Brühl:

„Grundsätzlich sind Kinogänger auch Leser. Man muss aber auf jeden Fall etwas tun, wenn man das Buch zum Film verkaufen möchte. Selbstläufer gibt es da nicht mehr. Wir kooperieren mit dem Kino hier in Brühl. So können wir vor Ort Buchtische machen und unsere Kunden per Newsletter auch online auf Filmbücher hinweisen. Vor Ort im Laden forcieren wir solche Bücher auch und freuen uns, wenn wir dabei wie bei Diogenes auch Unterstützung von den Verlagen bekommen. Wichtig ist außerdem auch, die Frage, ob der Film es schafft Lust aufs Buch zu machen, ob er für sein Thema wirklich begeistern kann. Dazu kommen die Kinogewohnheiten. Im Sommer tun sich Filmbücher natürlich schwerer als im Winter, weil die Kinos dann nicht so gefragt sind.“

Sven Kehl, Buchhandlung Pegasos, Lampertheim:

„Wichtig ist beim Film vor allem, dass die Marketingkampagne gut war. Die Qualität ist beim Einfluss einer Literaturverfilmung teilweise gar nicht so zentral. Wenn die Werbung dazu stark war, bekommt auch der Buchverkauf wie bei 'Shades of Grey' einen Schub. Da war der Verkauf vorher schon gut, aber durch den Film hat sich das deutlich verbessert. So sind es vor allem die Blockbuster, die wir hier in der Buchhandlung spüren. Das ist bei kleinen oder größeren Geschäften sehr ähnlich.“

Kurt Idrizovic, Buchhandlung am Obstmarkt, Augsburg:

„Wir sind eine kleine Buchhandlung in Augsburg und die Auswirkung von Literaturverfilmungen auf den Verkauf ist sehr überschaubar. Oft haben die Kinogänger das Buch zum Film schon und holen es dann wieder hervor. Aber mehr Bücher verkauft zu einem Film haben wir das letzte Mal beim 'Herr der Ringe' und das ist schon sehr lange her.“

 

Katja Linde, Eckermann Buchhandlung, Weimar:

„Nicht jeder Film wird als Buch zum Verkaufsschlager, das gilt bei uns auch für Blockbuster wie 'Shades of Grey' oder 'Tribute von Panem', wo sich der Film kaum auf den Verkauf ausgewirkt hat. Dagegen waren 'Am grünen Rand der Welt', 'Gone Girl' oder 'Still Alice' durchaus Impulsgeber für den Verkauf. Interessant war die Wirkung bei unserem bisherigen Geheimtipp 'Der Marsianer', der im Oktober in die Kinos kommt, da hat der Film schon vorab den Verkauf gut angekurbelt. Interessant ist auch, dass so manche Klassikerverfilmung den Verkauf ankurbeln kann.“

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