Messe-Serie: Der Zufallstreffer (12)

Was macht Winnetou auf dem Platz von GU?

Zwei Titelseiten in der "Bild", dazu der neue Standplatz in Halle 3.0, auf den bisher GU abonniert war  – "viel mehr geht nicht", sagt Bernhard Schmid, Verleger des Karl-May-Verlags. boersenblatt.net hat im Messegewühle bei ihm Halt gemacht.

Bernhard Schmid, Verleger des Karl-May-Verlags

Bernhard Schmid, Verleger des Karl-May-Verlags © Tamara Weise

Halle 3.0, Stand C7: Das war über viele Jahre der Stammplatz von Gräfe und Unzer (GU). Zuletzt sah man hier große Tische mit großen Lampenschirmen darüber, alles getaucht in ein warmes, sattes Gelb. Diesmal nun das Kontrastprogramm: Weil die Ganske-Gruppe – und damit auch GU – in diesem Jahr pausiert, füllen nun Independents die Fläche. Und wer bekam den prominenten Eckplatz? Winnetou.

"Bild" hebt Winnetou auf die Titelseite

Buchhändler würden ihm oft sagen, Winnetou sei out. "So ein Käse", findet Bernhard Schmid („zitieren Sie mich ruhig“). Man bräuchte bloß hinschauen, zum Beispiel an seinen Stand: Dort hat er die Berichte der "Bild" aufgehängt, die Winnetou in diesen Tagen besondere Aufmerksamkeit schenkt – zwei Mal schaffte es das Thema sogar auf die Titelseite. "Viel mehr geht nicht, das hatten wir so noch nie." 

Den Dreh- und Angelpunkt des neuen Interesses bildet "...und über Nacht war ich Winnetou", der gerade erschienene erste Band der Pierre-Brice-Edition. Hella Brice, Witwe des 2015 verstorbenen Schauspielers Pierre Brice, veröffentlichte darin zum Großteil noch unbekannte Fotos von einst, auch Verträge, persönliche Briefe, Postkarten und dergleichen sind enthalten. Als Hella Brice gestern, am Messesamstag, am Stand war, konnten die „Bild“-Berichte live ihre Wirkung entfalten ...

"Wir hatten schon überlegt, für dieses Mal abzusagen"

Dass vor ihm GU Leuchturm in der Gegend war: Darüber hat Schmid in den letzten Tagen nicht weiter nachgedacht, allein aus Zeitgründen. Und er ist, wie er sagt, auch nur selten darauf angesprochen worden. "Wir haben uns sehr gefreut, als uns die Messe vor zwei, drei Monaten das Angebot machte, an diesen Platz zu kommen, ich könnte mir keinen besseren vorstellen." Noch im letzten Jahr stand er mit dem Karl-May-Verlag am Rand der Halle, wo deutlich weniger los war. "Ich hatte wirklich schon überlegt, für dieses Mal abzusagen."

"Amazon hat dreimal so viel bestellt wie der gesamte Buchhandel"

Eines wollte aber auch am neuen Standort nicht recht gelingen: die Kontakte zum Buchhandel zu erneuern. Selbst die "Bild"-Schlagzeilen zum Buch von Hella Brice fanden Bernhard Schmid zufolge kein Echo, kein Buchhändler sei am Stand gewesen, um mit ihm darüber zu sprechen – was er sehr bedauere. "Obwohl wir den Buchhandel durch Vorschau, Vertreter und Mails darüber informiert haben, kamen von dort bisher kaum Bestellungen." Buchhändler würden hier das Feld freiwillig Amazon überlassen, der Versender habe dreimal so viel bestellt wie der gesamte stationäre Buchhandel. Schmid wirkt ratlos, zerknirscht, mürbe: "Dazu fällt mir leider nichts mehr ein – außer dass eben kleine Verlage doch nicht ernst genommen und links liegen gelassen werden."

In der Serie "Der Zufallstreffer" berichten Börsenblatt-Mitarbeiter über Begegnungen mit Menschen rund um die Frankfurter Buchmesse.

Schlagworte:

Mehr zum Thema

1 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Evelin Georgi

    Evelin Georgi

    Diese Erfahrung haben wir auch gemacht: Reel Art Press hat soeben das offizielle Jubiläumsbuch zu 50 Jahre Led Zeppelin gelauncht. Zur Veröffentlichung gab es eine Aktion mit kostenlosem Poster zum Buch - speziell nur für den stationären Handel, der damit gegenüber dem Online-Handel gestärkt werden sollte. In den USA mit der englischen Ausgabe lief das super, viele Buchhandlungen machen mit. In Deutschland: kaum Interesse, trotz Vertreterbesuchen, Börsenblatt-Anzeige, Mailing, und direktem Anschreiben an diverse Einkäufer. Letzte Woche haben wir ausgeliefert: 3 x soviel an den Online-Handel. Meine Erklärung war zunächst, dass der durchschnittliche deutsche Buchhändler eher Beethoven als Led Zeppelin kennt - aber irgendwie kann ich das nicht so recht glauben. Vielleicht hat Herr Schmid leider recht: kleine Verlage werden links liegen gelassen. Mein Fazit: sosehr ich Amazon kritisch gegenüberstehe, aber der Algorithmus gibt einem wenigstens eine Chance, wenn man ein gutes Produkt hat, nach dem die Kunden suchen.

    • ...

      Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • ...
      Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld