Preisbindung

Landgerichts-Urteil: Amazon verstößt gegen Buchpreisbindung

Der Versandhändler Amazon muss bis zu 250.000 Euro zahlen, wenn er künftig erneut die Buchpreisbindung in Deutschland missachtet. Dies hat das Landgericht Wiesbaden in einem Urteil entschieden, wie der Börsenverein mitteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ein Mitarbeiter von Amazon einen wirksamen Kaufvertrag mit einem Buchkäufer abgeschlossen und dabei einen Preisnachlass gewährt hat. Der Börsenverein hatte dagegen geklagt.

"Amazon ermöglicht alles, ohne Rücksicht auf Gesetze – das scheint die Devise des Versandhändlers zu sein. Der Börsenverein fühlt sich nach dem Urteil bestätigt, weil unserer Klage vom Landgericht Wiesbaden in vollem Umfang entsprochen wurde. Wir prüfen laufend, ob Amazon die Preisbindung einhält", sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

Hintergrund des Verfahrens: Der Käufer hatte ursprünglich vor, das Buch gebraucht bei Amazon.de über eine Plattform zu erwerben, auf der sowohl gewerbliche als auch private Anbieter verkaufen. Weil die Verkäuferin nicht bereit war, dafür eine Rechnung auszustellen, wandte sich der Käufer an den Kundenservice von Amazon, der ihm daraufhin sofort ein verlagsneues Buch zum Preis des gebrauchten Buches verkaufte.

 

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11 Kommentar/e

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  • wilh.hüttermann

    wilh.hüttermann

    Die Firma Amazon erhält für e-books eine eigene ISBN; dann macht sie aus einem book für 9.99 schon mal 9.49 Euro!
    Ermöglicht wird dies auch durch Vertriebsfirmen wie Zeilenwert, die Autoren gar nicht erst fragen. Vielleicht sind die meisten auch nicht an Preisbindung interessiert;schreibende Sortimenter schon.

  • P.Pan

    P.Pan

    Das allgemeine Amazon-Bashing wird langsam lächerlich.
    Zum einen wird hier offensichtlich kundefreundliches Verhalten abgestraft (ein Servicemitarbeiter der erfreulicherweise den Begriff "Service" ernst nimmt und dem Kunden ohne große Diskussion seine gewünschte Rechnung ausstellt). Zum zweiten werden im Buchhandel pausenlos druckfrische Bücher mit dem Stempel "Mängelexemplar" versehen und verbilligt verkauft. Gaaaaanz legal.

  • amazone

    amazone

    das ist die malaise der buchbranche, sie beschäftigt sich am allerliebsten mit der überwachung der einhaltung der buchpreisbindung, ihrer äußerst bequemen wettbewerbsfremden hängematte.
    und alles, was dem entgegen wirkt oder es zumindest versucht, wird einfach verteufelt, egal wie kunden- und servicefreundlich es sein mag.
    vielleicht, könnte man nicht auch das rad der wirtschaftlichen (weiter-)entwicklung einfach anhalten per verordnung des verbandes?

  • Gachmuret

    Gachmuret

    @Nr. 2 (P. Pan)
    Das Problem ist nicht die ausgestellte Rechung, sondern der verkauf eines Neubuches zum Preis eines gebrauchten.
    @Nr. 3 (amazone)
    Über die Buchpreisbindung lässt sich trefflich streiten. Und es gibt Argumente dafür, sie abzuschaffen (es gibt freilich auch einige, sie beizubehalten). Derzeit aber gilt sie. Und es ist nicht einzusehen, warum es verkehrt sein soll, gegen jemanden vorzugehen, der sich nicht an die für alle geltenden Regeln hält. Wenn Sie mal in die Historie der Preisbindungsverstoßverfahren schauen, werden Sie schnell feststellen, dass sich recht wenige auf den bösen Allesverkäufer beziehen. Vor Herrn Wallenfels sind alle gleich. ;)
    Wieso gegen einen Wettbewerber nicht vorgegangen werden soll, weil er rechtswidrig handelt, ist mir schleierhaft. Das ist keine Spezialität angeblich gestriger Buchhändler, das ist das ganz normale Spiel, das alle spielen (amazon selbst ja auch, wenn ich hier mal an die Wettbewerbsklage gegen Apples Agentenmodell in den USA erinnern darf...).
    Das hat insofern also mit Bashing (P.Pan) nichts zu tun.

  • Br@nchenkenner

    Br@nchenkenner

    Bashing ist es insofern doch, da hier fast immer nur die Praktiken und Missetaten der Amazonier ans Tageslicht gezehrt werden.

    Über die Verfehlungen anderer Branchenteilnehmer wird hingegen kaum etwas berichtet, geschweige denn kritisch kommentiert.

    Oder ist es etwa weniger schlimm, dass Thalia seinen Grüttefien-Buchhändlern nicht einmal halb so viel Stundenlohn zahlt, wie die Amazon-Beschäftigten derzeit verdienen?

    Oder ist es ebenfalls nicht der Rede wert, das die Filialisten, allen voran die DBH-Buchhandlungen, permanent über Schein-Rabattaktionen versuchen, dem Kunden die Nichtexistenz der Preisbindung zum eigenen Vorteil vorzugaukeln?

    Aber so ist es nunmal:
    Es gibt in dieser Branche so viele schwarze Schafe, das ein amazon-gelbes Schaf eben zwangsläufig alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.
    Das ist das akute Gesetz einer farbenblinden Branche, welche die Fähigkeit zur Selbstreflektion verloren hat und nun einen Schuldigen für die hausgemachte Schockstarre der letzten fünf Jahre sucht.

  • Gachmuret

    Gachmuret

    @Branchenkenner:
    zu Grüttefien: http://www.boersenblatt.net/520162/
    zu Gutschein/Rabattmodellen: http://www.boersenblatt.net/658916/ und http://www.boersenblatt.net/552930/

    Willkürlich herausgegriffen, ohne ernsthafte Recherche.

    Im Übrigen aber handelt es sich hier ja auch um die Plattform eines Verbandes. Dass die etwas rücksichtsvoller mit Mitgliedern umgeht als mit Nichtmitgliedern, liegt möglicherweise in der Natur der Sache. ;)

    Es mag ja jeder mitdiskutieren dürfen, aber zu erwarten, dass auf der Seite eines Vereinsblattes neutral und nach allen Seiten offen berichtet wird, erscheint mir doch etwas abwegig. Genauso übrigens, wie davon auszugehen, dass sich hier ein repräsentatives Bild der Branche finden lässt...

  • Intensivtäter

    Intensivtäter

    "Das ist das akute Gesetz einer farbenblinden Branche, welche die Fähigkeit zur Selbstreflektion verloren hat und nun einen Schuldigen für die hausgemachte Schockstarre der letzten fünf Jahre sucht."

    Gut gesprochen, leider kann man für einzelne Beiträge hier keine likes oder Empfehlungen geben. Ich möche nur ergänzen, dass diese Farbenblindheit derzeit immer komischere Blüten treibt und man offenbar nach Kräften bemüht ist, das Niveau tiefer zu legen. Mein persönlicher Favorit ist "amazon verursacht Ödnis". Noch armseliger als bei dieser Zettelkleberei (und der zugehörigen Berichterstattung) gehts wohl kaum - obwohl ich mir sicher bin, dass wir in den kommenden Wochen auch diesen Heuler noch toppen können. Irgendwann kommt sicher einer mit "Deutsche wehrt euch, kauft nicht bei Amazon" an.

    Nun war zwar nie die Rede davon dass jeder die gottverdammte Konkurrenz lieben soll wie sich selbst, sich diese aber konsequent schlecht zu reden, ist alles andere als zielführend. Im Grunde ist es ein sicheres Zeichen dafür, dass man dabei ist, den Krieg zu verlieren. Gewinnen bzw. überleben kann man nur, wenn man den Blick für die Realität behält - wobei einem allerdings auch der nichts mehr hilft, wenn man einfach zu lange mit Gegenmassnahmen gewartet hat.

    Überleben werden den Konflikt sicher einige Buchhändler, aber das werden nur die sein, die ihren Kunden mehr zu bieten haben als ihnen einfach nur im Weg rumzustehen. Diese Unternehmen wird dann aber auch Amazon nicht aushebeln können. Und die Branche wird ohnehin auf vielfache Art und Weise komplett anders sein als heute.

    Na und was das Unterlaufen der Preisbindung betrifft, so hat da eben jeder seine eigenen Techniken. So mancher hat dann eben plötzlich einige Tausend Mängelexemplare eines Titels an der Hand - irgendwie muss man seine Überbestände ja loswerden - und ist froh die an einen dankbaren Abnehmer los zu werden etc.....

    Jedes Gesetz hat nun auch mal seine Hintertürchen die genutzt sein wollen.

  • Br@nchenkenner

    Br@nchenkenner

    @ 6. Gachmuret:

    Schön, dass Sie etwas über die von mir angesprochenen Fälle finden konnten.

    Machen Sie sich doch aber einmal die Mühe und recherchieren Sie alles, was Sie zu den besagten Themen auf boersenblatt.net finden können, insbesondere zu den Hungerlöhnen bei Grüttefien.
    Und wenn Sie damit fertig sind, können Sie mal alles recherchieren, was Sie auf dieser Seite zu Arbeitsbedingungen bei Amazon finden.
    Na, fällt Ihnen das abnorme Ungleichgewicht auf?

    Ich finde, dass es eine echte Schande ist: Der Verband sollte viel stärker vor der eigenen Haustür kehren und sich mit den Problemen und Verfehlungen seiner Mitglieder auseinandersetzen, statt immer nur mit dem Finger auf andere zu zeigen. Gerade, wenn es um die Belange der Arbeitnehmer geht.

  • Gachmuret

    Gachmuret

    @8 Branchenkenner

    Wie Sie meinem Beitrag unschwer entnehmen können, brauche ich das nicht zu recherchieren. Mir ist das vollkommen klar. Im Gegensatz zu Ihnen halte ich das nur für erwartbar. Sie halten es für eine Schande. Ich für nachvollziehbar. Von den Mitgliedern ist der Verband abhängig - von Nichtmitgliedern etwas weniger.
    Es würde mich wundern, wenn in den Mitgliedszeitschriften irgendeines Vereins die von Ihnen gewünschte und geforderte Ausgewogenheit in der Berichterstattung herrscht.
    Der Börsenverein ist ein Unternehmensverband und das Börsenblatt sein Sprachrohr. Unter dieser Prämisse ist ein Einsatz für die Arbeitnehmer der eigenen Mitgliedsverbände schlicht und ergreifend nicht zu erwarten. Und natürlich zeigt man mit dem Finger auf die bösen Konkurrenten, wenn es darum geht, diesen madig zu machen, um die eigene Lobbypolitik erfolgreicher führen zu können.

    Wir werden hier möglicherweise nicht auf einen Nenner kommen, aber ich halte es unter den Prämissen dieser Publikationsplattform hier für vollkommen illusorisch, etwas anderes zu fordern.

  • Br@nchenkenner

    Br@nchenkenner

    @ 9. Gachmuret:

    Ich bin durchaus der Meinung, dass wir einen gemeinsamen Nenner haben.
    Letztlich sehe ich es ja so wie Sie und glaube kaum, dass der Verband seine Anfeindungen gegen Nichtmitglieder-Unternehmen mit konkurrierender Marktstellung aus plötzlichen Fairnesserwägungen aufgeben wird oder dass man Beitragszahler in der Größenordnung wie Thalia durch allzu massive Kritiken an deren Entlohnungssystemen verprellen wird. Das ist definitiv nur Wunschdenken.

    Nichtsdestotrotz halte ich es aber für zwingend notwendig, diese Sachverhalte dann zumindest an dieser Stelle hier immer mal wieder anzuprangern, auch wenn ich mir davon kaum ein Feedback verspreche.

  • Alexander Schmidt

    Alexander Schmidt

    Danke für den Artikel. Amazon verstößt nicht nur gegen die Buchpreisbindung. Es gibt "10 gute Gründe, nicht bei Amazon zu kaufen", zu lesen unter http://itr.im/2ok

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