Pressekonferenz zum Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse 2018

Rumänien entdecken

Zum rumänischen Gastlandauftritt in Leipzig erscheinen über 40 Übersetzungen – deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Doch es gibt auch Kritik am Förderprogramm. Eindrücke von einer Pressekonferenz in Berlin.  HOLGER HEIMANN

Ioana Gruenwald, Projektleiterin Rumänien und S.E. Emil Hurezeanu, Botschafter von Rumänien in Deutschland

Ioana Gruenwald, Projektleiterin Rumänien und S.E. Emil Hurezeanu, Botschafter von Rumänien in Deutschland © Cordula Giese

20 Jahre nach dem ersten Gastlandauftritt 1998 wird sich Rumänien 2018 zum zweiten Mal auf der Leipziger Buchmesse (15.−18. März) präsentieren. "Zoom in" ist das Motto des Auftritts – auf den die Veranstalter bei einer Pressekonferenz in der Rumänischen Botschaft in Berlin am heutigen Mittwoch einen ersten Ausblick gaben. Über 40 Übersetzungen aus dem Rumänischen sind angekündigt (rund viermal mehr Titel als üblicherweise erscheinen). Schon vor der Buchmesse soll eine Leipziger Kinowoche "das erfolgreichste rumänische Exportgut – den Film", so die Projektleiterin Ioana Gruenwald, vorstellen.

von links: Autor und Übersetzer Ernest Wichner, Projektleiterin Ioana Gruenwald, Buchmessedirektor Oliver Zille, Botschafter S.E. Emil Hurezeanu, Antje Contius für das Literaturnetzwerk Traduki, und Georg Aescht, Publizist

von links: Autor und Übersetzer Ernest Wichner, Projektleiterin Ioana Gruenwald, Buchmessedirektor Oliver Zille, Botschafter S.E. Emil Hurezeanu, Antje Contius für das Literaturnetzwerk Traduki, und Georg Aescht, Publizist © Cordula Giese

Rumänien habe bei der Premiere 1998 (zugleich die erste Buchmesse auf dem neuen Leipziger Messegelände) die "Hallen gerockt", sagte der Direktor der Buchmesse, Oliver Zille. Zugleich verwies er jedoch darauf,  dass nach wie vor nur wenige rumänische Autoren in Deutschland bekannt sind. Ziel der kommenden Messe sei es mithin, rumänischer Literatur zu einer größeren Sichtbarkeit zu verhelfen. Der rumänische Botschafter in Berlin, Emil Hurezeanu, von dem ein Gedichtband erscheinen wird, sieht dabei rumänisch-stämmige deutsche Autoren wie Herta Müller als "Brückenbauer zwischen den Ländern".

Vom Star der rumänischen Literaturszene, Mircea Cartarescu, wird es im Frühjahr kein neues Buch in deutscher Übersetzung geben. Zur Messe kommt der Bukarester trotzdem, ein Gespräch mit Navid Kermani steht auf dem Programm. Und auch bei der Berliner Pressekonferenz war Cartarescu präsent. Sein Übersetzer Ernest Wichner, der wohl beste Kenner der rumänischen Literatur hierzulande, zitierte Cartarescu mit einer wenig schmeichelhaften Beschreibung seines Landes: Man könne Rumänien eines der stabilsten Länder in der EU nennen, denn es gäbe weder eine nationalchauvinistische Partei noch eine aggressiv nationalistische Bewegung (jedoch auch keine Partei, die nicht nationalistisch wäre). Andererseits ließe sich Rumänien auch als eines der korruptesten Länder der Welt beschreiben. Die politische Klasse führe einen Krieg gegen Recht und Ordnung.

Wichner kritisierte auch, dass ein Übersetzungsförderprogramm zu spät initiiert wurde. "Als im Juni den deutschsprachigen Verlagen von rumänischer Seite finanzielle Unterstützung für Übersetzungen offeriert wurde, waren die meisten Programme doch längst komplett." Wohl auch deshalb sind es vor allem kleine, spezialisierte Verlage, in denen rumänische Autoren zur Buchmesse erscheinen. Und trotzdem: Es gibt vier Anthologien zur Literatur des Landes (u.a. ein "Horen"- Band und eine Sonderausgabe der Zeitschrift "Sprache im Technischen Zeitalter". Beim Guggolz Verlag erscheint der moderne Klassiker Ion Luca Caragiale; bei Zsolnay der Roman "Oxenberg & Bernstein" von Catalin Mihuleac, der sich mit der Ermordung der jüdischen Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs auseinandersetzt. Und Ernest Wichner ist sich zudem sicher: "Die rumänische Literatur wird in den folgenden Jahren bei uns präsenter sein." Manch eine Übersetzung sei aber halt erst im kommenden Herbst oder gar erst 2019 zu haben.  

© Cordula Giese

Fachgespräch am Rande: Georg Aescht (links), Pubizist und Übersetzer, und Verleger Jörg Becken

Fachgespräch am Rande: Georg Aescht (links), Pubizist und Übersetzer, und Verleger Jörg Becken © Cordula Giese

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