Weltbild-Eigentümer planen laut Betriebsrat weitere Einschnitte

Streichungen auf ganzer Linie?

Die Droege-Gruppe legt den Rotstift bei Weltbild nicht aus der Hand: Nach Angaben von Gewerkschaftern plant der Investor die nächsten Stellenstreichungen – will in der Logistik 120 Vollzeitarbeitsplätze abbauen und sucht für rund 70 Filialen der Kette Weltbild plus angeblich einen Käufer.

Seit der Beteiligung der Droege-Gruppe an Weltbild sind knapp sechs Monate vergangen, zur Ruhe kommt das Unternehmen jedoch nicht. In einem internen Schreiben des Betriebsrats an die Mitarbeiter, das boersenblatt.net vorliegt, ist bereits vom nächsten „Kahlschlag“ die Rede. Stimmt das, würde der Rotstift jetzt auch die Logistik-Sparte treffen – zuletzt ging es vor allem um Sparmaßnahmen in der Zentrale (Weltbild Retail) und in den Filialen (Weltbild plus).    

Die Sparmaßnahmen laut Verdi im Überblick

  • Weltbild plus: Im Zuge der Sanierung wurde zunächst beschlossen, das Filialnetz von zuletzt 220 auf rund 150 Standorte zu verkleinern (siehe Archiv: 150 Filialen bleiben). Die Bereinigung sollte bis Februar 2015 abgeschlossen sein. An diesem Plan will die Geschäftsleitung nach Angaben von verdi-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann auch festhalten – und zugleich erweitern: Boßmann zufolge sollen angeblich 70 unrentable Filialen verkauft werden - was bedeuten würde, dass Weltbild künftig an gerade einmal noch 80 Standorten Flagge zeigt. Um welche Filialen es sich handelt, lässt Boßmann zwar offen. Naheliegend wäre für das Management jedoch, die Center-Flächen abzugeben; die Verkaufschancen dürften bei ihnen am höchsten sein. Nach Gewerkschaftsangaben arbeiten in den Filialen aktuell noch 1.000 Mitarbeiter. Eine Anfrage an das Unternehmen läuft. 
  • Weltbild Retail: In der Zentrale bleibt es bei den im November 2014 genannten Kürzungen. Wie berichtet, sollten rund 200 von 445 Mitarbeitern ihren Hut nehmen. Der Betriebsrat verweigert bislang seine Zustimmung (siehe Archiv: "Droege hat uns von vorne bis hinten belogen").
  • ALSO Logistics: Die ehemalige Logistiksparte von Weltbild, im September 2014 übernommen von der Droege-Tochter ALSO Logistics, wird derzeit modernisiert, um auch Drittkunden für das Logistikzentrum in Augsburg zu gewinnen. Stellenstreichungen sind offenbar trotzdem geplant: Von den gut  500 Stellen könnten bald nur noch 380 übrig sein, befürchtet der Betriebsrat - 120 Vollzeitstellen sollen den Gewerkschaftern zufolge wegfallen. Für den Fall, dass die Strategie, neben Weltbild noch andere Firmen als Kunden zu aktivieren, misslingt, geht der Betriebsrat schon jetzt davon aus, dass weitere 40 bis 60 Kollegen gehen müssen. Betriebsrat und Verdi wollen sich unter den aktuellen Bedingungen auch darauf nicht einlassen.        

Investor Walter Droege habe die Insolvenzverwaltung – sprich Arndt Geiwitz – und die Mitarbeiter „schändlich enttäuscht“, kritisiert Boßmann. Hinter den Plänen werde sichtbar, dass es dem Mehrheitsgesellschafter Droege mittelfristig um eine Spaltung des Betriebs in Augsburg gehe. „Damit wäre der Weg frei, für eine deutliche Verschlechterung der Tarife in der Logistik. Schon jetzt fordern die ALSO-Manager eine höhere Wochenarbeitszeit und weniger Urlaubstage.“

Eine Stellungnahme von ALSO Deutschland dazu steht noch aus. 

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11 Kommentar/e

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  • Robin

    Robin

    Alles logische Konsequenzen aus der Pleite von Weltbild. Hätte Dröge so weitergemacht wie früher (klar hätten das die Mitarbeiter und Verdi gerne), wäre die nächste Pleite schon vorprogrammiert gewesen. SO KONNTE ES ABER NICHT WEITERGEHEN. Es musste gravierende Änderungen geben um wenigstens einen Teil der Arbeitsplätze langfristig zu erhalten.

    Die Studie 2.0 von Berger war das Papier nicht wert, aber wenigstens konnten Berger und Geiwitz Millionen einstreichen...das sind in jedem Fall beides Gewinner dieser Insolvenz, die haben Fett verdient und keinen stört es... ausbaden müssen es die Beschäftigten von Weltbild. Dafür kann aber Dröge überhaupt nichts. Wer sich mal damit beschäftigt hat, wer in solchen Unternehmensberatungen die wirkliche Arbeit solcher Konzepte wie Weltbild 2.0 macht, kommt schnell darauf, dass es eher die Praktikanten sind als die Chefs.

    Die Basis von Weltbild 2.0 waren Zahlen aus der Vergangenheit und dass diese über längere Zeiträume schon geschönt waren, musste auch jedem klar gewesen sein.

    Und nochmals zur Klarstellung: Herr Dröge ist ein Unternehmer, ein Investor, will Geld verdienen, dass war allen Beteiligten vorher klar. Dazu braucht man eine gesunde Basis und Dröge ist dabei, diese zu schaffen.

  • Nina

    Nina

    Vielleicht einfach mal nichts sagen, wenn man keine Ahnung hat. Wenn man über Monate keine Werbung macht und die Kunden immer wieder verwundert mit den Worten "ach, sie gibt es noch" in den Laden kommen, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Umsätze einbrechen. Man darf sich auch nicht wundern, wenn keiner was kauft, wenn die Läden leer sind oder mit Unsinn zubetoniert werden.

    Investieren heißt nicht totsparen, um sich danach die Rosinen rauszupicken.

    Für Kürzungen und Schließungen hat jeder Verständnis. Es sind auch Filialen geschlossen worden, die schon lange hätten schließen sollen, weil sie schon lange nicht mehr rentabel waren. Aber die letzten Monate waren nur dazu da auch alle anderen kaputt zu machen.

    Eine gesunde Basis? Das Vertrauen der Kunden ist hin. Einfach mal die Bewertungen der Kunden auf Facebook anschauen. Und diese gesunde Basis ist erst in den letzten Monaten zerstört worden.

  • Digitalleser

    Digitalleser

    Es wäre gut, wenn das Börsenblatt mal hier Online über die aktuell noch vorhandenen Weltbild-Filialen schreiben würde. Mir ist beispielsweise gar nicht bekannt, wo in meiner Nähe überhaupt noch Weltbild vertreten ist. "Meine" Weltbildfiliale wurde längst geschlossen und ich als Kunde fühle mich da regelrecht rausgeschmissen.
    Online sehe ich keinen Grund bei Weltbild Geld auszugeben, aber in einer Filiale würde ich vermutlich schauen, ob ich etwas finde, das ich kaufen möchte.

  • Weltbild MA

    Weltbild MA

    "Naheliegend wäre für das Management jedoch, die Center-Flächen abzugeben; die Verkaufschancen dürften bei ihnen am höchsten sein."
    Diese Aussage ist wirtschaftlich gesehen absoluter Nonsens. Gerade die Center Filialen mit ihren immens hohen Mieten, die in keinerlei Relation zum Ertrag/Gewinn der Filiale stehen, waren es, die Weltbild Plus unter anderem in den jetzigen Strudel gerissen haben. In der Vergangenheit hat ein ehemaliges Geschäftsführungsmitglied von Weltbildplus sich eine Center Filiale nach der anderen "unter den Nagel gerissen". Sprich die Mietkonditionen ausgehandelt und die Mietverträge voran getrieben. Da wurde nicht nach Rentabilität geschaut, sondern nur nach möglichst hoher Anzahl an Filialen. Im Zuge der Insolvenz der Muttergesellschaft und auch schon einige Zeit vorher, wurden und werden gerade die Center Filialen von Weltbild Plus geschlossen. Die wenigen verbliebenden Center Filialen werden sicherlich geschlossen, sobald es die Mietvertragsmodalitäten hergeben.
    Und ... was ich gar nicht verstehe. Wie soll ein Verkauf der Filialen vonstatten gehen? Diese Filialen gehören ja nicht Weltbild, die Immobilien sind einzig angemietet, das Inventar größtenteils geleast und die Ware kommt zum größten Teil aus dem Lager in Augsburg. Wenn überhaupt, könnte ein potentieller Interessent in die bestehenden Mietverträge einsteigen. Und was dann? Neee, ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand so blauäugig ist.
    Die Filialen werden geschlossen, nach und nach vermutlich alle.
    Was mal wieder auffällt, wie ruhig es um unseren GBR ist. Mal wieder kein einziges Wort. Timm Bossmann gehört noch nicht einmal unserem Unternehmen (Weltbildplus) an, ist dementsprechend überhaupt nicht Mitglied im GBR und ist besser informiert als unsere eigenen Leute? Sind die alle noch im Winterschlaf oder schon in Schockstarre erstarrt?
    Hätt mich aber auch gewundert, wenn vom jetzigen GBR mal eine Information gekommen wäre. Da ist komplett die Luft raus und die sehen nur noch zu, wie sie ihr eigenes Scherflein ins Trockene bringen.

  • Insider

    Insider

    Ist mal wieder typisch, dass die Arbeitnehmer alles aus der Presse erfahren müssen. Lieber Arbeitgeber, es verlangt ja keiner, dass du Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse weitergibst, aber wie wäre es mal mit ein wenig mehr Transparenz? Die Leute rackern nach wie vor wie blöde in den halbleeren Filialen, und als Dank soll man nun verkauft werden? Wie wäre es mal mit der Umsetzung bereits verhandelter Konzepte? Wäre sicherlich effektiver und am Ende käme mehr bei rum als ein paar kleine Läden irgendwo in der Provinz..

  • Helmut aus Hessen

    Helmut aus Hessen

    Bei wem auch immer man die "Schuld" für die Weltbild-Misere suchen mag. Fest steht, dass das Unternehmen nicht mehr auf die Beine kommen wird. Im Prinzip ein Fall wie Karstadt..... letztlich wird Weltbild vom Markt verschwinden. Den Mitarbeitern kann man nur eines raten: Statt sich in den verbliebenen, halbleeren Filialen abzurackern wie blöde sollte man die Kraft in die Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive investieren.

  • Robin

    Robin

    zu "Nina"..".Einfach mal die Bewertungen der Kunden auf Facebook anschauen. Und diese gesunde Basis ist erst in den letzten Monaten zerstört worden.."...die waren schon lange vor der Pleite unterirdisch und katastrophal, auch lange, bevor man damals den Kundenservice auslagern wollte. Habe diese regelmäßig verfolgt und war teilweise fassungslos, was Kunden dort gepostet haben.

    Und ich möchte nochmals daran erinnern, dass Dröge von vornherein gesagt hat, in welcher Höhe er investieren wird (ich glaube man sprach von 20 Millionen). Da das Ausmaß oder besser gesagt der Kapitalbedarf bei einem "weiter so" (Katalogwerbung/TV-Sports/Wareneinkauf) um ein vielfaches höher gewesen wäre, muss jedem klar gewesen sein, der verfolgt hat, welche immensen Summen damals vor der Pleite Herr Halff innerhalb weniger Monate benötigt hat oder besser gesagt verbrannt hat. Denn ein Erfolg waren die Werbemaßnahmen ja wohl nicht, sonst hätte das Unternehmen überlebt und seine damaligen Gläubiger auch für weitere Investitionen gewinnen können.

  • anton haller

    anton haller

    Wer mal in einem Laden der Mayerschen war, weiss: Weltbild und hugendubel braucht kein Mensch.

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Weltbild sukzessive zerschlagen wird. Bis dato liest und hört man nur von Streichungen, Einsparungen und Entlassungen. Das Weihnachsgeschäft wurde bereits in den Sand gesetzt, da man sich auch die Ware für die Kunden sparte. Was völlig fehlt, ist ein Konzept, wie es denn besser werden soll, wo man ansetzen will und vor allem wie. So lange da nichts kommt und erkennbar wird, fährt der neue Eigentümer Geschäftstätigkeit und Image der Firma auf Null. Und ist der Ruf erst ruiniert, verkauft´s sich leider nicht ganz ungeniert. Mit den jetzt erfolgenden Entlassungen wird auch der letzte loyale Mitarbeiter merken, dass sich seine Loyalität nicht auszahlt. Es wird ein massiver Abgang an Kompetenz und Know How stattfinden, an dessen Ende Weltbild Geschichte sein wird. Man fragt sich, warum eigentlich Droege die Firma übernommen hat...

  • Manni

    Manni

    @ Verkaufnix

    Sehe ich auch so. Das Unternehmen Weltbild wird zerschlagen, die Einzelteile verkauft und dann vom Markt verschwinden. Die jetzigen Aktionen dienen dazu, die Braut hübsch zu machen. Ist jedoch nichts neues. Dieses Vorgehen ist altbekannt und auch in anderen Branchen üblich.

  • Weltbildler

    Weltbildler

    Ja, und das großartige ist, dass es überhaupt niemanden in der Belegschaft mehr interessiert, was kommt. Es herrscht Anarchie und bei allen Zukunftsängsten kann ich sagen, dass ich noch nie so frei gearbeitet habe wie momentan, denn wenn eh alles am Zusammenbrechen ist, kann man auf den Trümmern tanzen...
    Die Vorgesetzten schauen eh nimmer mehr in den Filialen vorbei...





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