Habe sich die Politik in Deutschland lange nicht in die Kultur eingemischt, lägen die Gründe dafür wohl vor allem in der geringen Bedeutung, die ihr für Wahlergebnisse zugemessen worden sei – und in den ohnehin vergleichsweise geringen Etats, die für sie verwendet wurden. Dies habe sich in den vergangenen Monaten geändert.
Die Streichung von drei Buchhandlungen von der Nominierungsliste des Deutschen Buchhandlungspreises ist für Kraushaar „ein autoritärer Eingriff in die Freiheit des Kulturbetriebs“ – „vielleicht aber auch eine bewusste Provokation“. Dabei würde „eine einigermaßen weitsichtige Kulturpolitik (…) jetzt daran arbeiten, den Literaturbetrieb resilient gegen den autoritären Zugriff zu machen.“
Kraushaar fordert: „Der Deutsche Buchhandlungspreis soll weiter bestehen. Aber er allein kann die vielen Buchhandlungen nicht vor der Leere in deutschen Innenstädten, wachsenden Ladenmieten, stetig zunehmender Bürokratie und der Übermacht milliardenschwerer Buchhandelskonzerne schützen. Man stelle sich vor, es gäbe Ministerien, die versuchten, diese Probleme zu lösen. Vielleicht würde das dazu führen, dass eine Buchhandlung, in der so gute Arbeit geleistet wird, dass sie preiswürdig ist, auch ohne jährliche Preisgelder überlebensfähig ist.“
Zum Zeit-Artikel: Wolfram Weimer: Hier spricht jetzt ein Verleger | DIE ZEIT