Zeichnen war seine Passion

Hans Traxler ist tot

26. August 2026
Redaktion Börsenblatt

"Birne", Elche und Gummibärchen: Der Zeichner, Maler und Autor Hans Traxler ist am 24. August im Alter von 97 Jahren in Frankfurt am Main gestorben. Er war Mitgründer der Satiremagazine "Pardon" und "Titanic" sowie Mitglied der "Neuen Frankfurter Schule".

Porträtfoto von Hans Traxler

Hans Traxler

Das gaben das Caricatura Museum Frankfurt und die Stadt Frankfurt am Main im Namen der Familie Traxler bekannt. Hans Traxler war Mitglied der Künstlergruppe "Neue Frankfurter Schule". Unter deren Einfluss veränderte sich das Komikverständnis in Deutschland grundlegend, heißt es weiter im Nachruf.

Hans Traxler, am 21. Mai 1929 in Herrlich in Böhmen geboren, geriet 1945 nach Regensburg. Dort begann er, nach einer intensiven ersten Studienzeit bei Max Geyer, seine Laufbahn als Illustrator und verkaufte seine erste satirische Zeichnung bereits mit 17 Jahren an eine Münchner Illustrierte. 1951 ging er auf den Rat eines Freundes nach Frankfurt am Main, das ihm zur Wahlheimat wurde. Er studierte an der Frankfurter Städelschule Malerei bei Georg Meistermann.

Seine Bibliographie umfasst knapp 50 eigene Bücher und fast 30 Buchillustrationen anderer Autoren, von Schiller und Heine bis Morgenstern und Ringelnatz, von Mark Twain bis Tucholsky. Seine Kinderbücher wurden in viele Sprachen übersetzt, vom Baskischen bis ins Koreanische.

Hans Traxler: Selbstporträt als Schüler

Selbstporträt als Schüler

"Sein Lebenswerk ist Teil unseres kulturellen Erbes"

"Mit Hans Traxler verlieren wir einen großen Künstler und eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Sein kreatives Wirken hat tiefe Spuren nicht nur in Frankfurt hinterlassen. Wir verneigen uns vor einem beeindruckenden Lebenswerk", sagt Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt.

"Es stimmt mich sehr traurig, dass wir uns von Hans Traxler verabschieden müssen. Er gehörte zu den herausragenden Künstlern der Komischen Kunst. Sein Werk wird weit über die Gegenwart hinaus Bestand haben und künftige Generationen inspirieren", sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main.

Herr Löhlein schläft auf dem Katzenbaum, die Katze in seinem Bett

Herr Löhleins Katze

Martin Sonntag, Leiter des Caricatura Museum Frankfurt, fügt an: "Hans Traxlers Beitrag für die Komische Kunst ist immens, sein Werk prägend und sein Schaffensdrang beeindruckend. Noch 2024 äußerte er sich in seinem Buch 'Wie die Malerei verschwand' kritisch zur Entwicklung der modernen Kunst. Im vergangenen Jahr erschienen seine gesammelten Bildgedichte sowie in der Büchergilde Gutenberg seine illustrierte 'Ode an den Ammersee'. Sein Lebenswerk ist Teil unseres kulturellen Erbes. Unser Auftrag und unser Versprechen ist es, dieses Werk zu bewahren und für kommende Generationen lebendig zu halten."

Karikatur: Fünf Elche mit Anzügen und Mänteln, darunter der Zweizeiler "Die schärfsten Kritiker der  Elche, waren früher selber welche"

Legendär: Text von F.W. Bernstein, gezeichnet von Hans Traxler

Teil der "Neuen Frankfurter Schule"

Hans Traxler war Satiriker, Maler, Zeichner, Illustrator und schuf als Autor satirische Texte sowie Kinderbücher. Zusammen mit F. W. Bernstein, Bernd Eilert, Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Pit Knorr, Chlodwig Poth und F. K. Waechter bildete er die Künstlergruppe "Neue Frankfurter Schule". Die legendäre Elch-Gruppe stellte eine bundesrepublikanische Größe dar, so der Nachruf, mit ihrer Zentrale in Frankfurt am Main. Ihre Protagonisten gehörten zu einer Künstlergeneration, die durch ihre Arbeiten die Enge und Starre Nachkriegsdeutschlands aufbrachen und der deutschen Gesellschaft das freie Lachen beibrachten – mit gewagten neuen Komikformen, präzisen satirischen Analysen und satirischem Nonsens.

Der Zweizeiler "Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher selber welche" von F. W. Bernstein wurde ihr Leitspruch. Zeichnerisch umgesetzt hat ihn Hans Traxler. Der Elch findet sich wieder im Logo des Caricatura Museums, 2008 wurde die Bronzefigur vor dem Museum eingeweiht.

Ein Lebkuchen-Hexenhaus im Spessart?

Die satirische Karriere Traxlers, in der sich sein literarisches wie zeichnerisches Talent entfaltete, begann in den 1960er Jahren. Zu seinen frühesten und bekanntesten Werken gehört die Wissenschaftsparodie "Die Wahrheit über Hänsel und Gretel" (1963). Unter dem Pseudonym Georg Ossegg berichtet er darin über die angebliche archäologische Ausgrabung des Lebkuchen-Hexenhauses; inklusive Lageplan, Schichtenprofilen und Fundpräsentation. Unzählige Leser erkannten die Parodie nicht und stürmten erfolglos den Spessart, um anhand der Pläne von Georg Ossegg die Fundstelle zu besuchen – was Traxler eine Ermittlung wegen Betrugs einbrachte. Das Buch erlebte unzählige Auflagen, einschließlich einer japanischen Ausgabe. 1987 wurde das Werk mit Jean Pierre Léaud, Romy Haag und Alfred Edel verfilmt.

Karikatur: Bundeskanzler Kohl als "Birne"

Bundeskanzler Kohl als "Birne"

Zwei Satiremagazine

1962 war Hans Traxler Mitgründer von "Pardon". Das Magazin präsentierte Satire, Politik, Philosophie, später auch Kunst auf hohem komischem Niveau. Das Blatt wurde zum Forum nahezu aller Künstler und Intellektueller, die die "68er"-Jahre prägten. Differenzen mit Herausgeber Hans A. Nikel führten in den 1970er Jahren dazu, dass sich Traxler gemeinsam mit den späteren Mitgliedern der "Neuen Frankfurter Schule" von dem Magazin trennte. 1979 gründete die Gruppe die "Titanic" und schuf sich damit ein Hausmagazin.

Die späten 1970er und die 1980er Jahre waren für Traxler ungemein produktive Jahre. Neben Titanic arbeitete er für das Zeit-Magazin, für die Magazine der FAZ, der SZ und andere. Viele seiner Bildgeschichten und Bildgedichte sind hier zum ersten Mal publiziert worden. Die Anzeigen prominenter Persönlichkeiten wegen Beleidigung musste er in Kauf nehmen. 1982 erschien "Birne – das Buch zum Kanzler" mit den Texten von Pit Knorr.

Als einer der ersten deutschen Cartoonisten schaffte er es mit "Aus dem Leben der Gummibärchen" von 1992 auf den amerikanischen Cartoonmarkt.

2005 schenkte Traxler seiner Wahlheimat Frankfurt das ICH-Denkmal im Frankfurter Grüngürtel. Unter dem Motto "Jeder Mensch ist einzigartig" kann sich jeder auf dem mit "ICH" beschrifteten Sandsteinsockel fotografieren und so zum eigenen Denkmal werden.

Zeichnung. Ein Krokodil betet in seinem Schlafzimmer: "Und bitte, bitte lieber Gott, lass doch recht bald mal wieder eins von diesen vollbesetzten Touristenschiffen untergehn"

"Und bitte, bitte lieber Gott, lass doch recht bald mal wieder eins von diesen vollbesetzten Touristenschiffen untergehn"

Vom schnellen Tagesgeschäft zurückgezogen, blieb Hans Traxler als Autor und Illustrator in den letzten Jahren umso kreativer. 2024 erschien "Wie die Malerei verschwand. Eine Kunstgeschichte", eine satirisch realistische Abrechnung mit dem Kunst- und Lehrbetrieb. 2025 folgten "Eine Ode an den Ammersee", eine humorvoll pointierte Hommage an seinen Lieblingssee und "Die Bildergedichte", mit Klassikern und vielen neuen Bilderserien des Künstlers sowie eine Neuauflage von Mark Twains "Bummel durch Europa" mit Illustrationen Traxlers.

Bis zuletzt blieb das Zeichnen seine Passion. Auf die Frage: "Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?" antwortete Traxler: "Ein gutgemalter transparenter Schlagschatten". 

Zahlreiche Auszeichnungen

Neben dem Göttinger Elch (2006) und dem Deutschen Karikaturenpreis (2007) als Auszeichnung für sein Lebenswerk, wurde er unter anderem mit dem Ludwig Emil-Grimm-Preis der Stadt Hanau (2012), der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main (2014), dem Wilhelm-Busch-Preis (2015), dem Sondermann-Preis für Komische Kunst (2017), dem Friedrich-Stoltze-Preis (2018) und der Prix Livrentête (2021) geehrt.

Der künstlerische Nachlass von Hans Traxler befindet sich im Caricatura Museum in Frankfurt und umfasst 3.700 Zeichnungen, Illustrationen und Skizzen.

Zeichnung. Der Autor im Sessel auf der Bühne, das Publikum mit Büchern in den Händen. Darunter steht: "Um den Dichter Max Gutmann zu ehren, las das Publikum ihm neulich aus seinen Werken vor"

"Um den Dichter Max Gutmann zu ehren, las das Publikum ihm neulich aus seinen Werken vor"