Im Vorfeld des Internationalen Tags des Übersetzens

Literarische Utopien und Dystopien neu lesen

25. August 2026
Redaktion Börsenblatt

Vom 11. bis 25. September 2026 rückt das Berliner Literaturfestival "Übersetzen & Weltretten. Anstiftung zur Utopie in dystopischen Zeiten" das literarische Übersetzen in den Fokus und lädt an vier Spielstätten dazu ein, über die Wirkungsmacht von Sprache und Übersetzung angesichts von Klimakatastrophe, autoritären Regimen und algorithmischer Kontrolle nachzudenken. 

Logo des Literaturfestivals Übersetzen & Weltretten

44 Übersetzer:innen, Autor:innen, Wissenschaftler:innen und Künstler:innen widmen sich im Rahmen von Lesungen, Gesprächen, Workshops und performativen Formaten den literarischen Utopien und Dystopien des 20. und 21. Jahrhunderts und regen dazu an, diese neu zu lesen – nicht als Eskapismus, sondern als Formen politischer Entwürfe und als Anregung zum gesellschaftlichen Handeln.

"Wir freuen uns ganz besonders, dass wir für die Festivalrede Annette Hug gewinnen konnten. Nicht nur entwirft sie als Autorin in ihrem Roman ,Tiefenlager' eine Dystopie, in der atomarer Zerstörung Hoffnung und Handlungsmut entgegentreten. Auch setzt sie sich als Übersetzerin philippinischer Literatur eindeutig für eine konkrete Utopie der Sprachenvielfalt ein", so die Kurator:innen Hélène Thiérard und Henning Bochert.

Aus dem Programm

Die zentralen Festivaltage finden am 18. und 25. September im Collegium Hungaricum Berlin statt: Hier diskutieren am 18. September Claudia Hamm, Chantal Wright, Petra Schaper Rinkel und Maike Albath über menschliches Übersetzen in Zeiten automatisierter Sprachproduktion, Petina Gappah und Patricia Klobusiczky mobilisieren das utopische Potential kollektiver Spracharbeit in Simbabwe, und Annette Hug spricht in ihrer Festivalrede über das Übersetzen als politischen und poetischen Akt. Zum Abschluss des Tages bringt eine Poetry-Slam-Performance frische Energie auf die Bühne.

Am 25. September sprechen Luca Homburg, Isabella Hermann und Karla Kutzner über feministische Zukunftsvisionen, Krisztina Tóth legt die Propagandamechanismen in einer zerrissenen Gesellschaft offen und Doris Kouba, Sebastian Guggolz und Katja Lange-Müller tauschen sich über die Neuübersetzung von Čapeks visionärem Klassiker "Der Krieg mit den Molchen" aus. Außerdem gibt es dystopische Climate Fiction aus Singapur in szenischer Lesung zu erleben, und abends können alle das Festival gemeinsam in der DJ-Lounge ausklingen lassen: Hier gibt es Zeit für Gespräche und Raum für Begegnungen.

Weitere Programmpunkte: Mirko Kraetsch und Frank Heibert tauschen sich zur Übersetzung klassischer und neuer Dystopien im digitalen Zeitalter aus. Meral Şimşek, Mustafa Gündoğdu und Dawid Yeşîlmen präsentieren Kurdistan+100, ein literarisches Zukunftslabor aus vier kurdischen Sprachen. Karen Nölle und Milena Adam sprechen über die Kraft ökologischer Science-Fiction von Ursula K. Le Guin bis heute. Laura Haber, Lars Schmeink und Franziska Muche diskutieren über einen intergalaktischen Sturm aus Lateinamerika. Ergänzt wird das Festival zudem durch drei Übersetzungsworkshops für Schüler:innen in der Amerika-Gedenkbibliothek Berlin und einen Übersetzungsworkshop für Erwachsene im Collegium Hungaricum Berlin. Das Projekt schreiben&lebenExTRA bietet am 18. und 25. September Einzelberatungen rund um das Thema Literaturübersetzung und den Übersetzungsberuf an.

Über das Festival

"Übersetzen & Weltretten" findet im Vorfeld des Internationalen Tags des Übersetzens (auch Hieronymustag) statt, der am 30. September begangen wird. Ziel des Festivals ist es, den Kulturaustausch zwischen der deutschen und internationalen Literaturszene zu vertiefen und die unverzichtbare Arbeit von Literaturübersetzer:innen für eine pluralistische und demokratische Gesellschaft sichtbar zu machen. Das Programm wird von Hélène Thiérard und Henning Bochert (Weltlesebühne e. V.) sowie Gastkuratorin Aurélie Maurin (TOLEDO/Deutscher Übersetzerfonds) kuratiert.

"Übersetzen & Weltretten" wird veranstaltet von Weltlesebühne e. V. und dem TOLEDO-Programm des Deutschen Übersetzerfonds, in Zusammenarbeit mit dem Collegium Hungaricum Berlin, der Lettrétage, dem Ibero-Amerikanischen Institut, schreiben & leben, Drama Panorama e. V. sowie mit freundlicher Unterstützung durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB). Das Festival wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, dem Deutschen Übersetzerfonds, der GLS Treuhand und Pro Helvetia.

Das vollständige Programm kann unter https://weltretten.weltlesebuehne.de/programm/ eingesehen werden, der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.