Porträt Illustratorin Antje Damm

Bei ihr fliegen die Funken

24. Februar 2026
Stefan Hauck

Eine Architektin, die zur Illustratorin wurde – und für ihr Gesamtwerk den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen hat: Antje Damm ist ein Ausnahmetalent.

Antje Damm

Antje Damm

Einmal mehr als 50 Bücher zu illustrieren – das hätte sich Antje Damm als Studentin nicht vorstellen können. Bereits ihr Vater war Architekt und Stadtentwickler mit eigenem Büro: "Als Kind habe ich gerne zugearbeitet, Lichtpausen gemacht, in Urlauben hatte mein Vater uns die gotischen Strebpfeiler usw. nahegebracht." Die 1965 in Wiesbaden geborene Damm bewarb sich um einen Studienplatz, hätte aber "niemals damit gerechnet, dass ich genommen würde". Sie wurde. Und studierte in Darmstadt bei den "großen Bs": den Professoren Günter Behnisch, Walter Belz und Max Bächer. Anschließend ging sie nach Berlin: "Da stand mir nach der Wende die Welt offen."

Damm arbeitete in Architekturbüros an Sanierungen und Umnutzungskonzepten, etwa bei der Alten Akademie der Künste. Da ihr Lebensgefährte auch Architekt war und aus Nürnberg kam, entschlossen sich beide, dort Fuß zu fassen: "Wir bauten ein Büro auf und das hieß: kein Feierabend, kein Wochenende." Was nicht leicht mit dem Familienleben unter einen Hut zu kriegen war. Die erste Tochter war noch in Berlin geboren, die zweite in Nürnberg, "und irgendwann wurde mir klar: Ich muss mich etwas zurückziehen, das ist gesundheitlich nicht mehr machbar." In dieser Zeit fing sie an, spielerisch kleine Bücher für die Kinder zu entwerfen.

Nette Absagebriefe

Wie es der Zufall wollte, hatte sie eine Lizenzmanagerin von Hanser kennengelernt, die sie ermutigte, doch mal bei Verlagen anzuklopfen – "ich hätte mich das nie getraut". So erschien 2000 bei Atlantis ihr erstes Kinderbuch, "Käfers Reise". In den Kopf gesetzt hatte sie sich aber, im Moritz Verlag zu erscheinen, dessen Bücher sie in einer Ausstellung auf dem Erlanger Poetenfest gesehen hatte: "Dessen Verleger Markus Weber hatte mir sehr nette, konstruktive Absagebriefe geschickt …"

Als sie Weber ihr Manuskript zu "Frag mich!" schickte, funkte es: Kaum hatte der Verleger ausgepackt, rief er bei Damm an: "Ich mache das Buch!" Darin stellt Damm zeichnerisch wie fotografisch 108 Fragen an Kinder, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Inspiriert wurde sie dazu von Donata Elschenbroichs "Weltwissen der Siebenjährigen", in dem heißt, "dass ein Kind auch Langeweile haben darf und auch mal in einen Bach gefallen sein muss. In meinem Buch frage ich die Kinder direkt: Bist du schon mal in einen Bach gefallen?" Die Fragen reichen von philosophisch bis lebenspraktisch, weshalb sie unterschiedliche künstlerische Formen wählte. "Wahrscheinlich war es hilfreich, dass ich gar nicht illustratorisch ausgebildet war und einfach viel experimentieren konnte." Der Titel wurde zum Bestseller und 2023 erneut aufgelegt.

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