Wissenschaft

Klaus G. Saur ist gestorben

6. August 2026
Thedel von Wallmoden

Klaus G. Saur, einer der weltweit bekanntesten Fach- und Wissenschaftsverleger, ist gestorben. Thedel v. Wallmoden, Verleger und Vorsitzender der Historischen Kommission des Börsenvereins, würdigt eine große Persönlichkeit der Buchbranche. 

KLaus G. Saur vor rotem Hintergrund

Klaus G. Saur

Saur war ein Freund der Wissenschaft und arbeitete aus einem Ethos, Partner und Dienstleister der Wissenschaft und des Bibliothekswesens zu sein.

"Traumberuf Verleger" – so lautet der Titel des 2011 zum 70. Geburtstag von Klaus G. Saur erschienen Buches mit seinen Erinnerungen. Und wie eine traumhafte Erfolgsgeschichte und zugleich auch wie ein Schelmenroman liest sich diese Lebensbeschreibung. Vom Eintritt in den von seinem Vater gegründeten „Verlag Dokumentation und Technik“ (1963) bis zum Ende seiner alleinigen Geschäftsführung des Verlags Walter De Gruyter (2008) spannt sich eine beispiellose Verlegerbiografie, in der es durchaus Höhen und Tiefen gab, in der es aber nie an Ideen, Selbstvertrauen und Unternehmergeist fehlte und die in der Summe ein traumhafter Weg von Erfolg zu Erfolg war.

Wer je mit Klaus G. Saur telefoniert hat – er war ein leidenschaftlicher Telefonierer –, wird den Tonfall nicht vergessen, mit dem er am anderen Ende der Leitung seinen Namen aussprach. Auch seine enorm kenntnisreichen Vorträge über Themen des Buchhandels und der Verlagsgeschichte und natürlich immer auch über die Geschichte seiner eigenen Verlage sind in ihrem eindrucksvollen Duktus unvergesslich. Große Zusammenhänge des nationalen und internationalen Buchhandels und der Branchenentwicklung wurden plastisch, wenn er Zahlen und Namen aus dem Stegreif rekapitulierte. So war Klaus G. Saur einer der weltweit bekanntesten und öffentlich wirksamsten Fach- und Wissenschaftsverleger. Überhaupt war er ein Freund der Wissenschaft und arbeitete aus einem Ethos, Partner und Dienstleister der Wissenschaft und des Bibliothekswesens zu sein. Dafür spricht allein die kaum zu überblickende Zahl der großen Nachschlagewerke und bibliographischen Hilfsmittel, die er verlegt hat. Die internationale Wissenschaft hat ihm dies mit zahlreichen Ehren­doktoraten von Graz, Marburg, Boston, Pisa bis nach Ischewsk, mit Honorarpro­fessuren und anderen Ehrungen gedankt. Es lag in Klaus G. Saurs Naturell, dass er dafür empfänglich war und sich darüber freute.

Klaus G. Saurs besonderes Interesse galt der Zeitgeschichte, genauer gesagt, der Forschung zum Nationalsozialismus. Das war ein persönliches, ein existentielles Interesse, denn sein Vater Karl-Otto Saur (1902-1966) war einer der führenden Technokraten in der Organisation Todt gewesen. Hitler hatte ihn im Testament zum Rüstungsminister ernannt. In den Erinnerungen schreibt Klaus G. Saur: „Mein Vater war ein totaler Anhänger Hitlers. Ich gehe davon aus, dass sich mein Vater im Prinzip nie von Hitler abgewandt hat.“ Dieser klare, dieser illusionslos nüchterne Blick auf den Nationalsozialismus und auf den eigenen Vater war kennzeichnend für Klaus G. Saur, und das mag ein Grund für seine aufklärerische und wissenschaftliche Weltsicht gewesen sein. Bis ins hohe Alter ließ er sich aktuelle zeitgeschichtliche Bücher schicken und sprach angeregt über diese Lektüre.

Große Zusammenhänge des nationalen und internationalen Buchhandels und der Branchenentwicklung wurden plastisch, wenn er Zahlen und Namen aus dem Stegreif rekapitulierte.

Ein zweites Interessengebiet war die Buchhandels- und Verlagsgeschichte. Als langjähriges Mitglied der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und in den Jahren 1996 bis 2017 als deren Vorsitzender hat Klaus G. Saur die buchwissenschaftliche und verlagshistorische Forschung durch eigene Publikationen und durch unermüdliche Initiativen maßgeblich geprägt. Zuletzt durch die gemeinsame Herausgabe der drei Bände "Deutsche Demokratische Republik“ der "Geschichte des Deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert" (2022), gemeinsam mit Christoph Links, Siegfried Lokatis und Carsten Wurm. Dass er sich ehrenamtlich auch in vielen anderen Gremien des Börsenvereins engagiert hat, gehörte zu seinem Verständnis der öffentlichen Funktion und Aufgabe eines Verlegers. Mit dieser Haltung hat er Sitzungen und Gesprächskreise, an denen er teilnahm, geprägt und bereichert. Der Börsenverein hat Klaus G. Saur mit der seltenen Auszeichnung der Ehrenmitgliedschaft bedacht.

Und auch das gehört dazu, wenn man sich an Klaus G. Saur erinnert: Er war ein wunderbarer und großzügiger Gastgeber. Er war ein Familienmensch und er liebte es, Freunde und die zahllosen Menschen, die ihn interessierten, an opulenten Tafeln zu bewirten. Überhaupt war Klaus G. Saur großzügig. Unvergessen bleibt, dass er einem alten Freund im vergangenen Jahr das Festessen zu dessen 90. Geburtstag ausrichtete und selbst wegen seiner schweren Krankheit nicht mehr an der Feier teilnehmen konnte.

Nun ist Klaus G. Saur wenige Tage nach seinem 85. Geburtstag in München gestorben. Wir trauern um einen herausragenden Verleger, einen wunderbaren, lebhaften Gesprächspartner und einen unvergesslichen Freund des Buches und der Wissenschaft.

Klaus G. Saur

Prof. Dr. Klaus G. Saur, geboren am 27. Juli 1941, ist am 4. August 2026 verstorben. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande (1994) wurde auch mit dem Verdienstorden des Freistaates Sachsen (2002) ausgezeichnet. Zahlreiche Ehrendoktorate - von der Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität Marburg bis zur Ehrendoktorwürde der Udmurtischen Staatlichen Universität Ishewesk - werden von vielen weiteren Honorarprofessuren und wissenschaftlichen Auszeichnungen begleitet. 

Den Gremien des Börsenvereins gehörte Saur schon ab den 1970er Jahren an, zunächst im Landesverband Bayern, bald auch im Bundesverband - unter anderem in der Abgeordnetenversammlung, dem Verleger-Ausschuss und dem Vorstand sowie dem Aufsichtsrat der Ausstellungs- und Messe- GmbH, auch in Gremien wie dem Stiftungsrat des Friedenspreises und der Historischen Kommission. Der Börsenverein hat den Verleger für sein jahrzehntelanges Engagement mit der Goldenen Nadel (1999), der Perthes-Medaille (2007) und der Ehrenmitgliedschaft gewürdigt.