"Traumberuf Verleger" – so lautet der Titel des 2011 zum 70. Geburtstag von Klaus G. Saur erschienen Buches mit seinen Erinnerungen. Und wie eine traumhafte Erfolgsgeschichte und zugleich auch wie ein Schelmenroman liest sich diese Lebensbeschreibung. Vom Eintritt in den von seinem Vater gegründeten „Verlag Dokumentation und Technik“ (1963) bis zum Ende seiner alleinigen Geschäftsführung des Verlags Walter De Gruyter (2008) spannt sich eine beispiellose Verlegerbiografie, in der es durchaus Höhen und Tiefen gab, in der es aber nie an Ideen, Selbstvertrauen und Unternehmergeist fehlte und die in der Summe ein traumhafter Weg von Erfolg zu Erfolg war.
Wer je mit Klaus G. Saur telefoniert hat – er war ein leidenschaftlicher Telefonierer –, wird den Tonfall nicht vergessen, mit dem er am anderen Ende der Leitung seinen Namen aussprach. Auch seine enorm kenntnisreichen Vorträge über Themen des Buchhandels und der Verlagsgeschichte und natürlich immer auch über die Geschichte seiner eigenen Verlage sind in ihrem eindrucksvollen Duktus unvergesslich. Große Zusammenhänge des nationalen und internationalen Buchhandels und der Branchenentwicklung wurden plastisch, wenn er Zahlen und Namen aus dem Stegreif rekapitulierte. So war Klaus G. Saur einer der weltweit bekanntesten und öffentlich wirksamsten Fach- und Wissenschaftsverleger. Überhaupt war er ein Freund der Wissenschaft und arbeitete aus einem Ethos, Partner und Dienstleister der Wissenschaft und des Bibliothekswesens zu sein. Dafür spricht allein die kaum zu überblickende Zahl der großen Nachschlagewerke und bibliographischen Hilfsmittel, die er verlegt hat. Die internationale Wissenschaft hat ihm dies mit zahlreichen Ehrendoktoraten von Graz, Marburg, Boston, Pisa bis nach Ischewsk, mit Honorarprofessuren und anderen Ehrungen gedankt. Es lag in Klaus G. Saurs Naturell, dass er dafür empfänglich war und sich darüber freute.
Klaus G. Saurs besonderes Interesse galt der Zeitgeschichte, genauer gesagt, der Forschung zum Nationalsozialismus. Das war ein persönliches, ein existentielles Interesse, denn sein Vater Karl-Otto Saur (1902-1966) war einer der führenden Technokraten in der Organisation Todt gewesen. Hitler hatte ihn im Testament zum Rüstungsminister ernannt. In den Erinnerungen schreibt Klaus G. Saur: „Mein Vater war ein totaler Anhänger Hitlers. Ich gehe davon aus, dass sich mein Vater im Prinzip nie von Hitler abgewandt hat.“ Dieser klare, dieser illusionslos nüchterne Blick auf den Nationalsozialismus und auf den eigenen Vater war kennzeichnend für Klaus G. Saur, und das mag ein Grund für seine aufklärerische und wissenschaftliche Weltsicht gewesen sein. Bis ins hohe Alter ließ er sich aktuelle zeitgeschichtliche Bücher schicken und sprach angeregt über diese Lektüre.