Honorare

Kreative stehen finanziell unter Druck

19. Februar 2026
Ralf Schweikart

Reich werden mit Kinderbüchern die allerwenigsten. Arm bleiben dafür immer mehr. Das Kriseln der Branche geht auch zulasten der kreativen Freiberufler und Urheberinnen – ein Überblick.

Illustration zeigt einen Künstler im Bett, umgeben von Kunstmaterialien und persönlichen Gegenständen.

Klagen allerorten: Die Buchkäufer:innen über die Ladenpreise. Der Buchhandel über sinkende Absatzzahlen. Die Verlage über zu geringe Umsätze bei stetig steigenden Kosten. Und die Kreativen über Honorare, die auf niedrigem Niveau wie festgetackert scheinen. Das beklagen Interessenvertretungen wie die Verbände der Übersetzer:innen und Illustrator:innen immer wieder. Ohne Erfolg.

Jetzt haben sich Kreative wie Martin Baltscheit, Anne-Kathrin Behl, Petra Eimer, Silvio Neuendorf und andere zu einer Aktion zusammengetan, die Illustrator und Autor Michael Mantel ins Leben gerufen hat. Ihr Mut machender Hashtag #LichterAnFuersKinderbuch verbreitet einen Optimismus, den viele nicht mehr haben – und die stattdessen eher an "Lichter aus" denken, weil es immer schwieriger wird, den eigenen Lebensunterhalt mit der Arbeit an Bilder- und Kinderbüchern zu bestreiten. Aber der Reihe nach.

Illustrator:innen und Autor:innen

"Ich höre selbst von guten Illustrator:innen, dass sie sich aus dem Kinderbuch zurück­ziehen" – "Mehr als die Hälfte meiner Einnahmen kommen aus anderen Bereichen" – "­Es ist immer gut, auf mindestens zwei Beinen zu stehen": Diese Einschätzungen von Michael Mantel, Jens Rasmuss und Petra Eimer stehen stellvertretend für die Unsicherheit vieler Kreativer. Das als Vorschuss von den Verlagen angebotene Honorar reicht als Grundgehalt nicht aus, es braucht Lesungen, Workshops, Lehrtätigkeiten oder Aufträge aus besser zahlenden Branchen. Doch die gehen, befeuert durch die KI, gerade rapide verloren, etwa in der Werbung, wie Michael Mantel schmerzhaft erfahren muss. Und die Beteiligung an verkauften Exemplaren spielt oft keine oder nur eine geringe zusätzliche Summe ein, denn nur wenige landen einen Bestseller. Hinzu kommt, dass die Kurzlebigkeit von Titeln zunimmt, wie Agentin Susanne Koppe feststellt. Nicht das einzige Ärgernis: "Insbesondere die endlosen Wartezeiten, bis Verträge überhaupt ausgestellt werden, belastet. Wenn ich nach unzähligen Mahnungen und dem Hinweis, dass Autor:innen und Illustrator:innen ja ihr Geld brauchen, aus einem Verlag dann den Satz höre ›Aber davon kann doch eh keiner leben', finde ich das unmöglich."

Die Illustratoren Organisation führt regelmäßig Befragungen zur Situation der Künstler:innen durch, zuletzt im Spät­sommer 2025. Das erschreckende Ergebnis: 75 Prozent der Befragten gaben an, dass diese Arbeit ihr Haupterwerb sei, aber 60 Prozent verdienten 2024 weniger als 24.000 Euro netto im Jahr. Zur Einordnung: Die offizielle Armutsgefährdungsgrenze bei Haushalten mit zwei Erwachsenen liegt bei knapp über 26.000 Euro jährlich.

Wenn Verlage jetzt für Coverillustrationen KI einsetzen, ist das immer ein entgangener Auftrag für eine Illustrator:in oder Gestalter:in. In der Befragung kommt das deutlich zum Ausdruck: 84 Prozent sehen KI als Bedrohung, nur 26 Prozent als ein hilfreiches Werkzeug. "Es werden sehr viele Brotjobs für Illustrator:innen wegfallen", füchtet Jens Rasmuss. "Gestaltungsaufgaben, bei denen das künstlerische Niveau nicht so entscheidend ist, wird die KI übernehmen, aber auch darüber hinaus."

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