Berliner Literaturkonferenz

Protest gegen Einstellung von "Goethe-Institut im Exil"

2. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Gegen Ende Februar hatte das Goethe Institut gemeldet, dass es sein Programm "Goethe-Institut im Exil" einstellt. Die Berliner Literaturkonferenz (BLK) protestiert in einem Statement dagegen – fordert ein Überdenken der Entscheidung. 

Mit "großem Unverständnis" habe man zur Kenntnis genommen, dass das Goethe-Institut sein erfolgreiches Programm "Goethe-Institut im Exil" mit sofortiger Wirkung eingestellt hat, schreibt die Berliner Literaturkonferenz (BLK) am 28. Februar in einem Statement. Die BLK ist der Zusammenschluss der institutionell geförderten Literaturhäuser, der Literaturfestivals und der Freien Literaturszene Berlins.

Das Programm "Goethe-Institut im Exil" sei 2022 ins Leben gerufen worden und präsentierte auf den Bühnen Berlins die künstlerische Arbeit von Künstler:innen und Autor:innen, die aus Krisen- und Kriegsgebieten stammen, insbesondere aus Ländern und Gebieten wie Afghanistan, der Ukraine, Syrien oder Palästina, in denen Goethe-Institute aufgrund erhöhter Sicherheitsbedenken schließen mussten oder nur in sehr eingeschränktem Maße tätig sein können.

Protest gegen Streichung des Programms

"Die Mitglieder der BLK sind bestürzt, dass dieses künstlerisch bedeutende Projekt der kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenarbeit restlos und von einem Tag auf den anderen gestrichen wurde", so das Statement weiter. "Nicht nur gefährdet diese Kürzung die Arbeitsplätze der von uns sehr geschätzten Mitarbeiter:innen des Programms, sondern sie zerstört auf einen Schlag gewachsene internationale Netzwerke und kulturellen Austausch, beides wesentlich für die gesellschaftliche Integration und Partizipation der betroffenen Künstler:innen und Autor:innen." Insbesondere erschüttere die BLK die Art und Weise, wie das laufende Programm ad hoc und ohne ausreichende Vorankündigung an die Künstler:innen und Kooperationspartner:innen ersatzlos gestrichen wurde. "Der Umgang mit uns (...) lässt uns höchst verwundert zurück." Es sei mehr als bedauerlich, dass das erfolgreiche Programm "Goethe-Institut im Exil" restlos und ersatzlos gestrichen wurde, sei es doch genau diese Art von Projekten, die zur kulturellen Verständigung und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitrügen.

"Wir protestieren gegen die Streichung dieses wichtigen Programms und plädieren dafür, dass der Vorstand des Goethe-Instituts zusammen mit dem Auswärtigen Amt diese Entscheidung umgehend überdenkt", schließt das Statement.

Unterschrieben ist es von:

  • Dr. Sonja Longolius und Janika Gelinek, Literaturhaus Berlin
  • Dr. Annette Wostrak, LesArt Berlin
  • Dr. Alexander Graeff, BROTFABRIK Berlin
  • Katharina Schultens, Haus für Poesie
  • Dr. Florian Höllerer, Literarisches Colloquium Berlin e.V. (LCB)
  • Dr. Christian Hippe, Literaturforum im Brecht-Haus
  • Lavinia Frey, internationales literaturfestival berlin (ilb)
  • Martin Jankowski, Berliner Literarische Aktion Netzwerk freie Literaturszene Berlin e.V. (NFLB)
  • Lettrétage
  • Berliner Bücherfest

Hintergrund:

Das Goethe-Institut hatte die Einstellung des Projekts am 23. Februar auf seiner Website gemeldet: "Vor dem Hintergrund aktueller politischer Dynamiken und multipler Krisen sowie deren Auswirkungen auf die Arbeit des Goethe-Instituts, hat der Vorstand des Goethe-Instituts die Entscheidung getroffen, das Programm Goethe-Institut im Exil mit sofortiger Wirkung einzustellen." Die akute Belastungssituation und eine enge finanzielle Ausstattung würden eine Fortführung des Formats unter den gegebenen Bedingungen nicht zulassen.

Trotz dieser Maßnahme bleibe die Unterstützung exilierter Künstler:innen ein wichtiger Bestandteil seines Selbstverständnisses, betonte das Goethe-Institut allerdings. "Wir werden ihre Stimmen weiterhin hörbar machen, sie eng mit unserer internationalen Programmarbeit verknüpfen und ihre Perspektiven in den deutschen Diskurs einbringen."

Das Programm Goethe-Institut im Exil habe geflüchteten, exilierten und migrierten Künstler:innen einen Ort der Ankunft und der Fortführung ihrer Arbeit geboten. "Wir bleiben weiterhin verbunden durch die Netzwerke und den Dialog, den dieses Projekt angestoßen hat", so das Goethe-Institut.