Das berichten Medien übereinstimmend. Rolf Erdorf wurde am 26. Mai 1956 in Auw bei Prüm, Eifel, geboren. Er studierte Romanistik, Germanistik und Niederländische Philologie in Bonn, Köln und (West-)Berlin und arbeitete im Anschluss einige Jahre als freier Journalist für den niederländischen Rundfunk. Seit 1989 war er hauptberuflich niederländisch-deutscher Übersetzer mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur sowie Kunst- und Kulturgeschichte. Insgesamt hat er rund 200 Bilder-, Kinder- und Jugendbücher ins Deutsche übertragen, darunter Titel von Michael de Cock, Jan de Leeuw, Gideon Samson, Marita de Sterck, Leo Timmers, Erna Sassen, Edward van de Vendel, Dolf Verroen und Floortje Zwigtman.
Dank Erdorf fanden unzählige niederländische Autorinnen und Autoren den Weg zu einem deutschsprachigen Publikum, würdigt der Nederlands letterenfonds den Verstorbenen. Erdorf sei regelmäßiger Gast im Vertalershuis in Amsterdam gewesen, wo er unter anderem an Übersetzungen von Werken von Robbert Welagen und Tonke Dragt arbeitete. Dieser Ort habe ihm die Ruhe und Inspiration geboten, die für sein Werk so charakteristisch seien. "Mit dem Tod von Rolf Erdorf haben wir einen Übersetzer verloren, der neuen Generationen von Lesern ganze Welten erschlossen hat", so Nederlands letterenfonds. "Sein Vermächtnis lebt in den vielen Büchern weiter, denen er neues Leben eingehaucht hat." (Zitate im Original auf Englisch).
Für seine Übersetzungen erhielt er mehrere Preise, darunter den renommierten niederländischen Martinus Nijhoff Prijs (2005) für sein Gesamtwerk sowie den Deutschen Jugendliteraturpreis (2006 für "Wie schön weiß ich bin"; 2016 für "Der Hund, den Nino nicht hatte") und den Gustav-Heinemann-Friedenspreis (2006 für "Wie schön weiß ich bin"). Für sein Gesamtwerk wurde er zudem 2024 mit dem Sonderpreis Übersetzungen des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet. In der Jurybegründung hieß es damals: "Er trifft immer den richtigen Ton, authentisch und klar, fein abgestimmt mit dem Original und zugleich auf Augenhöhe mit den Leser:innen. Das ist Übersetzerhandwerk in vollendeter Form."