Deutscher Buchhandlungspreis

"Vertrauen des Buchsektors in eine weltoffene, diverse und ehrliche Politik ist spürbar erschüttert"

18. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Ausschluss dreier Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis 2025 und die Absage der Preisverleihung "stellt einen Vorgang von erheblicher kulturpolitischer Tragweite dar", kritisiert das Netzwerk Autorenrechte in einem Statement.

Außenaufnahme des Buchladens zur schwankenden Weltkugel

Buchhandlung zur schwankenden Weltkugel

Zum Netzwerk Autorenrechte gehören neun Verbände der Buchurheber aus Deutschland und Österreich. In der Stellungnahme heißt es: "Inhabergeführte Buchhandlungen sind Orte der lebendigen Demokratie. Sie bieten Raum für gesellschaftspolitischen Diskurs, agieren als Partner von Autorinnen und Autoren auch jenseits großer Verkaufszahlen und ermöglichen eine Bibliodiversität, die essenziell für Meinungsvielfalt und gesellschaftliche Meinungsbildung ist. Unabhängige Buchhandlungen unterstützen mit großem persönlichem Engagement die Identitätenvielfalt unserer Gesellschaft sowie unserer Kultur- und Leselandschaft."

Für Autorinnen und Autoren sowie Übersetzerinnen und Übersetzer sei diese Vielfalt von zentraler Bedeutung: Sie sorgt dafür, dass Literatur unterschiedlicher Stimmen, Perspektiven und ästhetischer Ansätze sichtbar bleibe und ihre Leserinnen und Leser finde. "Die Förderung einer solchen vielfältigen literarischen Öffentlichkeit entspricht auch dem satzungsgemäßen Anliegen unserer Verbände", so das Netzwerk.

"Schwerwiegender Eingriff"

Anerkennung und Unterstützung für diese Arbeit drücke sich seit 2015 im Deutschen Buchhandlungspreis aus. Über die Auswahl der Preisträger entscheidet eine unabhängige Fachjury nach kulturellen und künstlerischen Kriterien. Dieses Verfahren diene ausdrücklich dazu, die Preisvergabe vor politischer Einflussnahme zu schützen.

Umso problematischer sei es, dass Wolfram Weimer drei der insgesamt 118 von der Jury ausgewählten Buchhandlungen von der Liste gestrichen hat: Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin). Begründet werde dies mit – nicht näher ausgeführten – Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sowie dem Hinweis, staatliche Fördergelder dürften nicht an "Feinde des Staates" oder "Extremisten" vergeben werden.

Wenn jedoch ein einzelner politischer Amtsträger auf Grundlage nicht öffentlich nachvollziehbarer Informationen oder schwer überprüfbarer Einzelfälle in die Entscheidung einer unabhängigen Jury eingreife, "stellt dies einen schwerwiegenden Eingriff in ein Verfahren dar, das gerade geschaffen wurde, politische Einflussnahme auszuschließen". Entscheidungen dieser Tragweite würden unmittelbar die Vielfalt des Buchhandels und damit die literarische Öffentlichkeit berühren.

Der Vorgang werfe grundsätzliche Fragen auf:

Werden potenzielle Fördermittelempfänger oder Preisträger bei kulturellen Auszeichnungen künftig systematisch sicherheitsbehördlich überprüft? Wenn ja, auf welcher Grundlage geschieht dies, und seit wann? Nach welchen Kriterien können Entscheidungen unabhängiger Jurys nachträglich korrigiert oder revidiert werden? Wie transparent sind solche Verfahren gegenüber Betroffenen und Öffentlichkeit? Wo endet legitime staatliche Prüfung – und wo beginnt politisch problematische Einflussnahme auf kulturelle Vielfalt?

"Ein Vorgehen, bei dem einzelne Kulturakteure öffentlich diskreditiert werden, ohne dass die zugrunde liegenden Gründe nachvollziehbar offengelegt werden, beschädigt das Vertrauen in die Verfahren der Kulturförderung erheblich", so das Netzwerk. Gerade eine demokratische Kulturpolitik sollte jedoch dort besondere Zurückhaltung üben, wo staatliche Eingriffe die Vielfalt kultureller Akteure und der literarischen Öffentlichkeit berühren. Die Glaubwürdigkeit staatlicher Kulturförderung beruhe wesentlich auf der Unabhängigkeit ihrer Verfahren – und auf dem Vertrauen, dass politische Entscheidungsträger diese Unabhängigkeit respektieren.

Transparente Aufklärung gefordert

Der Eingriff von Wolfram Weimer in die Entscheidung der Jury habe nun das Vertrauen des Buchsektors in eine weltoffene, diverse und ehrliche Politik spürbar erschüttert und werfe die Frage auf, ob in diesem Fall die notwendige Distanz zwischen politischer Verantwortung und unabhängigen kulturpolitischen Verfahren gewahrt worden sei. "Wir halten daher eine transparente und umfassende Aufklärung des Vorgangs für notwendig", so das Netzwerk. Sollte dies nicht geschehen, stelle sich die Frage, ob der BKM seinem Auftrag als Kunst- und Kulturförderer noch gerecht wird?

Unterzeichnet ist die Stellungnahme von: 

Bundeskongress Kinderbuch
Bundesverband junger Autorinnen und Autoren e.V. (BVjA)
DELIA – Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautorinnen und -autoren
Forum Literaturübersetzen
HOMER Historische Literatur
IG Autorinnen Autoren (Österreich)
Mörderische Schwestern e.V.
SYNDIKAT e.V. Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur
Verband deutscher Schriftsteller:innen (VS)

www.netzwerk-autorenrechte.de