Porträt: Schriftstellerin Mareike Fallwickl

"Wie könnten wir anders leben?"

5. Februar 2026
Stefan Hauck

Mit ihren poetisch-boshaften Texten entlarvt Mareike Fallwickl patriarchale Denkmuster und bringt sogar Politiker zum Nachdenken. Das Porträt einer engagierten Schriftstellerin.

Porträt  von der Autorin Mareike Fallwickl

Mareike Fallwickl

Nicht nur das Literaturhaus München nennt Fallwickl "eine der wichtigsten literarischen Stimmen im feministischen Diskurs". Bei solchen Etikettierungen ist die 42-­jährige Autorin skeptisch. "Ich nehme mir ja nicht vor: Jetzt schreibe ich ein feministisches Buch – das klappt nicht. Ich will eine gute Geschichte mit Spannungsbögen, die die Leser:innen mitzieht."

Ihr Ansatz ist ein literarischer; mitten im Lockdown 2021 etwa liest sie beim Chatten mit Freundinnen: "Ich will nicht mehr. Ich spring einfach vom Balkon." Dieser Satz hat sie "elek­trisiert, ich dachte: Was, wenn das wirklich jemand tut? Wenn ich da zu erzählen anfange und ein Loch in der Familie aufreiße. Was passiert, wenn sich die Mutter vom Balkon stürzt?"

Das Gedankenspiel wird im Schreibprozess zu "Die Wut, die bleibt" (Rowohlt) zur emotionalen Achterbahnfahrt, Leser:innen können sich in die sehr realistisch gezeichneten Figuren rasch einfühlen. Wie Fallwickl den Gap zwischen den eigenen Bedürfnissen von Frauen, die Care-Arbeit leisten, und den gesellschaftlichen Erwartungen an sie deutlich macht, das ist unmissverständlich, bildhaft, greifbar.