Interview mit Zukunftsforscher Klaus Kofler

"Wir sind alt, satt und dekadent"

21. April 2026
Sabine van Endert

Zukunft ist für Klaus Kofler keine Prognose, sondern die Haltung, sie als gemeinsame Aufgabe zu begreifen. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Klaus Kofler

Klaus Kofler. Der Österreicher Klaus Kofler (­Jahrgang 1964) ist Zukunftsforscher und Autor. Sein Buch "Zukunft als Ressource" ­erscheint im Mai im oekom Verlag.

Ihr aktuelles Buch trägt den Titel "Zukunft als Ressource". Was meinen Sie damit?

Klaus Kofler: Entscheidend ist für mich, dass Zukunft keine ferne Zeit darstellt. Wirksamkeit entsteht im Heute. Das ist wie bei einer Ressource: Wie wir mit ihr umgehen, entscheidet, was wir mit der Zukunft anstellen. Zukunft funktioniert nicht mehr als lineares Ziel – das hat lange wunderbar funktioniert, und der Wohlstand, den wir heute haben, basiert auf genau diesem Prinzip. Aber jetzt müssen wir switchen. Wir brauchen einen lebendigen Organismus, der sich erneuern und regenerieren kann.

Was unterscheidet "regeneratives Zukunftsdesign" von klassischer ­Zukunftsforschung?

Klaus Kofler: Die klassische Zukunftsforschung beschreibt Entwicklungen, beschäftigt sich mit möglichen Szenarien – es wird viel über Prognostik gesprochen. Im Fokus steht, was in der Außenwelt um uns herum stattfinden wird und stattfinden kann. Regeneratives Zukunftsdesign geht mehr ins Innere. Wie werden wir mit all diesen Herausforderungen, die da draußen auf uns zukommen, im Inneren umgehen können? Es geht nicht darum, Zukunft nur zu analysieren, sondern sie in ein kollektives Vorstellungsvermögen zu setzen, zu aktivieren und in wirksames Handeln zu übersetzen. Regeneratives Zukunftsdesign beschreibt Bedingungen, unter denen Zukunft entstehen kann. Im Zentrum steht nicht die Prognose, sondern die Frage, wie unsere Systeme wieder lebendig und handlungsfähig werden.

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