Börsenverein

Erstverkaufstage, Wirtschaftlichkeit, KI: Vorstand tagt in Frankfurt

29. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Bei seiner Herbstsitzung am Dienstag diskutierte der Verbandsvorstand aktuelle Branchenthemen. Unter anderem ging es um die aktuell bekanntgewordenen Verstöße gegen Erstverkaufstage. Daneben standen auf der Agenda: drei Ämterbesetzungen, das Thema Wirtschaftlichkeit und generative KI.
 

Konferenzraum im Haus des Buches in Frankfurt mit verschiedenen Vertreter*innen des Vorstands an Konferenztischen

Vorstandssitzung beim Börsenverein im Haus des Buches in Frankfurt

Intensiv besprachen die Vorstandsmitglieder aus aktuellem Anlass den Umgang mit Verstößen gegen Erstverkaufstage (EVT). Die Vorstandsmitglieder bekannten sich klar zur Bedeutung verbindlicher EVT und deren Einhaltung. Es wurde diskutiert, ob branchenweite Lösungen vonseiten des Verbands möglich wären. Vorgestellt wurde die Option eines vom Börsenverein administrierten Erstverkaufstags-Kodex mit fester Vertragsstrafe. Als Eingriff in den Wettbewerb müsste ein solcher vom Bundeskartellamt genehmigt werden, eine Entscheidung könnte Jahre dauern. Zudem müsste ein solcher Kodex freiwillig bleiben. Die Umsetzung würde hohe Kosten beim Verband sowie kontinuierlich Ressourcen in allen Unternehmen erfordern. Aus diesen Gründen stellt sich eine Branchenlösung als nicht praktikabel und kartellrechtlich schwer umsetzbar heraus. Die Vorstandsmitglieder sind sich einig, dass verbindliche EVT elementar für die Branche sind und appellieren eindringlich an alle Marktteilnehmer, diese zwingend zu beachten. Bei Verstößen sollte eine nennenswerte freiwillige Spende an das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels als Entschädigung in Frage kommen.
 

In der Sitzung ging es auch um verschiedene Aspekte des drängenden Themas Wirtschaftlichkeit, u.a. um zukünftige Möglichkeiten der Datenanalyse sowie um die Optimierung des Remissionsprozesses (dazu in Kürze mehr an dieser Stelle). Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt: die Auswirkungen generativer KI auf die Buchbranche. Vorstandsmitglieder gaben Einblick in die Verwendung von KI in ihren Unternehmen und diskutierten, welche Chancen und Herausforderungen schon heute bestehen und auf die Branche noch zukommen. Offenheit für Veränderung und die Bereitschaft zum kontinuierlichen Lernen gewinnen, so der Tenor der Diskussion, an Bedeutung für die Branche. Der Verband sieht es als seine Aufgabe, die Mitglieder in diesem Transformationsprozess zu unterstützen, durch Know-how-Vermittlung (etwa im Digitalen Wissens-Hub), Leitfäden und Handreichungen sowie intensive politische Arbeit für verlässliche Rahmenbedingungen.
 

Als neue Schriftführerin wählte der Vorstand in der Sitzung Solvey Munk. Sie folgt auf Alyna Wnukowsky, die den Vorstand Ende September verlassen hat. Außerdem hatte der Vorstand zwei Entscheidungen über Ämter im Wahl-Ausschuss sowie der Stiftung Freedom of Expression zu treffen: Anna Metzner bleibt drei weitere Jahre Vorsitzende des Wahl-Ausschusses. Der Vorstand bestätigte außerdem das bestehende Kuratorium der Stiftung Freedom of Expression eine neue Amtszeit von drei Jahren.