Interview mit den Stiftern Jasmin Schröter und Wolfram Simon-Schröter

100.000 Euro: Kinderbuchpreis der Zeitfracht-Eigentümerin

19. April 2021
von Christina Schulte

Die Eigentümerin der Zeitfracht-Gruppe, Jasmin Schröter, und ihr Mann Wolfram Simon-Schröter rufen einen neuen Kinderbuchpreis ins Leben. Im Interview mit boersenblatt.net erläutern sie, welche Intention sie mit der Auszeichnung verfolgen, warum die Siegertitel auch im All zu Berühmtheit kommen und die Preisverleihung nicht von dieser Welt sein könnte.

Jasmin Schröter und Wolfram Simon-Schröter

Was hat Sie als Familie dazu bewogen, diesen Preis ins Leben zu rufen?
Jasmin Schröter: Wir haben selbst Kinder und uns liegen Kinder sehr am Herzen. Ihnen möchten wir etwas von dem Glück, das wir in unserem Leben erfahren durften, zurückgeben. Lesen ist sehr wichtig und die Grundlage dafür, dass Kinder im Leben die gleichen Startchancen haben. Mit dem Preis wollen wir einen Anreiz schaffen, dass neue, schöne und kreative Kinderbücher publiziert werden. Lesekompetenz und Leselust sind wichtige Elemente in unserer Gesellschaft, die wir stärken möchten. Leseförderung ist uns persönlich ein wichtiges Anliegen.

Welche Bücher können für den Preis ins Rennen gehen?
Jasmin Schröter: Bewerben können sich Autor*innen von Büchern für die leseprägende Altersgruppe von vier bis acht Jahren. Die eingereichten Bücher können aus drei Kategorien stammen:

  • Vorlesebücher, die das Text- und das Hörverständnis in den Vordergrund stellen. Sie sollen bei den jüngeren Kindern (vor Eintritt in die Grundschule) die Fantasie anregen.
  • Selbstlesebücher, mit denen Kinder im frühen Grundschulalter das Selbstlesen entdecken. In dieser Kategorie ist das Zusammenspiel zwischen Text und Illustration besonders wichtig.
  • Bücher, die das Selbstlesen und das Vorlesen kombinieren und daher genau die Nahtstelle kurz vor und kurz nach dem Eintritt in die Schule ausfüllen.

The winner takes it all: Es gibt nur ein Siegerbuch, das gleich mit 100.000 Euro ausgezeichnet wird. Sie kleckern nicht, sondern klotzen beim Preisgeld. Warum?
Wolfram Simon-Schröter: Durch das Preisgeld soll auch ein wirtschaftlicher Anreiz für die Autor*innen geschaffen werden, damit wirklich das beste Kinderbuch des Jahres entsteht und möglichst viele Autor*innen versuchen, es zu schreiben. Der Preis soll Renommee entwickeln und die Breite der Kinderbücher erweitern. Wir würden uns auch freuen, wenn Autor*innen, die bisher noch keine Kinderbücher publiziert haben, sich das überlegen und sich dazu durchringen würden. Ich würde zum Beispiel gern einmal ein Kinderbuch von Ferdinand von Schirach lesen. (lacht)

Wer wählt den Siegertitel aus?
Jasim Schröter: Eine ehrenamtliche Jury. Sie besteht aus einer Kinderjury und einer Erwachsenenjury. Die Kinderjury wird gebildet aus jeweils einem Mädchen und einem Jungen aus jedem der 16 deutschen Bundesländer, also 32 Kindern zwischen sechs und zehn Jahren. Die Vorauswahl wird von einer Erwachsenenjury getroffen. Sie besteht aus zehn Personen mit starkem Bezug zum Lesen und zum Vorlesen. Dies können Eltern sein, Großmütter und Großväter, Menschen, die sich beruflich mit Kinderbüchern beschäftigen, zum Beispiel Erzieher, Künstler (für die grafische Beurteilung), Journalisten oder Kindererziehungs-Blogger. Aus einer Vorauswahl der Erwachsenenjury und einer daraus resultierenden Shortlist mit maximal zehn Büchern kürt die Kinderjury das Siegerbuch.

 

                 Die höchstdotierten Kinder- und Jugendbuchpreise

    Astrid Lindgren Memorial Award 
    (ALMA)

5 Millionen schwedischen Kronen
(aktuell = 496.000 Euro)

Deutscher Kinderbuchpreis 100.000 Euro
Deutscher Jugendliteraturpreis 72.000 Euro
(Summe teilt sich auf mehrere Preisträger auf)

 

Mit dem Preis wollen wir einen Anreiz schaffen, dass neue, schöne und kreative Kinderbücher publiziert werden.

Jasmin Schröter

Den stationären Buchhandel als Partner gewinnen

Warum möchten Sie, dass die Kinder das letzte Wort haben?
Jasmin Schröter: Wir wollen den Kindern eine Stimme geben und verzichten bewusst auf eine wissenschaftliche Jury und wissenschaftliche Diskussionen über die eingereichten Bücher. Kinder wissen ganz genau und können auch sehr klar sagen, welche Lektüre sie mögen und welche nicht. Und Bücher, von denen wir Erwachsene glauben, dass sie unseren Kindern gefallen, tun das eben nicht immer.

Wie wollen Sie den Preis bekannt machen?
Wolfram Simon-Schröter: Wir werden in Print- und Online-Medien mit verschiedenen Aktionen dafür werben. Ferner wollen wir den stationären Buchhandel einbinden, den wir natürlich als Partner gewinnen möchten. Auch Buchnebenmärkte werden eine wichtige Rolle spielen. Es ist geplant, dass Fahrzeuge der Zeitfracht-Gruppe als Werbeträger auf der Straße im Einsatz sind – und vielleicht werden wir auch unsere Flugzeuge als Werbeträger nutzen, sodass der Deutsche Kinderbuchpreis auch über den Wolken unterwegs ist.

Apropos über den Wolken: Das Siegerbuch soll ins All geschossen werden? Hört sich ziemlich abenteuerlich an …
Wolfram Simon-Schröter: Das mag sich im ersten Augenblick so anhören. Aber Jasmin und ich sind auch an einem Raumfahrtunternehmen beteiligt. Wir werden – nach derzeitiger Planung - das Siegerbuch auf einen unkaputtbaren Kristall mit einem Durchmesser von rund 2,5 Zentimeter zu drucken. Dieser wird dann zum Beispiel von einer Ariane- oder Space-X-Mission mitgenommen und im All ausgesetzt. Die Fantasie der Kinder hört schließlich auch nicht auf der Erde auf, sondern geht bis ins Universum. In fünf bis zehn Millionen Jahren wird man dann vielleicht sehen, welches Buch die Kinder im Jahr 2022 richtig fasziniert hat.

Für die Preisverleihungen haben Sie ähnlich verrückte Ideen!
Wolfram Simon-Schröter: In diesem Jahr wird die Preisverleihung, die am 2. Oktober stattfinden wird, wahrscheinlich eine hybride Veranstaltung werden. Aber schon für 2022 verspreche ich, dass die Preisverleihung nicht auf der Erde von statten geht, sondern live aus dem Weltall übertragen wird.

Mit diesen hochfliegenden Plänen halsen Sie sich jede Menge Organisationsarbeit auf. Wer erledigt das alles?
Jasmin Schröter: Wir stemmen das innerhalb der Zeitfracht-Gruppe. Unsere Mitarbeiter*innen sind begeistert von dem Projekt und jeder hilft in seinem Bereich, wo er kann. Mit Coconad verfügen wir über eine eigene Marketingagentur, die uns unterstützt. Bei unseren Mitarbeiter*innen haben wir schon glühende Fans für unser Vorhaben gefunden. Mir ist bewusst, dass es ein anspruchsvolles Unterfangen ist, aber ich bin ebenso sicher, dass wir das gut organisieren werden.

Wir rufen diesen Preis jetzt ins Leben, ohne vorher groß darüber gesprochen oder jemanden gefragt zu haben.

Wolfram Simon-Schröter

Den Preis auf lange Sicht etablieren

Mit welcher Resonanz auf Ihren Preis rechnen Sie?
Jasmin Schröter: Wir gehen davon aus, dass es eine große Resonanz geben wird und sind sehr zuversichtlich, dass wir viele Einreichungen bekommen werden. Unser Ziel ist es, den Preis auf lange Sicht zu etablieren. Er soll zu einer festen Größe in der Branche werden.

Worauf freuen Sie sich bei Ihrem Preis am meisten?
Jasmin Schröter: Mich fesselt das Thema Bücher und Lesen. Ich bin sehr gespannt, wie die Kinder an die Sache herangehen und sich für einen Titel entscheiden werden. Natürlich freue ich mich auch auf die Preisverleihung, wenn die zehn Autor*innen der Shortlist im Publikum sitzen und die Gewinnerin oder der Gewinner verkündet wird.
Wolfram Simon-Schröter: Ich freue mich darüber, dass es ein Preis ist, der vom Mitmachen lebt. Wir rufen diesen Preis jetzt ins Leben, ohne vorher groß darüber gesprochen oder jemanden gefragt zu haben.

Wie reagieren Ihre Kinder darauf, dass ihre Eltern einen Kinderbuchpreis an den Start bringen?
Jasmin Schröter: Unsere große Tochter findet das sehr spannend. Sie und die Kinder der Mitarbeiter*innen haben mitgeholfen, das Logo zu entwickeln und uns ihre Meinung dazu gesagt. Unsere beiden kleineren Kinder sind noch zu klein, aber sie wissen jedenfalls schon ganz genau, welche Bücher sie vorgelesen haben möchten.

Jasmin Schröter ist Eigentümerin der Zeitfracht-Gruppe, ihr Mann Wolfram Simon-Schröter Finanzvorstand. Das Ehepaar hat drei Kinder.

Der Deutsche Kinderbuchpreis

Stifter: Jasmin Schröter und Wolfram Simon-Schröter
Dotierung Siegerbuch: 100.000 Euro für den Autor, die Autorin, der/die das Geld auch z.B. mit Illustrator*innen, Verlag etc. teilen kann
Jury: Erwachsenenjury, die eine Shortlist von zehn Titeln erstellt; Kinderjury, die den Gewinner auswählt
Titel: Eingereicht werden können Kinderbücher in deutscher Sprache, die zwischen dem 1. Juni 2020 und dem 31. Mail 2021 publiziert werden
Preisverleihung: 2. Oktober 2021
Website: www.deutscher-kinderbuchpreis.com geht am 30. April online.