Erinnern Sie sich noch an den Januar 2021? Ganz bestimmt, denn damals herrschte der zweite deutschlandweite Lockdown, der auch den Buchhandel in 13 Bundesländern betraf. Lediglich Buchhandlungen in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt durften geöffnet bleiben, da sie den Läden des täglichen Bedarfs zugerechnet wurden. Die Geschäfte der Buchhändler:innen liefen trotz geschlossener Ladentüren unter großem Einsatz weiter, wenn natürlich auch bei Weitem nicht mit den gewohnten Umsätzen. Zur Erinnerung: Um das veränderte Kauf- und Lieferverhalten während des Lockdowns im Branchen-Monitor Buch von Media Control abzubilden, wurden während der Wochen der Ladenschließungen auch die Umsätze berücksichtigt, die die stationären Vertriebswege im Rechnungsgeschäft mit Privatpersonen erwirtschafteten.
Ich formuliere es mal andersherum: Als unabhängiges Sortiment sind wir nicht mehr dazu bereit, die Verluste einiger Filialisten in einer gemeinsamen Statistik mitabbilden zu müssen, weil es DAS Sortiment so nicht gibt. Das hätte eigentlich inzwischen auch in Frankfurt ankommen müssen, zumal es zwischendurch und partiell ja schon ausdifferenzierte Statistiken gegeben hat.
Es wird ganz dringend Zeit, die bisherige Form dieser Statistik zu überdenken, denn sie bildet nicht real eine Wirklichkeit ab. Gerhard Beckmann bringt es auf http://culturmag.de/crimemag/gerhard-beckmann-treppenwitz-statistik-beim-boersenverein/140603 eindringlich und präzise auf den Punkt, wo der Hase im Pfeffer liegt. Der Börsenverein sollte sich dringendst Gedanken darüber machen, welchen Zahlen er vertraut und welche Zahlen er wie veröffentlicht.
Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln