Bei den letzten vier Buchhandlungen der Marke Gibert Jeune rund um den Pariser Saint-Michel-Platz und am Seine-Quai wurden am Mittwoch, 31. März, die Rollläden endgültig heruntergelassen. Die traditionsreichen Buchhandlungen mit den prägnanten weißen und gelben Markisen und Ladenschildern werden im Bild des Uni-Viertel Quartier Latin fehlen und von vielen Kunden vermisst werden.
Gibert Jeune war eine Institution. Generationen von Studenten und Gymnasiasten haben hier nicht nur ihre Lehrbücher gekauft, sondern sie später auch wieder verkauft, wenn sie sie nicht mehr brauchten. Aber auch ihre Professoren und viele andere starke Leser waren hier Stammkunden. Eine Besonderheit bestand darin, dass alle Bücher eines Fachgebiets nach Autorennamen alphabetisch einsortiert waren – egal ob es sich um neue oder gebrauchte Exemplare handelte. Das hatte den Vorteil, dass man nach einem bestimmten Titel nur an einer Stelle suchen musste und außerdem oft auch Bücher vorfand, die neu längst nicht mehr lieferbar waren. Literatur und Geisteswissenschaften fand man im Hauptgebäude am Saint-Michel-Platz, wo die drei Etagen schon seit den 1970-er Jahren durch Rolltreppen miteinander verbunden waren. Für Naturwissenschaften, für Comics und Jugendbücher, für Reiseliteratur, für Religion und Esoterik gab es kleinere, ebenerdige, zum Platz oder zum Seine-Kai hin offene Läden.
Mit den Buchhandlungen verschwinden auch 71 Arbeitsplätze. „Die meisten Mitarbeiter waren hier 20 Jahre und mehr beschäftigt, ihr Durchschnittsalter liegt bei 50 Jahren“, sagt Betriebsrat Remy Frey von der Gewerkschaft CGT. „Die müssen jetzt auf einem sehr engen Markt und unter den aktuellen, durch Corona noch erschwerte Bedingungen einen neuen Job suchen. Dabei wird so mancher auf der Strecke bleiben.“