Freiburg

Jüdische Literaturtage der Buchhandlung zum Wetzstein

29. Dezember 2025
Redaktion Börsenblatt

Von 18. bis 22. Januar 2026 finden in der Freiburger Buchhandlung zum Wetzstein die Jüdischen Literaturtage statt. Susanne Bader und Björn Siller organisieren die Veranstaltungen zum zweiten Mal.

Susanne Bader, Björn Siller, Ilona Ganter sitzen in der Buchhandlung am Wetzstein

Susanne Bader, Björn Siller und Ilona Ganter (v. l.)

Musikalisch, lyrisch, zeitgeschichtlich

Die fünftägige Reihe wird mit einer Matinee am Sonntag (18.1.2026, 11 Uhr) eröffnet. Ektoras Tartanis, Komponist und Chefdirigent der Niederbayerischen Philharmonie, präsentiert im Gespräch mit Susanne Bader und am Klavier seine neuen Vertonungen von Gedichten des Lyrikers Paul Celan.

Am Montagabend (19.01.2026, 19 Uhr) wird die Neuauflage der Autobiografie "Unter einem fremden Stern" von Lotte Paepcke vorgestellt. Susanne Bader und Björn Siller sprechen an diesem Abend mit der Enkelin der Autorin, Ursula Paepcke, über das Buch und über die Autorin. Lotte Paepcke wurde im Jahr 1910 in Freiburg als Tochter einer jüdischen Familie geboren. Als Ehefrau eines sogenannten Ariers konnte sie eine gewisse Zeit im Dritten Reich ohne Verfolgung leben. Im Laufe des Krieges jedoch und dank der Hilfe eines Ordensmannes fand sie überlebensnotwendigen Schutz im Kloster in Stegen, vor den Toren Freiburgs. Ihre Autobiografie erzählt von den Jahren der NS-Zeit und gehört zu den frühen Werken der Shoa-Literatur. Nachdem die Texte von Lotte Paepcke lange Zeit vergriffen waren, legt der Freiburger 8 Grad Verlag ihre Bücher wieder neu auf. Mit der Autobiografie erscheint 2026 der zweite Band im 8 Grad Verlag. Das erste Buch der Autorin, die Biografie über Paepckes Vater, "Ein kleiner Händler, der mein Vater war", erschien im Januar 2025.

Am Dienstag (20.1.2026) der Literaturtage finden zwei Veranstaltungen statt. Mittags, 12:30 Uhr, lädt die Buchhandlung zur Musikalischen Mittagspause ein. Dieses Format gehört seit rund drei Jahren fest zum monatlichen Veranstaltungskalender der Buchhandlung und hat im Januar den Schwerpunkt Jüdische Literatur und Musik. Studierende der Musikhochschule Freiburg stellen passend ausgewählte Musikstücke vor, Susanne Bader und Björn Siller lesen dazu Lyrik von jüdischen Dichter:innen.

Abends um 19 Uhr präsentieren die beiden Buchhändler:innen im Gespräch mit dem Freiburger Autor Matthias Brandis dessen neues Buch" Margarete". Der im Berliner Hentrich & Hentrich Verlag erscheinende Band beschreibt das Leben von Brandis’ Mutter Margarete als Jüdin während der Nazi-Diktatur.

Ein Blick auf Heute

Nach zwei Tagen zu der geschichtlichen Verantwortung aller in Deutschland Lebenden, sind die zwei nachfolgenden Veranstaltungen auf die Gegenwart gerichtet. Der dritte Veranstaltungstag (21.1.2026, 19 Uhr) gehört der Autorin und Herausgeberin Dana von Suffrin als einer der herausragenden, jungen, jüdischen, literarischen Stimmen Deutschlands. Sie wird mit Susanne Bader und Björn Siller über ihre erschienenen Romane sprechen und einen Blick auf ihren im Frühjahr 2026 kommenden Band werfen. Von Suffrin gab in Folge des 7. Oktobers die Beitragssammlung "Wir schon wieder: 16 jüdische Erzählungen" heraus. Dieser Band und die darin vertretenen Autor:innen und Positionen bilden die Grundlage, an diesem Abend über das Leben als jüdische Deutsche in unserem Land zu sprechen.

Der Abschluss dieser fünf Tage ist eine Liebeserklärung an das Judentum. Der Religionsphilosoph und Islamwissenschaftler Ahmad Milad Karimi stellt am Donnerstagabend (22.1.2026, 19 Uhr) sein Buch "Die Schönheit des Judentums. Eine muslimische Liebeserklärung" vor. Damit weitet sich der Blick dieser Literaturtage auf die Beziehung zwischen Judentum und Islam und auf internationale, aktuelle Themen.

Über die Jüdischen Literaturtage der Buchhandlung zum Wetzstein

Die Literaturtage werden von der Buchhandlung zum Wetzstein veranstaltet und wollen als Ausdruck einer Grundhaltung der Inhaberin und der Mitarbeitenden der Buchhandlung verstanden werden. Dafür erhält die Buchhandlung keine Förderung. Die Kosten werden allein von der Buchhandlung getragen. "Die angesprochene Grundhaltung und die Übernahme von Verantwortung für die Geschichte und für die Verbreitung deutsch-jüdischer Literatur und Themen zeigen sich das ganze Jahr im Sortiment der Buchhandlung", sagt Björn Siller. "Die Judaika-Abteilung der Buchhandlung ist reichhaltig. Ein großes Schaufenster präsentiert seit dem 7. Oktober 2023 Bücher zu Jüdischem Leben in der Gegenwart, zu Israel, gegen den Antisemitismus und gegen Faschismus."