Nachfolge bei Felix Jud

Robert Eberhardt wird Mitinhaber

30. September 2020
von Börsenblatt

Marina Krauth (62) hat einen neuen Mitinhaber in ihrer Hamburger Buch- und Kunsthandlung Felix Jud: Mit Robert Eberhardt (33) tritt in 97 Jahren Firmengeschichte die vierte Generation an. 2021 wird er zudem Geschäftsführer.

Robert Eberhardt und Marina Krauth_ Felix Jud Hamburg

Robert Eberhardt und Marina Krauth_ Felix Jud Hamburg, 2020

Robert Eberhardt studierte Kunstgeschichte und Geschichte in Heidelberg und Paris und gründete 2011 den kulturhistorisch ausgerichteten Wolff Verlag in Berlin. Er ist Vorstandsmitglied der Denkinitiative "Arbeit an Europa e.V." und engagiert sich als Vorsitzender der Gesellschaft Kulturerbe Thüringen für kulturelle und denkmalpflegerische Projekte in Thüringen. 

Marina Krauth, die seit dem Tod des einstigen Mitinhabers Wilfried Weber 2016 das Unternehmen am Neuen Wall als alleinige Inhaberin und Geschäftsführerin leitet, bezeichnete Eberhardt als "einen engagierten Mitstreiter für das Buch und die Kunst, der berufliche Erfahrungen in den Geschäftsbereichen von Felix Jud besitzt und ein umtriebiger Akteur der jungen literarischen Szene ist." Eberhardt werde den Galeriebetrieb und das Antiquariat des Unternehmens mitbetreuen und die Buchhandlung wie den Veranstaltungsbereich gemeinsam mit den sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterentwickeln, kündigt Marina Krauth an, die weiterhin Teilhaberin und Geschäftsführerin bleibt.

Robert Eberhardt und Marina Krauth, Buchhandlung Felix Jud in Hamburg

Robert Eberhardt und Marina Krauth_ Felix Jud Hamburg

Robert Eberhardt und Marina Krauth_ Felix Jud Hamburg, 2020

Über die Buchhandlung Felix Jud

1923 gründete Felix Jud (1899-1985) die Hamburger Bücherstube und baute sie nicht zuletzt wegen seiner Freundschaften zu Samuel Fischer, Ernst Rowohlt, Hermann Ullstein und Axel Springer zu einer literarischen Instanz der Hansestadt aus. Zur Geschäftsgründung verlautbarte er: "Allen Verhältnissen zum Trotz – im Glauben an eine bessere Zukunft Deutschlands und im Vertrauen auf das literarische Hamburger Publikum – haben wir uns entschlossen, eine neue Buchhandlung zu eröffnen." Als Buchhändler übte er Widerstand in der NS-Zeit aus, war Mitglied der "Weißen Rose" Hamburg, wurde 1943 verurteilt, kam als politischer Häftling  ins KZ Neuengamme und überlebte.

Nach dem Krieg war die Buchhandlung von Felix Jud einer der wichtigen literarischen Orte in Hamburg und Norddeutschland und zählt seitdem viele Literaten und Bibliophile zu Stammkunden. Seit 1948 ist die Firma am Neuen Wall ansässig. Wilfried Weber (1939-2016) prägte seit 1962 als Homme de Lettres das Unternehmen stark und engagierte sich über die Firma hinaus sehr für das Kulturgut Buch, u.a. zählt er zu den Gründern des Literaturhauses Hamburg. Karl Lagerfeld blieb der Buch- und Kunsthandlung bis zu seinem Tod treu und bekannte: "Sie ist mein intellektuelles Delikatessengeschäft, und ohne sie würde ich verhungern." Die Buchhandlung ist Initiator der Buchhandelskooperation 5plus und gewann zwei Mal den Deutschen Buchhandlungspreis.