Umfrage zum Deutschen Buchhandlungspreis

"Ich bin selbst Preisträger und absolut entsetzt"

6. März 2026
Sabine Cronau

Nimmt der Deutsche Buchhandlungspreis durch den nachträglichen Ausschluss von drei Finalisten Schaden? Die Antwort der boersenblatt.net-Leser:innen fällt deutlich aus. Hier geht’s zur Auswertung unserer aktuellen Umfrage.

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"Was folgt als nächstes?“ Das fragt sich einer der Umfrageteilnehmer im freien Kommentarfeld: "Ich bin selbst Preisträger und absolut entsetzt.“ Mit dieser Reaktion ist er nicht allein, wie unsere Umfrage zum Deutschen Buchhandlungspreis zeigt, an der sich 425 Leser:innen beteiligt haben.

  • 87,3 Prozent der Teilnehmer:innen sind der Ansicht, dass die jährliche Auszeichnung, die für das Sortiment einen hohen Stellenwert hat, durch den aktuellen Vorfall Schaden nimmt.
  • 6,1 Prozent haben dazu noch keine klare Meinung.
  • 6,6 Prozent sehen das Renommee des Preises nicht beschädigt.

Ein Kommentator, der keinen Schaden in dem Vorfall erkennen kann, argumentiert auf Basis der umstrittenen Hufeisentheorie: "Solange rechte Buchhandlungen keine Chance auf den Preis haben, ist das Vorgehen nur folgerichtig: gleiches Recht für alle."

Die klare Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer:innen schätzt die aktuelle Lage allerdings gänzlich anders ein: Der Buchhandlungspreis bewerte nicht die politische Ausrichtung, sondern die buchhändlerische und kulturelle Leistung, stellt beispielsweise einer der Kommentatoren klar. Ein anderer betont: „Es ist Aufgabe der Jury zu entscheiden, ob die Kriterien für diesen Preis erfüllt sind, nicht Aufgabe eines Ministers, andere Kriterien anzuwenden.“

"Die demokratische Kultur nimmt Schaden"

Weitere ausgewählte Antworten, die deutlich machen, warum das Vorgehen im Buchhandel auf massive Kritik stößt:

  • "Was Thomas Mann in seinen Essays angesichts des Gesinnungsterrors in der McCarthy-Ära schrieb, »bleibt Terror doch Terror; und geheimpolizeiliche Gesinnungsspäherei bleibt, was sie ist, auch wenn sie unter demokratischen Vorzeichen geübt wird.« Das gilt jetzt auch hier."
  • "Ich warte dringend auf eine Stellungnahme auch der Jury. Die Entscheidungsfindung hat dieses Mal ungewöhnlich lange gedauert, so dass der Verdacht entsteht, es könnte hier auch im Vorfeld schon zu Einschränkungen oder Differenzen gekommen sein. Wie lief die Jury-Arbeit ab?"
  • "Ich möchte vor allem betonen, daß unsere Demokratie, die demokratische Kultur Schaden nimmt und der Kulturstaatsminister sich selber ins Abseits stellt."
  • "Der Verfassungsschutz ist ein wichtiges Mittel wortwörtlich zum Schutz der Verfassung. Allerdings muss das Vorgehen transparent, kommunikativ und GEMEINSAM stattfinden, hier eindeutig nicht der Fall war und damit letztendlich doch dem Buchhandlungspreis schadet."
  • "Es sieht wohl so aus, dass Buchhandlungen die Meinungsfreiheit wesentlich besser verteidigen können als Politiker."