Sandra Uschtrin über den Autorenwelt-Shop

"Von Autoren und Autorinnen wird ständig Solidarität gefordert"

16. Juli 2020
von Börsenblatt

Der 2017 gestartete Autorenwelt-Shop der Autorenwelt GmbH beteiligt registrierte Autoren mit sieben Prozent an den Buchverkäufen. Ein Angebot, zu dem viele Autor*innen in Corona-Zeiten nicht nein sagen können. Autorenwelt-Mitgründerin Sandra Uschtrin erklärt im Interview, wie sich der Shop entwickelt hat. 

Sandra Uschtrin, Betreiberin des Autorenwelt-Schops

Der Autorenwelt-Shop beteiligt Autoren mit 7 Prozent je verkauftem Buch. Corona hat die Autor*innen finanziell schwer getroffen. Hat sich das in der Anzahl der Registrierungen niedergeschlagen?
Seit Corona-Beginn (Anfang März) haben sich rund 200 Autorinnen neu angemeldet und ihre Bücher für sich registriert. Tatsächlich sind das etwas mehr als in vergleichbaren Zeiträumen zuvor. Noch stärker ist allerdings unser Umsatz gestiegen. In den letzten Monaten hat er sich nahezu verdoppelt.

Wie viele Autoren und wie viele Bücher sind aktuell registriert?
Derzeit nehmen 1.436 Autorinnen am kostenlosen Autorenprogramm teil und das mit rund 7.600 Büchern. Der Autorenwelt-Shop bildet den Libri-Katalog mit knapp 2 Millionen Titeln ab. Wenn man bedenkt, dass Jahr für Jahr über 100.000 Autorinnen und Autoren von der VG WORT einen Verrechnungsscheck erhalten, ist also noch Luft nach oben.

Sollten sich Autoren nicht auch solidarisch mit den Buchhandlungen zeigen, die ihre Bücher präsentieren? Nicht nur Autoren hatten während Corona Einnahmeverluste, auch der Buchhandel hat stark gelitten.
Es geht allen Beteiligten in der Buchbranche nicht gut. Das ist schon seit Jahren so, die Lage hat sich seit Corona nur noch verschärft. Und dennoch: Buchhandlungen können zumindest Coronahilfen und Kurzarbeitergeld für ihre Angestellten beantragen. Auch viele Mitarbeiterinnen in den Verlagen erhalten Kurzarbeitergeld. Autoren dagegen bleibt oft nur die Möglichkeit, Hartz IV zu beantragen – mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt. Bei ihnen bricht durch Corona alles weg: Lesungen finden nicht mehr statt, Verlage verschieben ihre Neuerscheinungen, senken die Honorare und Vorschüsse. Schon seit Jahren arbeiten Autorinnen und Autoren kostenlos für Verlage, indem sie ihre Bücher via Facebook, Twitter und Instagram promoten. Das kostet viel Zeit, die dann zum Schreiben fehlt. Mit höheren Honoraren vonseiten der Verlage wurde dieser Einsatz leider nicht abgegolten.

Es sitzen alle in einem Boot, das zumindest ist richtig…
Die Buchbranche appelliert immer wieder gern an das Gewissen der Autoren, schließlich säßen doch alle in einem Boot. Wir erinnern: 2017 sollten Autorinnen ihre Verlage an den VG-WORT-Ausschüttungen beteiligen, Stichwort „Verzicht auf Rückabwicklung zu Gunsten von Verlagen“. Und jetzt, während Corona, gilt es fast schon als normal, dass Autoren im Netz, unvergütet, kostenlose Lesungen abhalten. Wenn also in der Branche jemand Solidarität mit den anderen praktiziert, oft genug zum eigenen finanziellen Nachteil, dann sind das die Autorinnen und Autoren. Und natürlich sollten in einer solchen Situation alle Parteien noch solidarischer miteinander sein, allerdings ist bei den meisten Autor*innen schlicht kein Handlungsspielraum mehr dafür da. Auch das (zusätzliche) Verlinken auf den Autorenwelt-Shop und die dadurch erzielten Mehreinnahmen können die bestehende ungenügende Vergütung nur unzureichend ergänzen. Diesen Autor*innen deshalb mangelnde Solidarität vorzuwerfen, ist aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt.

Welche Lösung sehen Sie? 
Wie meinen, es wäre besser, die Buchpreise endlich kräftig nach oben zu korrigieren. Auch Gaststätten erhöhen die Preise, um über die Runden zu kommen. Von höheren Buchpreisen würden alle profitieren: Verlage, Buchhandlungen und Autoren. Und darüber hinaus stünde es auch den Verlagen gut zu Gesicht, wenn sie auf ihren Websites nicht nur Kauflinks zu den großen Buchhandelsketten, zu Amazon und zum stationären Buchhandel platzieren würden, sondern auch zum Autorenwelt-Shop. So könnten sie sich solidarisch mit ihren Autorinnen zeigen. Dann kann der Kunde entscheiden, in welcher Buchhandlung er sein Buch kaufen möchte. Das ist unsere Meinung.