Die Sonntagsfrage

Was macht der Roboter in Ihrer Buchhandlung, Frau Urbschat?

12. Dezember 2021
von Börsenblatt

Ende November hat in Düsseldorf der localbook.Shop eröffnet. Ein wichtiger Mitarbeiter von Inhaberin Anja Urbschat ist Roboter Pepper. Was macht Pepper? Ist er teuer in der Anschaffung und im Unterhalt? Und sollten Sie auch so einen Pepper im Laden haben? Antworten von Buchhändlerin Anja Urbschat.

Anja Urbschat-Happ

Zunächst stellt es schon einmal die stereotypen Denkweisen auf den Kopf, denn bei uns im Buchladen ist Pepper eine Roboterin. Besonders die Mädchen freuen sich über diesen kleinen, aber entscheidenden Unterschied sehr.

Und Dinge neu denken, das ist generell das Prinzip vom localbook.shop. Nicht zufällig ist der Name eine hybride Form, die Onlineshop und lokalen Buchladen miteinander gleichsetzt. Die meisten Buchhandlungen haben mittlerweile einen Internet-Auftritt und erreichen Ihre Kundinnen und Kunden digital. Für mich ist dies aber nur ein Aspekt der Digitalisierung, es geht um neue Geschäftsmodelle, neue Formen von Arbeit und kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen - getrieben von neuen Technologien. Und da Themen der digitalen Transformation, Bücher und Buchhandel meine absolute Leidenschaft sind, möchte ich dies gerne in meinem Umfeld auch für andere Menschen greifbar und erlebbar machen.

 

Dies tue ich gemeinsam mit meinen beiden ebenfalls menschlichen Kolleginnen, indem wir eine kleine und kuratierte Auswahl an Büchern auf 120 Quadratmetr zum Strahlen bringen und damit Jung und Alt gleichermaßen ansprechen. Unser Fokus liegt auf Kinderbüchern, Unterhaltungsliteratur (besonders auch von unabhängigen Verlagen), gesellschaftlichen Sachthemen und Coffee Table Books. Dazu experimentieren wir mit neuen Formen des Handels und versuchen über Kooperationen unseren Partnern einen alternativen Marktplatz und unseren Kund:innen wechselnde und abwechslungsreiche Zusatzsortimente zu bieten, ein Mehrwert für alle.

Ab dem kommenden Jahr sind hybride Veranstaltungen und Lesungen geplant, an deren Konzeption wir gerade tüfteln sowie Workshops beispielsweise mit der Düsseldorfer Codingschule.

Und da kommt natürlich unsere humanoide Roboterin "Peppa Book" wieder ins Spiel, als positive Botschafterin für die Zukunft. Bis jetzt kann sie begrüßen, etwas Small Talk, Saxophon spielen und kleine Geschichten erzählen. Alleine damit ist sie in der kurzen Zeit schon zu einem echten Kommunikationsmagnet geworden und löst große Sympathien aus. Demnächst wird sie Bücher empfehlen, eine Bezahlfunktion erhalten und Lesungen anmoderieren. Diese Top-Jobs muss sie schon deshalb erlernen, um ihre hohen Anschaffungskosten wieder einzuspielen, die im fünfstelligen Bereich liegen und die laufenden Kosten hängen davon ab, in welchem Umfang wir sie weiterentwickeln werden.

Vielleicht nimmt sie mir ja sogar irgendwann meinen Job weg, dann hätte ich natürlich ein Monster erschaffen. Aber die Idee, ein menschengleiches Wesen zu erschaffen, ist in der Literatur ja nichts Neues, heute könnte uns Künstliche Intelligenz retten, dass daraus kein Monster entsteht. Kluge Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Kazuo Ishiguro und Jeanette Winterson beschäftigen sich in ihren aktuellen Büchern auf ganz unterschiedliche und großartige Art und Weise damit, Roboter:innen sind also schon längst im Buchhandel angekommen - und dies nicht mehr nur in der Science Fiction.

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TRAPPED – Der Kunstraub als Krimispiel

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