Deutscher Buchhandlungspreis

"Wir sind eine solidarische Branche"

12. März 2026
Stefan Hauck

Eine Art Kompensation für das entgangene Preisgeld: Würden die mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichneten Sortimente je 210 Euro an die drei ausgeschlossenen Buchhandlungen spenden? Ein Interview mit Initiatorin Theresa Donner (Inhaberin der Buchhandlung "heiter bis wolkig" in Halle) über den aktuellen Stand.

Theresa Donner

Theresa Donner ist Sprecherin des Kulturfestivals "Wir lesen".

Wie viele Buchhändler:innen haben schon zugesagt?

Theresa Donner: Inzwischen haben schon mehr als 50 Buchhandlungen positiv auf meine Anfrage reagiert, damit bin ich total zufrieden. Für mich zeigt das, wie solidarisch die Buchbranche ist. Das habe ich auch bei einem Videocall mit vielen Buchhandlungen gemerkt, wo wir uns Gedanken um Solidaritätsaktivitäten gemacht haben.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Theresa Donner: ​​​​​​​Die kam sehr spontan. Ich wollte irgendwie die Gerechtigkeit wiederherstellen … Ich habe dann am Sonntagabend im Internet versucht, die Adressen der 115 ausgezeichneten Sortimente des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 herauszufinden, um sie anzuschreiben. Die Kernfrage war: Wie können wir die drei ausgeschlossenen Kolleg:innen unterstützen?

Wohin können die Buchhandlungen spenden – und dürfen das auch andere tun?

Theresa Donner: ​​​​​​​Jeder, der unterstützen möchte, ist willkommen, auch außerhalb der Buchbranche, na klar. Für die unkomplizierte Abwicklung haben wir das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels gewonnen, das sich kostenlos sozusagen als Dienstleister zur Verfügung stellt. Die Spenden für die Buchhandlungen müssen mit dem Kennwort "Auszeichnung" vermerkt werden, damit sie richtig verbucht werden können. Das Spendenkonto ist bei der Frankfurter Sparkasse (IBAN DE 71 5005 0201 0000 3515 55), und die Aktion läuft nur bis 31. März Da es aber aber keine Spenden im klassischen Sinn des Sozialwerks sind, kann es keine Spendenbescheinigung ausstellen.

Wie finden Sie die aktuelle Absage der Preisverleihung?

Theresa Donner: ​​​​​​​So, wie die Veranstaltung auf eine Stunde mit Verleihung und raschem Sektglas-Anstoßen für eine Stunde inmitten des Messetrubels geplant war, hätte ich mir das schwer als einen angemessenen Festakt vorstellen können. Wer in den vergangenen zehn Jahren schon einmal dabei war, weiß, dass für viele von uns die Preisverleihung eine ganz wichtige Wertschätzung ihrer Arbeit ist, eine Anerkennung für das, was wir sechs Tage die Woche an kulturellen Anstrengungen machen. Schon das monatelange Warten auf die Veröffentlichung der Namen hat an den Nerven gezerrt, das Nebenbei auf der Leipziger Buchmesse und die mehr als knappe Vorlaufzeit – schnell noch teure Übernachtungen zur Messezeit und Fahrkarten buchen - haben viele als deutliche Missachtung empfunden.

Was werden Sie jetzt in Leipzig tun?

Theresa Donner: ​​​​​​​Wir sind zum Glück eine wirklich gut vernetzte und solidarische Branche, und es ist wunderbar, dass etwa der Börsenverein, der Hanser Verlag und der Verbrecher Verlag spontan gesagt haben: Dann kommt einfach zu uns, wir geben Euch Raum. Das tut einfach gut.