Buchmarkt im Südwesten

Buchhandel steht unter Druck

1. September 2026
Redaktion Börsenblatt

Aktuelle Zahlen zeigen: Baden-Württemberg bleibt ein wichtiger Verlagsstandort. Zugleich steht der unabhängige Buchhandel unter Druck – der Landesverband fordert einen Buchhandlungspreis für das Land.

Buchhandlung Karl Krämer, Stuttgart

Spezialisiert auf die Themen Architektur und Bauingenieurswesen: Die Karl Krämer Fachbuchhandlung in Stuttgart.

Auf der Seite "Markt & Daten" beschreibt der Landesverband Baden-Württemberg des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels die Entwicklung von Verlagen und Buchhandlungen im Land.

Starker Verlagsstandort

"Publishing made in BW" bleibt nach Darstellung des Landesverbands Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich: Im Jahr 2024 etwa wurden 36,7 % der Umsätze aller Verlage in Baden-Württemberg erwirtschaftet. Bei den TOP 100 Verlagen in D/A/CH 2025 werden 35,8 % genannt.

Gleichzeitig wirken sich laut Landesverband erhöhter Kostendruck und ein niedriges Konsumklima auch auf die Verlagsbranche aus. Die Handelskonzentration erschwere insbesondere unabhängigen Verlagen den Marktzugang. Als weitere Herausforderung und Chance nennt der Verband die Veränderungen durch künstliche Intelligenz in nahezu allen Stufen der Wertschöpfungskette. Unterstützt werde der Transformationsprozess unter anderem mit der AI-Lounge und dem Innovationswettbewerb CONTENTshift.

Druck im Buchhandel gewachsen

  • Die Umsätze der Buchhandlungen in Baden-Württemberg stiegen 2024 um 2,9 %.
  • Damit lag die Entwicklung unter dem Bundesdurchschnitt von 4,9 %.
  • Zugleich sank die Zahl der Unternehmen im Einzelhandel mit Büchern gegenüber dem Vorjahr um rund 4 %.

Für den unabhängigen Buchhandel nennt der Landesverband als Herausforderungen den Wechsel zum Online-Handel, den damit verbundenen Frequenzrückgang in den Innenstädten sowie den Kostendruck. Auch der Generationenwechsel in eigentümergeführten Buchhandlungen gelinge nur an attraktiven Standorten.

Nach Einschätzung des Verbands können sich unabhängige Buchhandlungen im mittelstädtisch geprägten Baden-Württemberg dort behaupten, wo sie eine aktive Rolle in Kultur, Leseförderung und als Orte der Meinungsvielfalt übernehmen.

Forderung nach Buchhandlungspreis

Der Landesverband fordert unter anderem die Vergabe eines Buchhandlungspreises Baden-Württemberg. Damit soll das Engagement unabhängiger Buchhandlungen gewürdigt und der Buchhandel vor Ort gestärkt werden.

Ein entsprechendes Modell ist u.a. für Berlin bereits ausgelobt, wie boersenblatt.net kürzlich berichtete: Ab 2027 sollen dort jährlich sechs unabhängige Buchhandlungen ausgezeichnet werden; für den ersten Preisjahrgang stellt die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe insgesamt 125.000 Euro bereit. Der Landesverband Baden-Württemberg strebt eine ähnliche Auszeichnung an.