Buchhandel steht unter Druck
Aktuelle Zahlen zeigen: Baden-Württemberg bleibt ein wichtiger Verlagsstandort. Zugleich steht der unabhängige Buchhandel unter Druck – der Landesverband fordert einen Buchhandlungspreis für das Land.
Tom Erben
Aktuelle Zahlen zeigen: Baden-Württemberg bleibt ein wichtiger Verlagsstandort. Zugleich steht der unabhängige Buchhandel unter Druck – der Landesverband fordert einen Buchhandlungspreis für das Land.
Tom Erben
Auf der Seite "Markt & Daten" beschreibt der Landesverband Baden-Württemberg des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels die Entwicklung von Verlagen und Buchhandlungen im Land.
"Publishing made in BW" bleibt nach Darstellung des Landesverbands Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich: Im Jahr 2024 etwa wurden 36,7 % der Umsätze aller Verlage in Baden-Württemberg erwirtschaftet. Bei den TOP 100 Verlagen in D/A/CH 2025 werden 35,8 % genannt.
Gleichzeitig wirken sich laut Landesverband erhöhter Kostendruck und ein niedriges Konsumklima auch auf die Verlagsbranche aus. Die Handelskonzentration erschwere insbesondere unabhängigen Verlagen den Marktzugang. Als weitere Herausforderung und Chance nennt der Verband die Veränderungen durch künstliche Intelligenz in nahezu allen Stufen der Wertschöpfungskette. Unterstützt werde der Transformationsprozess unter anderem mit der AI-Lounge und dem Innovationswettbewerb CONTENTshift. "Die Zahlen zeigen beides: Baden-Württemberg verfügt über eine außerordentliche verlegerische Substanz, aber die Rahmenbedingungen werden anspruchsvoller", sagt Tom Erben, Pressesprecher des Börsenvereins Baden-Württemberg.
Für den unabhängigen Buchhandel nennt der Landesverband als Herausforderungen den Wechsel zum Online-Handel, den damit verbundenen Frequenzrückgang in den Innenstädten sowie den Kostendruck. Auch der Generationenwechsel in eigentümergeführten Buchhandlungen gelinge nur an attraktiven Standorten.
Nach Einschätzung des Verbands können sich unabhängige Buchhandlungen im mittelstädtisch geprägten Baden-Württemberg dort behaupten, wo sie eine aktive Rolle in Kultur, Leseförderung und als Orte der Meinungsvielfalt übernehmen - was auf viele Läden zutrifft.
"Dieses Engagement verdient Anerkennung und Unterstützung. Deshalb setzen wir uns für die Einführung eines Buchhandlungspreises Baden-Württemberg ein", sagt Erben. Der Landesverband strebt damit eine eigene Auszeichnung für den Buchhandel im Land an. Damit soll das Engagement unabhängiger Buchhandlungen gewürdigt und der Buchhandel vor Ort gestärkt werden.
Ein entsprechendes Modell ist u.a. für Berlin bereits ausgelobt, wie boersenblatt.net kürzlich berichtete: Ab 2027 sollen dort jährlich sechs unabhängige Buchhandlungen ausgezeichnet werden; für den ersten Preisjahrgang stellt die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe insgesamt 125.000 Euro bereit. Der Landesverband Baden-Württemberg strebt eine ähnliche Auszeichnung an.
Der Börsenverein Baden-Württemberg unterstützt die Branche bei der Transformation unter anderem mit der AI-Lounge in Kooperation mit der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg. Der Innovationswettbewerb CONTENTshift soll zusätzlich die Entwicklung zukunftsfähiger Geschäftsmodelle und Inhalte stärken.
Auf der Frankfurter Buchmesse 2026 präsentiert sich Baden-Württemberg unter dem Motto "Future Publishing – Future Content". Träger des Standes ist die MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Börsenverein Baden-Württemberg und weiteren Partnern. Zehn im Rahmen von CONTENTshift ausgewählte Start-ups sind am Stand vertreten.
Einer der sechs zusätzlich in das Coaching- und Mentoringprogramm aufgenommenen Teilnehmer erhält den mit 10.000 Euro dotierten CONTENTshift Award 2026. Die Verleihung ist für den 8. Oktober am Landesstand vorgesehen.
Der ausführliche Report 2026 zu Buchhandlungen und Verlagen in Baden-Württemberg ist online abrufbar.