Das Buchbranchen-Update

E-Rechnung ++ Hugendubel-Renovierung ++ Orell Füssli mit Umsatzplus

3. August 2026
Redaktion Börsenblatt

Die nächsten Fristen für die E-Rechnung rücken näher, in Frankfurt wurde die Hugendubel-Filiale im Steinweg komplett renoviert und Orell Füssli legt die Betriebszahlen fürs erste Halbjahr vor.

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E-Rechnung

Die nächsten Fristen für die E‑Rechnung rücken näher. Seit Januar müssen alle umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen E‑Rechnungen entgegennehmen und verarbeiten können. Ab Januar müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Jahresumsatz ihren gewerblichen Kund:innen E‑Rechnungen stellen. Für kleinere Unternehmen folgt die Pflicht dazu ein Jahr später.

Detlef Bauer von Libri erklärt: Die wesentliche Neuerung sei, dass Verlagsrechnungen dann nicht mehr einfach bei den Büchern im Karton liegen. Die Plicht zur elektronischen Rechnung verändert Abläufe vom Wareneingang über die Rechnungsprüfung bis in die Buchhaltung. Und es hakt noch oft schon bei den Basics. Bauer berichtet, dass viele E‑Rechnungen bei der Prüfung durchfallen oder wichtige Angaben fehlen. Das kann im Zweifel sogar beim Vorsteuerabzug Probleme machen.

Michael Kursiefen von Schweitzer rät Buchhandlungen deshalb, jetzt diese Schritte durchzuführen: einen festen Eingangskanal definieren, Konformität prüfen, klären, was das eigene Warenwirtschaftssystem kann, und die Archivierung rechtssicher digital aufsetzen. Sein Tipp bei den Formaten: ZUGFeRD hat den Vorteil, dass es wie ein normales PDF aussieht, aber zusätzlich die strukturierten Rechnungsdaten enthält.

Hugendubel-Renovierung

Hugendubel hat sein Flaggschiff im Steinweg in Frankfurt am Main nach einer Komplett-Renovierung wiedereröffnet. Umbau bei laufendem Betrieb, auf 2.400 Quadratmetern, mit neuem Farb- und Lichtkonzept und einer neuen inhaltlichen Struktur. Der Lichthof und die "Leseinseln" bleiben, Lesen im Laden ist ausdrücklich erwünscht.

Mehr Platz gibt es jetzt für Comics und Manga, aber auch für Romance. Neu ist außerdem ein großer Spielebereich mit Spieltischen, kleine Turniere sind mitgedacht. Der Kinderbuchbereich ist in den ersten Stock gezogen und hat jetzt sogar eine Rutsche. Selfservice-Kassen gibt es bewusst nicht, unter anderem wegen Diebstahl und weil man den Kontakt an der Kasse nicht verlieren will. Und getestet wird in Frankfurt auch eigenes Book-Merch, das im Laden individualisiert werden kann. Mein Kollege Stefan Hauck war für euch vor Ort, um sich die neu gestaltete Filiale anzusehen – seinen Artikel dazu verlinken wir euch in den Shownotes.

News aus dem Buchhandel in KW 31

Orell Füssli legt die Zahlen fürs erste Halbjahr vor. Und die zeigen folgendes: Der Umsatz im Buchhandel ist leicht gestiegen, auf 55,4 Millionen Schweizer Franken (das entspricht etwa 59,5 Millionen Euro). Das bereinigte Betriebsergebnis ist dagegen gesunken, vor allem wegen höherer Kosten rund um die Übernahme der A. Köhler AG mit 13 Papeterie-Standorten. Außerdem hat Orell Füssli Thalia drei neue Filialen eröffnet, in Basel, an der Raststätte Würenlos und in Langnau im Emmental.

Im März wurde die Nürnberger Buchhandlung Jakob von Rechtspopulisten angefeindet, weil an der Eingangstür ein Plakat mit der Aufschrift "Nazis raus" hing. Jetzt erhält der Laden einen Sonderpreis im Rahmen des NN-Demokratiepreises. Ausgezeichnet wird damit die Standhaftigkeit der Buchhandlung nach dem Einschüchterungsversuch. Nach dem Vorfall stellten sich Gegendemonstrant:innen vor die Buchhandlung und bildeten eine Menschenkette. Die Verlegerinnen der Verlags Nürnberger Presse würdigen das klare Statement des Unternehmens, und die Buchhandlung selbst appelliert an andere Ladenbesitzer:innen, sich für Demokratie stark zu machen.

Young Professionals News aus KW 31

Wie vor einigen Wochen bekannt wurde, ziehen S. Fischer und Fischer Sauerländer aus Frankfurt am Main weg. Zu diesem Anlass kritisiert der Vorstand der Jungen Verlags- und Medienmenschen in einem Kommentar die wachsende Konzentration der Verlagsbranche auf wenige Großstädte. Ihr Kritikpunkt: Wer für Praktika, Volontariate und Jobs in teure Ballungsräume ziehen muss, braucht oft erstmal das passende finanzielle Polster. Oder, wie sie schreiben (Zitat): "Der Berufseinstieg in die Buchbranche wird zu einer Frage des privaten Vermögens – und nicht der Qualifikation oder der Motivation." Sie appellieren daher an die Buchbranche, bessere Rahmenbedingungen für den Nachwuchs zu schaffen.

Druckerei Pustet mit Investition

Die Druckerei Pustet in Regensburg hat mehrere Millionen Euro in eine neue Digitaldruck-Produktionslinie investiert. Herzstück ist eine HP-Digitaldruckmaschine, dazu kommen Weiterverarbeitung von Müller Martini und eine automatisierte Palettierung. Das Ziel: kleinere bis mittlere Auflagen wirtschaftlicher produzieren, ideal seien 200 bis 8.000 Exemplare. Als Endprodukt kommen dabei bereits hilfsverleimte oder mit einer Banderole gesicherte Buchblöcke direkt auf Paletten – ohne zusätzliche Zwischenschritte. Die Anlage ist seit Anfang Juli in Betrieb und war damit pünktlich vor der Hochphase in Richtung Frankfurter Buchmesse startklar.

Weitere News aus der Buchbranche

Bibliothek des Jahres wird ZB MED in Köln, ausgezeichnet für Forschung, Digitalisierung und Open Science. Bibliothek des Jahres in kleinen Kommunen und Regionen ist die Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek Hoyerswerda.

Der Korbinian – Paul Maar-Preis für neue Talente ging an Jona Manow für "Spion Nr. 9 und die Kunst, nicht aufzufallen" aus dem mixtvision Verlag. Das Debüt wurde für seinen sensiblen, humorvollen Blick auf Neurodiversität gelobt.

Die Longlist für den Booker Prize steht fest: 13 Romane wurden aus 163 Einreichungen ausgewählt. Mit dabei sind Titel unter anderem von Elizabeth Strout und Marlon James; auf Deutsch liegt bislang nur "John of John" von Douglas Stuart vor.

Barack Obama hat seine Sommer-Leseliste veröffentlicht. Mit drauf stehen zum Beispiel neue Romane von Colson Whitehead und George Saunders, mehrere Titel sind bereits auf Deutsch angekündigt oder schon erhältlich.