Sprache

Frankreich verbietet Gendern an Schulen

19. Mai 2021
von Börsenblatt

"Ein Hindernis für das Lesen und Verstehen" nennt der französische Bildungsminister das inklusive Schreiben: Ab sofort ist an Schulen und in seinem Ministerium gendergerechte Sprache untersagt.

Medianpunkte

Insbesondere Schüler mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche würden sich damit schwertun, sagte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer. Wenn die Gleichstellung von Mädchen und Jungen "von den Schulen der französischen Republik aufgebaut, gefördert und garantiert" werden solle, müsse das insbesondere durch "die Ausbildung des gesamten Personals und die Vermittlung einer Kultur der Gleichberechtigung" erreicht werden, betonte das Bildungsministerium in einem Rundschreiben. Dazu gehöre zwar auch die Förderung und Verwendung der Feminisierung bestimmter Begriffe. Aber die Bemühungen um Gleichberechtigung dürfe die Schüler nicht bestrafen, indem sie auf eine integrative Schrift zurückgreifen, "deren Komplexität und Instabilität Hindernisse für den Erwerb von Sprache und Lesen sind".

Das Ministerium stützt sich dabei auf Hélène Carrère d'Encausse, Ständige Sekretärin der Académie française und Marc Lambron, Direktor der Académie française. Die beiden teilten am 5. Mai mit, dass inklusives Schreiben "nicht nur kontraproduktiv" im Kampf gegen sexistische Diskriminierung sei, "sondern auch schädlich für die Praxis und die Verständlichkeit der französischen Sprache. Das Bildungsministerium erinnerte daraufhin noch einmal, dass die Einhaltung der grammatikalischen Regeln im Schulunterricht "de rigueur" sei, also streng zu befolgen. Die Fragmentierung von Wörtern und Vereinbarungen sei "ein Hindernis für das Lesen und Verstehen des geschriebenen Wortes". Bei der sogenannten inklusiven Schreibweise wird im Französischen der Medianpunkt verwendet: "Les acteur.rice.s se sont préparé.e.s pour le casting“ (Die Schauspieler:innen haben sich auf das Casting vorbereitet.) oder "Tout·e·s les lecteur·rice·s sont intelligent·e·s" (Alle Leser:innen sind intelligent).

Das Ministerium empfiehlt die Nutzung der Feminisierung von Berufen und Funktionen und fordert, dass "die Wahl von Beispielen oder Aussagen" im Schulunterricht "die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen respektieren müsse, sowohl durch feminisierende Begriffe als auch durch die Bekämpfung stereotyper Darstellungen".