1:1 Mentoring für NRW-Schriftsteller:innen

Angela Steidele und Isabelle Lehn wählten ihre Schützlinge

16. Januar 2026
Redaktion Börsenblatt

Für die aktuelle, siebte Runde des 1 : 1 Mentoringprogramms für Nachwuchsautor:innen in NRW stellten sich Angela Steidele und Isabelle Lehn als Mentorinnen zur Verfügung. Jetzt haben die beiden entschieden, wen sie bei einem literarischen Projekt ein Jahr lang begleiten werden.

Angela Steidele und Isabelle Lehn

Angela Steidele und Isabelle Lehn

Die Teilnahme an "1 : 1" wird seit 2018 jährlich öffentlich ausgeschrieben: Bewerbungen sollen mit einem konkreten Schreibprojekt erfolgen, welches die Mentorinnen Angela Steidele und Isabelle Lehn bei erfolgreicher Auswahl ein Jahr lang auf dem Weg zur Veröffentlichung begleiten und unterstützen. Bis zum Stichtag 31.05.2025 gingen diesmal über 80 Bewerbungen ein. Jetzt haben Isabelle Lehn und Angela Steidele gemeinsam mit den Literaturbüros Bonn und Düsseldorf zwei Autorinnen zur Förderung ausgewählt:

Angela Steidele wählte die Kölnerin Irma Mečević und ihr Romanprojekt mit dem Arbeitstitel "Heute, etwas wärmer". Steidele sagte in ihrer Auswahlbegründung: "Irma Mečevićs Romanmanuskript ist ein höchst ambitioniertes Vorhaben, das die Geschichten von drei Generationen von Frauen im ehemaligen Jugoslawien miteinander verwebt und dabei nach der Vorgeschichte des Bosnienkriegs fragt. Welcher Zusammenhang besteht zwischen den unfassbaren Grausamkeiten und den patriarchalen Strukturen, die unter Tito trotz aller Fortschrittsambitionen nie hinterfragt wurden? - Ich hoffe, das Werden dieses Textes kundig begleiten zu können und freue mich auf seine Fertigstellung."

Isabelle Lehn entschied sich für Julienne de Muirier und ihr Romanprojekt "Unter dünner Haut" (AT). "Den Spuren muss nachgegangen werden, schreibt Julienne de Muirier. In ihrem Roman begibt sich die Erzählerin auf die Suche nach der eigenen Geschichte, ihren kulturellen Wurzeln und dem abwesenden Vater, einem afroamerikanischen Musiker, der sich dem Zugriff des Erzählens immer wieder entzieht. Was sie findet, sind vor allem die Spuren der Verluste, der Gewalt und der Traumata, die ihren Ursprung in Kolonialismus und Versklavung haben und bis in die eigene Familiengeschichte hineinwirken. Die Geschichte der Gewalt liegt still wie eine Wunde unter der Haut, sie kann jederzeit offengelegt werden. Indem sie diese Geschichte Stück für Stück offenlegt, in der autofiktionalen Tradition von Annie Erneaux oder Édouard Louis, wird das Erzählen zum existentiellen Ringen um Zugehörigkeit und Identität. Eine Suche nach einem Schwarzen Ich in der deutschen Sprache", so Lehn zu ihrer Entscheidung.

"1 : 1" ist ein gemeinsames Projekt des Literaturbüros NRW in Düsseldorf und des Literaturbüros NRW Süd im Literaturhaus Bonn, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.