Für Debütroman

Anna-Haag-Preis geht an Betty Boras

22. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Betty Boras erhält den mit 10.000 Euro dotierten Anna-Haag-Preis 2026 für ihren Debütroman. Sie  verhandele darin eindringlich Fluch und Chance weiblicher Schönheit, so die Jury.

Foto von Betty Boras

Betty Boras

Ausgezeichnet wird Betty Boras für ihren Debütroman "Das schönste aller Leben", der im Februar bei hanserblau erschienen ist.

In der Jurybegründung heißt es laut Mitteilung: Die Jurybegründung:

"Betty Boras hat ein beklemmendes und kluges Buch geschrieben. Schon auf den ersten Seiten ergreift uns das Entsetzen der Mutter einer zweijährigen Tochter, die nach einer Verbrennung im Gesicht entstellt ist. Und sie, die Mutter, gibt sich die Schuld. Denn Mütter fühlen sich schuldig, wenn ihrem Kind etwas passiert. Aber es muss einen Ausweg geben."

"Ein Roman, der um Genesung ringt"

In ihrem Debütroman verhandele Betty Boras auf drei Erzählebenen eindringlich Fluch und Chance weiblicher Schönheit, fährt die Jury fort. Auf der historischen Erzählebene werde Theresa von Männern unterworfen, weil sie als zu schön auffällt. Die junge Vio müsse lernen, unauffällig schön zu sein, damit sie in Deutschland eine Chance hat, dazuzugehören. "Sie ist als Kind mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat eingewandert und hat verinnerlicht: Integration kann nur durch Fleiß und Makellosigkeit gelingen. Eigentlich fühlt sie sich angekommen. Doch dann geschieht der Unfall ihrer Tochter, und fürchterliche Schuldgefühle, verstärkt durch belastende eigene Kindheitserinnerungen, übernehmen und ersticken ihr Leben."

Betty Boras führe uns bis zu dem Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht und sich plötzlich eine Tür öffnet. "Die Jury war beeindruckt von ihrer klaren, ungekünstelten Sprache, ihrem erzählerischen Geschick bei komplexen Szenen und überraschenden Dialogen, mit denen sich ihre Figuren verständigen, statt sich zu entzweien. Ein Roman, der nicht im Konflikt verharrt, sondern um Gesundung ringt."

Cover des prämierten Buchs

Cover des prämierten Buchs

Zur Preisträgerin:

Betty Boras wurde 1984 im rumänischen Arad geboren und kam im Alter von sechs Jahren mit ihren Eltern als Spätaussiedlerin nach Deutschland. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Spanisch in Tübingen, arbeitet als
Gymnasiallehrerin und ist seit einigen Jahren auch als Buchbloggerin aktiv. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in der Nähe von Stuttgart.

Preisverleihung:

Die öffentliche Preisverleihung findet am 8. Dezember um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Stuttgart statt. Die Laudatio wird Silke Arning (SWR) halten.

Zum Preis:

Der Anna-Haag-Preis wird als Landespreis für Literatur seit 2023 durch den Förderkreis der Schriftsteller:innen in Baden-Württemberg e. V. öffentlich verliehen. Der Preis wird satzungsgemäß an "qualifizierte, aber noch wenig bekannte Autoren" vergeben. Vorwiegend werden Autor:innen ausgezeichnet, die ein Arbeitsstipendium durch den Verein erhalten hatten und ein abgeschlossenes Manuskript oder Buch vorlegen können. Eine Bewerbung ist nicht möglich. Der Anna-Haag-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Die Autorin, Politikerin, Pazifistin und Frauenrechtlerin Anna Haag (1888–1982) hat nicht nur zahlreiche Romane und ein vielgelobtes Tagebuch der Jahre 1940–1945 verfasst ("Denken ist heutzutage überhaupt nicht mehr in Mode", Reclam 2021), sondern sich seit Mitte der 1920er aktiv für Pazifismus und Frauenrechte eingesetzt und war Mitglied des 1. Landtages von Baden-Württemberg. 1947 bringt sie dort den Initiativgesetzentwurf "Niemand darf zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden" ein, der als Artikel 4, Absatz 3, in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland eingeflossen ist.