Internationaler Verlegerverband

IPA veröffentlicht Shortlist für neuen Preis zur Verteidigung der Meinungsfreiheit

9. September 2026
Redaktion Börsenblatt

Die International Publishers Association (IPA) hat die Shortlist für ihren neuen Freedom of Expression Defenders Award veröffentlicht. Nominiert sind fünf Initiativen – darunter eine aus Deutschland.

Plakat mit Logos der fünf Nominierten

Die International Publishers Association (IPA) hat die Shortlist für den neu geschaffenen Freedom of Expression Defenders Award bekannt gegeben. Der Preis würdigt Initiativen aus den Bereichen Buchverlag, Journalismus und Archiv, die sich für Meinungsfreiheit, Publikationsfreiheit und Lesefreiheit einsetzen.

Die Auszeichnung wird am Mittwoch, 7. Oktober, auf der Frankfurter Buchmesse vergeben. Auf der Shortlist stehen fünf Organisationen und Initiativen aus den USA, Georgien, Deutschland und der Türkei.

Fünf Initiativen auf der Shortlist

The Media Coalition 

Nominiert ist zunächst die US-amerikanische Media Coalition. Der 1973 gegründete Zusammenschluss vertritt einen großen Teil der Autorinnen und Autoren, Verlage, Buchhandlungen, Bibliotheken sowie Film- und Videospielproduzenten in den USA. Sie schützt das im First Amendment verankerte Recht der Medien, Inhalte zu produzieren und zu verbreiten, und verteidigt das Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu einem möglichst breiten Spektrum an Meinungsäußerungen. Die Coalition setzt auf politische Interessenvertretung und juristische Verfahren und hat nach eigenen Angaben mehr als 40 Klagen gegen Gesetze eingereicht, die die Rechte von Medien und Öffentlichkeit auf freie Meinungsäußerung und Zugang zu Inhalten verletzen.

 

Penguin Random House Intellectual Freedom Taskforce

Ebenfalls aus den USA kommt die Penguin Random House Intellectual Freedom Taskforce. Sie wurde im Mai 2023 gegründet und vereint 25 Beschäftigte aus verschiedenen Unternehmensbereichen, um den wachsenden Bedrohungen der geistigen Freiheit in der Verlagsbranche entgegenzuwirken. Die Taskforce arbeitet unter anderem zu juristischen Strategien, politischer Interessenvertretung, öffentlicher Aufklärung und der Unterstützung von Autorinnen und Autoren. Zu ihren Initiativen gehört das jährlich stattfindende "Banned Wagon", das verbotene Bücher und Informationsangebote in Buchhandlungen und Bibliotheken bringt.

 

Sovlab (Soviet Past Research Laboratory)

Aus Georgien ist Sovlab nominiert, das Soviet Past Research Laboratory. Die Organisation erforscht die sowjetische totalitäre Vergangenheit Georgiens und wendet sich gegen die Instrumentalisierung historischer Erinnerung durch russische Desinformation. Seit 2010 hat Sovlab nach Angaben der IPA trotz politischen Drucks unabhängige Forschungsarbeiten durchgeführt, öffentliche Veranstaltungen organisiert sowie mehr als 20 Bücher und Artikel veröffentlicht.

 

StraightForward Foundation / "Geradeaus" e.V. 

Die deutsche Nominierung ist die 2023 gegründete StraightForward Foundation, auch bekannt als "Geradeaus" e.V. Sie unterstützt verfolgte russische Künstlerinnen und Künstler, die von Zensur, erzwungener Vertreibung oder dem Verlust ihrer beruflichen Existenz betroffen sind. Darüber hinaus fördert die Organisation Meinungsfreiheit, Menschenrechte, interkulturelles Verständnis und gesellschaftliches Engagement durch Literatur, Bildung und kulturelle Produktion. StraightForward hilft Künstlern dabei, neue Manuskripte zu Themen zu entwickeln, die vom Kreml verboten sind, und hat neun Bücher herausgebracht, die in elf Sprachen übersetzt wurden.

 

Turkish Journalists Association

Die fünfte Nominierung geht an die Turkish Journalists Association. Der 1946 gegründete Berufsverband hat nach Angaben der IPA fast 4.000 Mitglieder. Er setzt sich für Presse- und Meinungsfreiheit, die beruflichen Rechte von Journalistinnen und Journalisten sowie das Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu Nachrichten ein.

Das Logo des Preises

Logo

IPA: Shortlist soll Hoffnung und Inspiration geben

IPA-Präsidentin Gvantsa Jobava erklärte, die Auszeichnung solle Hoffnung und Inspiration vermitteln – "und unsere allererste Auswahlliste tut genau das". Die nominierten Initiativen zeigten, wie für Meinungsfreiheit, Publikationsfreiheit und Lesefreiheit gekämpft werden könne.

Jessica Sänger, Vorsitzende des Freedom to Publish Committee der IPA, betonte, die Nominierungen hätten sehr unterschiedliche Formen der Verteidigung freier Meinungsäußerung sichtbar gemacht – von privaten Unternehmen über Koalitionen bis zu Verbänden. "Vor allem haben sie gezeigt, dass es keinen Grund gibt, angesichts der zunehmenden Angriffe auf die Meinungsfreiheit defätistisch zu sein. Wir können uns wehren und gewinnen", so Sänger.

Zur IPA

Die IPA ist der weltweit größte Zusammenschluss von Verlegerverbänden. Die 1896 gegründete Organisation setzt sich unter anderem gegen Zensur sowie für Urheberrecht, Publikationsfreiheit und Alphabetisierung ein.