Auszeichnungen

Schweizer Grand Prix Literatur 2026 an Corinne Desarzens

19. Februar 2026
Redaktion Börsenblatt

Das Schweizer Bundesamt für Kultur würdigt das Werk der Schriftstellerin Corinne Desarzens mit der höchsten Auszeichnung für Literatur in der Schweiz. Zudem werden ein Spezialpreis Übersetzung und sieben Schweizer Literaturpreise 2026 vergeben.

Bücher von Corinne Desarzens, auf einen Tisch gelegt

Bücher von Corinne Desarzens

Der Schweizer Grand Prix Literatur 2026 geht an die französisch-schweizerische Schriftstellerin und Journalistin Corinne Desarzens (geboren 1952 in Sète, Frankreich, lebt in Onnens, VD), teilt das Bundesamt für Kultur in Bern mit. Sie hat Russisch studiert und ist fasziniert von Sprachen. Desarzens schreibt Romane, Kurzgeschichten und Reiseberichte, darunter "Un roi" (Grasset, 2011) und "L’Italie, c’est toujours bien" (La Baconnière, 2018). 2021 wurde sie für "La lune bouge lentement mais elle traverse la ville" (La Baconnière, 2020) mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Für "Un Noël avec Winston" (La Baconnière, 2022) erhielt sie den Prix Michel-Dentan. In ihrem neusten Buch "Le petit cheval tatar" (La Baconnière, 2025) spürt Corinne Desarzens dem symbolträchtigsten unserer Sinne, dem Sehsinn, nach. Dabei untersucht sie anhand von Wissenschaft, Kunst und Geschichte die unerschöpflichen Spielereien und Kunstgriffe des Blicks.

Seit 30 Jahren erfinde Corinne Desarzens die Autobiografie neu, indem sie ausschweifend erzählt und dabei auf zahlreiche Anekdoten, unnötiges Wissen und Zitate zurückgreift. Das Ich verschwindet, damit die Welt in Fragmenten aufleuchten kann. Die kurz- und altersweitsichtige Schriftstellerin habe sich das Verschwommene zum Stilmittel gemacht, um das Wesentliche zu erkennen. "Für die Originalität ihres Blicks, ihre umfassende Neugier und das Funkeln ihres Stils, aber auch für das unerwartete Glück, das sie uns beim Lesen immer wieder schenkt, wird Corinne Desarzens mit dem Schweizer Grand Prix Literatur ausgezeichnet", führt die Mitteilung aus.

Spezialpreis Übersetzung 2026 an Christian Viredaz

Christian Viredaz (geboren 1955 in Oron-le-Châtel, lebt in Les Rasses, VD) hat Sprachen und Literatur in Cambridge, Perugia und Lausanne studiert. Als Journalist, Literaturkritiker, Dichter und Übersetzer hat er dem französischsprachigen Publikum zahlreiche Tessiner und italienische Autorinnen und Autoren nähergebracht, darunter Giorgio und Giovanni Orelli, Remo Fasani, Plinio Martini, Alberto Nessi, Piero Bianconi oder auch Fabio Pusterla und Dubravko Pušek. Seine Vorliebe für die italienische Sprache hindere Christian Viredaz nicht daran, auch deutschsprachige Autoren wie Francesco Micieli oder Franz Hohler zu übersetzen.

Christian Viredaz sei auch mit der neuen Generation eng verbunden und widmet sich etwa den Werken von Dichterinnen und Dichtern wie Pietro Montorfani, Lia Galli oder Mercure Martini, dessen Texte der Slam-Poetry nahestehen. Er begleitet Übersetzerinnen und Übersetzer bei ihren ersten Arbeiten und ist in der Schweizer Übersetzungslandschaft sehr präsent, sei es an Fachtagungen oder an Literaturveranstaltungen, wo er Austausch und Weitergabe pflegt.

Schweizer Literaturpreise

Neben dem Schweizer Grand Prix Literatur und dem Spezialpreis Übersetzung hat die Eidgenössische Jury für Literatur die folgenden 2025 erschienenen Werke mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet:

  • Martina Clavadetscher (*1979, Zug, lebt in Brunnen): "Die Schrecken der anderen" (C.H. Beck)
  • Begoña Feijoo Fariña (*1977, Spanien, lebt in Poschiavo): "Come onde di passaggio" (Gabriele Capelli Editore)
  • Asa Hendry (*1999, Val Lumnezia, lebt in Giessen und in Graubünden): "archiv" (Chasa Editura Rumantscha)
  • Jonas Lüscher (*1976, Schlieren, lebt in München): "Verzauberte Vorbestimmung" (Hanser)
  • Sandro Marcacci (*1963, Neuenburg, lebt in Chézard-Saint-Martin): "Me taire" (Éditions d’en bas)
  • Nora Osagiobare (*1992, Zürich, lebt in Zürich): "Daily Soap" (Kein & Aber)
  • Antoine Rubin (*1990, Saint-Imier, lebt in Biel): "Calcaires" (Éditions La Veilleuse)

ZU den Schweizer Literaturpreisen

Das Bundesamt für Kultur vergibt jedes Jahr die Schweizer Literaturpreise. Der Schweizer Grand Prix Literatur zeichnet das Gesamtwerk einer Autorin oder eines Autors aus. Der Spezialpreis Übersetzung wird im Wechsel mit dem Spezialpreis Vermittlung alle zwei Jahre vergeben. Zusätzlich zu diesen mit je 40.000 Franken (umgerechnet aktuell rund 43.900 Euro) dotierten Auszeichnungen werden jährlich mit 25.000 Franken (umgerechnet aktuell rund 27.400 Euro) dotierte Preise für im vergangenen Jahr erschienene Einzelwerke ausgeschrieben.

Verleihung der Schweizer Literaturpreise: Freitag, 15. Mai 2026, im Rahmen der Solothurner Literaturtage.