Auszeichnung

Seiler und Kącka erhalten deutsch-polnischen Literaturpreis

27. April 2026
Redaktion Börsenblatt

Der von den beiden Partnerstädten Toruń in Polen und Göttingen gemeinsam gestiftete Samuel-Bogumił-Linde-Literaturpreis geht 2026 an den deutschen Autoren Lutz Seiler und an die polnische Schriftstellerin Eliza Kącka. 

Es ist bereits der 30. Samuel-Bogumił-Linde-Literaturpreis, verliehen wird er am 22. November, in Anwesenheit der beiden Preisträger:innen Lutz Seiler und Eliza Kącka in Toruń im Rahmen des Toruńer Buchfestivals. 

Eliza Kącka

Eliza Kącka, 1979 in Warschau geboren, ist eine polnische Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin und Autorin. Sie studierte Polonistik an der Universität Warschau, wo sie später auch promovierte und als Dozentin tätig war. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit, die sich vor allem mit polnischer Literatur des 19 und 20. Jahrhunderts beschäftigt, ist sie als Essayistin und Literaturkritikerin in renommierten Zeitschriften präsent. 2025 erhielt Kącka den Nike-Literaturpreis und den Publikumspreis für ihr autobiografische Buch "Wczoraj byłaś zła na zielono" ("Gestern warst du böse in Grün"). Als Schriftstellerin debütierte Kącka mit Prosatexten, in denen sie häufig persönliche Erfahrung mit literarischen und kulturellen Reflexionen verbindet. Ihr Werk zeichnet sich durch eine präzise Sprache, ironischen Brechungen und einen starken autobiografischen Bezug aus. Besondere Aufmerksamkeit erhielt sie für ihre Essays und Romane, in denen sie Themen wie Erinnerung, Identität und Neurodiversität verarbeitet. Eliza Kącka gehört zu den markanten Stimmen der jüngeren polnischen Gegenwartsliteratur, die wissenschaftliche Reflexion und literarisches Schreiben auf besondere Weise miteinander verbindet.

Wichtige Werke: 

  • Halo? pani Elizo?: archiwalia, Oficyna Sielecka 2015
  • Elizije, Wydwanctwo Lokator, Krakau 2017
  • Po drugiej stronie sibie, Wydawnictwo Lokator, Krakau 2019 
  • Strefa zgniotu, Wydawnictwo Lokator, Krakau 2022
  • Wczoraj byłaś zła na zielono, Wydawnictwo Karakter, Krakau 2024 

Lutz Seiler

Lutz Seiler, 1963 in Gera geboren, wuchs in der DDR auf und arbeitete zunächst als Bauchfacharbeiter und Zimmermann, bevor er sich verstärkt der Literatur zuwandte. Bekannt wurde Seiler vor allem durch seine Lyrik, die für ihre präzise Sprache und eindringlichen Bilder geschätzt wird. Nach der Wiedervereinigung veröffentlichte er mehrere Gedichtbände und erhielt dafür zahlreiche Auszeichnungen. Sein literarischer Durchbruch im Bereich der Prosa gelang ihm mit dem Roman "Kruso" (2014), der auf der Ostseeinsel Hiddensee spielt und 2014 mit dem Deutsche Buchpreis ausgezeichnet wurde. Später folgte der Roman "Stern 111" (2020), der ebenfalls große Anerkennung fand und die Umbruchszeit nach dem Fall der Mauer thematisiert. 2023 erhielt Seiler den Georg-Büchner-Preis. Am 13. Oktober erscheint Seilers neues Buch "Das tickende Herz" im Suhrkamp Verlag.

Wichtige Werke: 

  • pech & blende, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
  • vierzig kilometer nacht, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
  • Sonntags dachte ich an Gott, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
  • Turksib, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
  • Die Zeitwaage, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
  • im federlatein, Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
  • Kruso, Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
  • Stern 111, Suhrkamp Verlag, Berlin 2020
  • Schrift für blinde riesen, Suhrkamp Verlag, Berlin 2021

Zum Preis:

Die Partnerstädte Thorn (Toruń) und Göttingen haben im Jahr 1996 beschlossen, einen gemeinsamen Literaturpreis auszurichten. Der Preis ist benannt nach dem polnischen Sprachforscher Samuel Bogumił Linde. Mit dem Preis werden Autor:innen ausgezeichnet, die sich um "Verständigung, Versöhnung und freundschaftliche Zuwendung zum jeweiligen Nachbarn" (Statuten) verdient gemacht haben.

Der gemeinsame Literaturpreis, der in Thorn und Göttingen verliehen wird, ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert.