"Ein Roman gegen Gleichgültigkeit"

Shida Bazyar erhält den Deutschen Buchpreis 2026

5. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Im voll besetzen, festlichen Kaisersaal des Frankfurter Römer wurden am Montagabend zunächst die sechs Finalist:innen präsentiert. Die Spannung war greifbar, bis schließlich verkündet wurde: Shida Bazyar gewinnt mit ihrem Roman "Die Lücken" (Kiepenheuer & Witsch) den Deutschen Buchpreis 2026.

Auf einer festlich beleuchteten Bühne stehen eine lächelnde Frau in schwarzem Kleid und ein lächelnder Mann in braunem Sakko. Die Frau hält eine geöffnete Urkunde oder Auszeichnung, während der Mann eine Hand an ihre Schulter legt. Im Hintergrund sind das Logo „deutscher buchpreis“, der Schriftzug „Deutsche Bank Stiftung“ und gelb beleuchtete Wandnischen zu sehen. Rechts steht ein weißes Rednerpult mit der Aufschrift „2026 deutscher buchpreis“ und dem geometrischen Logo. Links präsentiert ein gelbes Podest

Preisträgerin Shida Bazyar erhält von Börsenvereinsvorsteher Sebastian Guggolz die Urkunde

Der beste deutschsprachige Roman des Jahres ist "Die Lücken" (Kiepenheuer & Witsch; ET: 3. September 2026) von Shida Bazyar. Als dies Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, um 18.41 Uhr im voll besetzten Kaisersaal des Frankfurter Römer bekannt gab, brandete riesiger Beifall auf. In ihrer Dankesrede sagte Bazyar unter anderem, es falle nicht richtig leicht Freude zu empfinden, wenn man einen Roman schreibt über Menschen, die verfolgt werden. 

Moderiert wurde die Preisverleihung von Jo Schück (ZDF aspekte).

"Überzeugende literarische Strategien"

Die Begründung der Jury lautet wie folgt: "Heimisch in Heimesbach – kann man das sein? Der Roman 'Die Lücken' von Shida Bazyar reflektiert anhand einzelner Figurenschicksale fast 100 Jahre ambivalenten deutschen Lebens. Es waren Nachbarn, die zusahen, wie jüdische Menschen aus den Straßen verschwanden. Es sind Nachbarn, die Entscheidungen treffen, ob Menschen mit Migrationsgeschichte sich zu Hause fühlen. Die Autorin wählt überzeugende literarische Strategien: Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen. Auch die enge Verbindung von fiktiven und dokumentarischen Elementen, von erfundenen und historischen Figuren, die selbst eine Stimme bekommen, erzeugen den starken Nachhall des Textes. Ein Roman gegen Gleichgültigkeit."

Buchcover des Romans „Die Lücken“ von Shida Bazyar, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch. Auf hellem, fast weißem Hintergrund steht in großen schwarzen Buchstaben oben „SHIDA BAZYAR“ und unten „DIE LÜCKEN“. In der Mitte ist eine glänzend schwarze Miniaturdarstellung eines Dorfes mit mehreren Häusern, einer Kirche mit spitzem Turm und einem Brunnen abgebildet; schwarze Flüssigkeit läuft über den Untergrund. Darunter stehen die Angaben „Roman“ und „Kiepenheuer & Witsch“. Die monochrome Gestaltung wirkt kühl, d

"Eine Einladung zum Dialog"

"Der Deutsche Buchpreis macht sichtbar, was Literatur vermag: Sie schafft eine Form der Verständigung und stärkt unsere empathische Fähigkeit, uns im anderen zu suchen und zu finden. Schreibend und lesend, vorlesend und zuhörend bewegen wir uns aufeinander zu und bleiben einander zugeneigt. Das ist zweifellos einer der größten Gewinne des Deutschen Buchpreises: Er ist eine Einladung zum Dialog", sagt Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Bilder der Preisverleihung

Die Jury 2026:

Die Jury 2026 (v.l.n.r.): Adam Soboczynski, Stefanie Kreuzer, Theresa Donner, Emily Grunert, Cornelia Geißler, Maha El Hissy, Jan Ehlert

Adam Soboczynski, Stefanie Kreuzer, Theresa Donner, Emily Grunert, Cornelia Geißler, Maha El Hissy, Jan Ehlert (v.l.n.r.)

 

Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2026 gehören an:

  • Jurysprecherin Cornelia Geißler (Berliner Zeitung)
  • Theresa Donner (Buchhandlung heiter bis wolkig, Halle an der Saale)
  • Jan Ehlert (NDR)
  • Maha El Hissy (Literaturwissenschaftlerin)
  • Emily Grunert (Literaturbüro NRW)
  • Stefanie Kreuzer (Universität Kassel)
  • Adam Soboczynski (DIE ZEIT).

Für die Auszeichnung waren außerdem nominiert:

  • Franziska Gänsler: "Orca" (Kein & Aber, August 2026)
  • Valeria Gordeev: "Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle" (S. Fischer, August 2026)
  • Elias Hirschl: "Schleifen" (Paul Zsolnay, Januar 2026)
  • Peggy Mädler: "Selbstregulierung des Herzens" (Galiani Berlin, Februar 2026)
  • Dana Vowinckel: "Anton und Alma" (Suhrkamp, September 2026).

Die Preisgelder

Shida Bazyar erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist:innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Gewinnertitel wurde in mehreren Auswahlstufen ermittelt. Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 205 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2025 und September 2026 erschienen sind. Aus diesen Romanen wurde eine 20 Titel umfassende Longlist zusammengestellt. Daraus hat die Jury sechs Titel für die Shortlist gewählt. 

Lesungstermine von Shida Bazyar

Weitere Informationen und ausgewählte Lesungstermine von Shida Bazyar können abgerufen werden unter www.deutscher-buchpreis.de

Zum Deutschen Buchpreis

Mit dem Deutschen Buchpreis 2026 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main.

Unter dem Hashtag #buchpreisbloggen stellen 20 Literaturblogger:innen die nominierten Titel 2026 vor. Die Rezensionen werden unter www.deutscher-buchpreis.de/news veröffentlicht und über die Social-Media-Kanäle des Deutschen Buchpreises geteilt.

Der Hashtag des Deutschen Buchpreises ist: #dbp26