"Was stand am Anfang des Schreibprojekts?", wollte Börsenblatt-Redakteur Stefan Hauck wissen.
"Meine eigene große Lücke", erklärt Bazyar. Als 2018 ein Buch über die jüdische Gemeinde in Hermeskeil erschienen ist, wurde sie sich des Schweigens über die Verbrechen der NS-Zeit im ehemaligen "Gaumusterdorf" bewusst. "Ich bin selbst auf das Schweigen hereingefallen", reflektierte sie einen kollektiven Prozess, bei dem das Wort "Verdrängen" zu kurz greift.
Bazyar wollte mit "Die Lücken" einen Aha-Effekt erzeugen, eine Reaktion mit Blick auf die Verbrechen während des Faschismus: "Täter waren die ganz normalen Leute." Beim Schreiben setzte sie sich selbst Grenzen. "Ich wollte nicht historische Personen zu Held:innen meines Romans machen – mir nicht anmaßen, ihre Empfindungen zu erfinden, auch nicht von den Tätern."
Und auch die Perspektive der Täter, das wurde im Gespräch deutlich, spart "Die Lücken" nicht aus. Das ist mitunter heftig. "Ich wollte Figuren beschreiben, die aus Überzeugung gehandelt haben, ich musste mir beim Schreiben immer wieder verbieten, Ausflüchte zu finden. Es ist ja so: Bei den meisten Menschen hat auch später kein Umdenken stattgefunden. Ich wollte aber auch nicht dämonisieren, es ging mir um einen ehrlichen, einen menschlichen Blick", beschreibt Bazyar ihre Herangehensweise. Sie dröselt das Nebeneinander von Grauen und Alltag im Leben der Täter auf: "Wer als Täter während der Novemberpogrome in die Häuser seiner Nachbarn eingedrungen ist, hat auch Kinder erzogen und freundlich gelächelt und seine Kunden bedient."
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