Die Sonntagsfrage

Dreharbeiten in der Buchhandlung. Würden Sie es wieder tun, Frau Koller-Duwe?

3. Oktober 2021
von Börsenblatt

Die Buchhandlung Schaumburg in Stade hatte vor Kurzem fast 14 Tage lang Besuch von einer Filmproduktionsgesellschaft. Für den ZDF-Mehrteiler „Neuland“, in dem eine Buchhändlerin verschwindet, wurden dort mehrere Szenen gedreht. Wie war das? Musste umgeräumt werden? War die Buchhandlung in der Zeit geschlossen? Und ist das eigentlich lukrativ? Antworten von Schaumburg-Inhaberin Heide Koller-Duwe.

Heide Koller-Duwe, Buchhandlung Schaumburg

Heide Koller-Duwe, Buchhandlung Schaumburg

Die Buchhandlung Schaumburg in Stade hatte vor Kurzem fast 14 Tage lang Besuch von einer Filmproduktionsgesellschaft. Für den ZDF-Mehrteiler „Neuland“, in dem eine Buchhändlerin verschwindet, wurden dort mehrere Szenen gedreht. Wie war das? Musste umgeräumt werden? War die Buchhandlung in der Zeit geschlossen? Und ist das eigentlich lukrativ? Antworten von Schaumburg-Inhaberin Heide Koller-Duwe.

Wenn die Buchhandlung zum Drehort wird, ist ein starkes Nervenkostüm gefragt. Ein Filmteam agiert normalerweise in Objekten, in denen weder gewohnt noch gearbeitet wird, – beides war aber bei uns der Fall.

Als im Frühling dieses Jahres ein vermeintlicher Tourist durch unseren Laden stöberte, der sich später als Film-Requisiteur auf der Suche nach einem Drehort vorstellte, ahnten wir nicht, welcher Aufwand sich hinter einer Mehrteiler-Produktion verbirgt. Unsere Erfahrungen mit Filmaufnahmen beschränkten sich auf ein Porträt, das der NDR anlässlich der Auszeichnung „Niedersächsische Buchhandlung des Jahres 2007“ für die Sendung „Hallo Niedersachsen“ aufgezeichnet hatte, und die Literaturtipps für die Sendung „DAS!“. In beiden Fällen besuchte nach wenigen Absprachen ein vier- bis siebenköpfiges Team unser Haus für einen Tag.

Neue Farbe im Dielenbereich, überraschende Umbauaktionen

Nun wurden nach etlichen Vorgesprächen und Besichtigungen in unterschiedlicher Besetzung drei Umbautage von Mittwoch bis Freitag angesetzt, an denen einzelne Möbel ausgetauscht, Dekorationen verändert und Wandflächen im Dielenbereich umgestrichen wurden. Ein wesentlicher Aspekt dabei war, auffällige Schriftzüge zu überdecken und Urheberrechte zu schützen.

Zum Wochenende wurde in Absprache mit dem Ordnungsamt auf einem zentralen Platz eine Basisstation mit Garderobe, Maske, Kantine u. ä. für 60 Aktive errichtet, von denen ein Großteil ab dem frühen Montagmorgen unser Haus bevölkerte. Die Drehtage inklusive weiterer überraschender Umräumaktionen erstreckten sich bis Freitag um Mitternacht, am darauffolgenden Montag und Dienstag wurde die Buchhandlung in ihren Urzustand zurückversetzt.

Ob der Aufwand sich gelohnt hat? Fraglich...

Für die anderthalb Tage, an denen wir das Geschäft für einen Innendreh schließen mussten, richteten wir eine Abholstation am Privatausgang ein; Kunden mit anderen Wünschen wurden vor dem Geschäft von unseren Mitarbeitern betreut. Die Absprache, dass der Laden während des gesamten Außendrehs mit akzeptablen Wartezeiten für die Kunden erreichbar sein sollte, wurde leider nicht eingehalten, da die Security den Zugang häufig uneingeschränkt verwehrte.

Was bleibt als Fazit? Unsere gut überdachte Entscheidung, Buchhandlung, Treppenhaus und Teile der ersten Etage als Motiv zu überlassen, haben wir im Grundsatz nicht bereut, denn es war schon interessant, einmal hautnah am Set dabei zu sein. Ob allerdings die Vergütung für den geschätzten Barumsatz-Ausfall in der Woche mit dem Schulanfang und der erhoffte Werbeeffekt die Belastung parallel zum Arbeitsalltag, die innere Anspannung und den Reparaturaufwand im Nachgang aufwiegen, bleibt fraglich. Sollten wir erneut vor die Entscheidung gestellt werden, würden wir die Verhandlungen auf jeden Fall mit besserem Vorwissen aufnehmen. 

In Sachen Aufwand ist das Buch dem Film jedenfalls überlegen!

Natürlich sind wir nun gespannt, wie sich unsere Traditionsbuchhandlung im nächsten Herbst in der sechsteiligen Serie ausnehmen wird, schließlich hat der gesamte Tross für das Motiv die Elbseite gewechselt. Unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit sehen wir aber eindeutig das Buch als Medium bestärkt, in dem mit vergleichsweise geringstem Aufwand eine Geschichte erzählt wird, die vielfältige Bilderwelten zulässt.