Die Sonntagsfrage

„Fühlen Sie sich als literarischer Versager, Herr Strüven?“

2. August 2020
von Börsenblatt

Der Autor Reinhard Strüven hat in Krefeld den "Club der literarischen Versager" gegründet, erstes Treffen der offenen Textwerkstatt ist am 30. August im "35 Blumen" in Krefeld. Warum der despektierliche Name? Und worum geht es bei den Treffen? Das erklärt Strüven in der Sonntagsfrage. 

Der Autor Reinhard Strüven

"Club der literarischen Versager"? Die Idee zu dem Namen kam mir, als ich im Internet auf einen "Club der polnischen Versager" stieß, der in Berlin existiert. Die polnischen Leute haben oft eine schöne Selbstironie, und hinter ihrem Club der Versager stehen keineswegs Versager, sondern interessante Kulturschaffende polnischer Herkunft.

Ich habe den Namen adaptiert, weil mich der Literaturmarkt in den vergangenen Jahren, aus meiner Sicht, nicht mehr ernst genommen hat. Insofern habe ich beschlossen, ihn auch nicht mehr ernst zu nehmen. Was aber keinesfalls die Liebe zur Literatur infrage stellt oder mindert.

Ein Beispiel: Was Förderungen angeht, so können Sie sich für viele nur bis zum 35. Lebensjahr bewerben. Alle Welt sucht den hoffnungsvollen Nachwuchs. Der Literaturmarkt ist ein Jugendmarkt. Dabei speist sich Literatur aus Lebenserfahrung, Schreiberfahrung, Fähigkeit zur Reflektion, Wissensfundus …, das alles haben Ältere mehr als die Jungen, aber es zählt nicht. Es zählt nur, wenn man es rechtzeitig geschafft hat, dann sprudeln auch für die Älteren die Preise. Als Älterer noch den Einstieg in den Markt zu schaffen, ist nicht unmöglich, aber schwer. 

Der Literaturmarkt ist ein Jugendmarkt. Dabei speist sich Literatur aus Lebenserfahrung, Schreiberfahrung, Fähigkeit zur Reflektion, Wissensfundus …, das alles haben Ältere mehr als die Jungen, aber es zählt nicht.

Interessante Menschen, Ideen, Inspiration

Welche Leute zu den Treffen kommen, wird sich herauskristallisieren. Die Kulturstätte „35Blumen“ in Krefeld ist aus privater Initiative entstanden, und es gibt ein kleines, interessiertes Stammpublikum, dass sich regelmäßig dort in dieser ehemaligen Werkstatt am Alten Grünen Weg in Krefeld aufhält, sicher auch zu den geplanten Treffen, jeweils am letzten Sonntag im Monat von 16 bis 18 Uhr.

Und ich hoffe, dass das Rühren der Werbetrommel, zum Beispiel in literarischen Newslettern, eine gewisse Resonanz haben wird. Einige Rückmeldungen gibt es schon. Weitere Literaten werde ich persönlich ansprechen. Ich hoffe, dass sie sich trauen, unter der Überschrift „Literarische Versager“ teilzunehmen, und das alle Interessierten die Ironie und die Prise Dada verstehen, die darin steckt.

Ich habe Erfahrung mit Schreibwerkstätten - als Teilnehmer. Aktuell bin ich Mitglied im Literaturatelier Köln. Dort werden pro Treffen zwei Texte besprochen, 5-10 Seiten lang, je ca. eine Dreiviertelstunde. Der Autor liest etwas aus seinem Text, den alle Anwesenden zuvor als Kopie erhalten haben. Dann muss er die Meinungen und Beurteilungen der Runde über sich ergehen lassen und darf sich erst zum Schluss selbst dazu äußern. Ich finde das etwas streng. Vielleicht finden wir eine andere Form, aber mehr als zwei Beiträge pro Treffen sollten es wohl auch hier nicht werden.

Ich erhoffe mir vom "Club der literarischen Versager" spannende Begegnungen mit interessanten Menschen, Ideen und Inspiration. Und dass sich die Literaturwerkstatt etabliert. Ich selbst arbeite derzeit an einem Roman, der noch in Düsseldorf spielt, wo ich bis vor kurzem meinen ersten Wohnsitz hatte.