Die Sonntagsfrage

"Was läuft in Ihrer Buchhandlung nach dem Libri.Campus 2020 anders, Frau Renner?"

27. September 2020
von Börsenblatt

Melena Renner von der Buchhandlung am Färberturm in Gunzenhausen war in der vergangenen Woche beim Libri.Campus dabei, der erstmals komplett digital stattfand. Wie ihr das Format gefallen hat, was im Begrüßungspaket drin war und ob in ihrer Buchhandlung künftig etwas anders laufen wird, erklärt sie in der Sonntagsfrage.

Melena Renner, Buchhandlung am Färberturm, Gunzenhausen

2019 war ich zum ersten Mal beim Libri.Campus dabei - und ich war sehr begeistert. Daher war ich zunächst wirklich enttäuscht, als der Campus verschoben werden musste und klar wurde, dass er „nur“ digital stattfinden kann. Aber: digital hat auch Vorteile, wie ich jetzt weiß. 

Den ersten Mittagstalk habe ich leider verpasst, bei allen anderen Chats war ich live dabei und die Videos habe ich mir jeweils im Laufe des Vormittags angesehen. Die Auftaktveranstaltung konnte ich leider nicht ganz so aufmerksam verfolgen, aber ich werde sie mir auf jeden Fall nochmals in aller Ruhe vom Sofa aus ansehen. (ein großer Vorteil des digitalen Formats 😉)

Mein Highlight waren die Filme! Ich kann gar nicht sagen, welcher mir am besten gefallen hat. Sie waren wirklich alle super! Ich fand die Mischung großartig: Es waren sowohl Momente dabei, in denen ich fleißig mitgeschrieben habe, als auch Ideen, die wir selbst ähnlich umgesetzt hatten und bei denen ich mich gefreut habe, dass ich mich und meine Buchhandlung wiedererkenne. Ich war in vielen Momenten einfach stolz darauf, Teil dieser wunderbaren Buchhändler*innen-Gemeinschaft zu sein, die gerade im Lockdown so viel Kreativität und Energie freigesetzt hat!

"Viel Campus, ohne den Dienstplan über den Haufen werfen zu müssen"

Auch interaktiv habe ich mich beteiligt, sowohl mit einem Wortbeitrag als auch im Chat. Häufig wären mir noch hundert Dinge eingefallen, die ich gerne erzählt hätte, aber dazu waren die Runden mittags fast zu groß und die Zeit einfach zu schnell vorbei. Trotzdem war der Austausch sehr wertvoll und die doppelte Möglichkeit, sich zu beteiligen, toll.

Es war perfekt, dass ich am Campus teilnehmen konnte und wirklich viel Campus erleben konnte, ohne meinen Dienstplan über den Haufen werfen zu müssen! Für mich war es ein Campus nebenbei. Ich habe meine Mittagspause genutzt und morgens die Videos beim Bücher sortieren verfolgt. Das war für 2020 ideal, andernfalls hätte ich bei einem Herbsttermin sicher gar nicht teilnehmen können. Für mich war es die erste Erfahrung mit Zoom und ich bin ehrlich begeistert von den Möglichkeiten und der Umsetzung. 

Ob ich in meiner Buchhandlung jetzt etwas anders machen werde? Es gab ein paar Ideen, die ich sehr interessant fand. Zum Beispiel, dass die Buchhandlung Vogel gezielt auch auf Neuerscheinungen in der Zukunft hinweist. Aber für meine Arbeit in der Buchhandlung und die Kommunikation mit den Kunden habe ich vor allem ganz viel Bestätigung mitgenommen. Auch wir haben gerade im Lockdown viel über WhatsApp und in den sozialen Medien interagiert und haben festgestellt: es klappt! Wir hatten kein professionelles Social-Media-Konzept, sondern waren einfach WIR und das war und ist genau richtig. Das hat mir der Campus noch einmal bestätigt. Auch wir haben erlebt, dass unsere Begeisterung fürs Buch ansteckend ist – es war schön, das auch aus anderen Buchhandlungen bestätigt zu bekommen. 

Und ich habe sehr viele Anregungen mitgenommen!. Ich habe heute schon meinen ersten Buchtipp auch in unserem WhatsApp-Status geteilt – einfach ein Bild des Buches und der Link zur Rezension auf unserer Homepage – fertig! Das ging super schnell und erreicht ein paar Kunden mehr. Der Plan zur Reaktivierung unseres Newsletters ist auch bereits gefasst.

"Bitte wieder einen 'echten' Campus 2021!"

Außerdem habe ich gleich Kontakt zur Buchhandlung Jakob aufgenommen, die mir viele gute Tipps für die Anschaffung der Technik für Hybrid-Lesungen gegeben hat. Genau das hat mir in den letzten Monaten gefehlt: die Idee, wie wir Veranstaltungen neu denken können. Es hat mich sehr blockiert, dass gerade unsere Stärken, der enge, persönliche Austausch, am schwierigsten umsetzbar ist. Ich freue mich sehr, dass ich wieder neue Ideen habe, wie es weiter gehen kann. 

Trotzdem hätte ich einen Wunsch an die Veranstalter: Wenn irgend möglich, bitte wieder einen „echten“ Campus 2021! Die digitale Version war super, aber was leider einfach fehlt, ist der Austausch mit anderen Buchhändler*innen am Rande der Veranstaltung. Trotzdem war es eine wertvolle Erfahrungen mit vielen tollen Impulsen.

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