Die Sonntagsfrage

Weshalb haben Sie sich für die Anerkennungsprämie beworben, Herr Schäfer?

21. November 2021
von Börsenblatt

Bernhard Schäfer ist Inhaber der Buchhandlung Buchland in Bad Wildungen und Vorstand der eBuch. Er hat sich mit Buchland für die Anerkennungsprämie beworben, die aktuell als Wertschätzung des kulturellen Engagements von Buchhandlungen vor und während der Pandemie von der Bundesregierung ausgelobt wird. Warum er allen Buchhändler*innen empfiehlt, sich für die Prämie zu bewerben, erklärt er in der Sonntagsfrage.

Bernhard Schäfer

Bernhard Schäfer

Nie zuvor war es so einfach, ohne großen Aufwand solch hohe Prämien für Buchhandlung zu erhalten. Mit ein paar Klicks und Angaben kommen bis zu 1.030 Kolleg*innen auf Beträge in Höhe von 8.000 bis 25.000 Euro, wenn sie sich auf die Anerkennungsprämie Neustart Kultur bewerben.

Ich selbst habe für meine Buchhandlung Buchland maximal eine Stunde in das Ausfüllen des Antrags investiert. Da auch Zeiten vor dem Beginn der Coronakrise gewertet werden, war ich erstaunt, wie viele Aktionen wir in unserer Buchhandlung in dem vorgesehenen Zeitraum durchgeführt hatten: Mit einer ganzseitigen Anzeige in unserer Regionalzeitung warben wir um Solidarität mit allen kleinen Geschäften und benannten namentlich, mit Adressen, auch die Buchhandlungen in unserem Umfeld. Bei Instagram & Facebook posteten wir hintergründige & humorvolle Videos aus der Buchhandlung. Fotos unserer bodenhohen großflächigen Schaufenster, die wir auch großflächig mit passenden Texten besprühten, sorgten für eine hohe Aufmerksamkeit im Netz und bei Passanten unserer Stadt.

Landesweit sprudelten bei fast allen Buchhandlungen die Ideen. Buchhändlerische Kreativität entwickelte sich bisweilen zu Höchstformen. Der engagierte Umgang unserer Branche mit ihren zeitweilig geschlossenen Geschäften wurde von Kundinnen und Kunden begeistert aufgenommen und vielfach in die ganze Republik gespielt. All unser Kanäle, vom Schaufenster, über Printmedien, bis zu den sog. sozialen Medien, zeigten der Welt, wie wir uns für die Grundversorgung mit relevanten „Lesensmitteln“ engagierten.

Dass dies von der Bundesregierung gesehen wurde und wir nun so großzügig unterstützt werden, zeigt die Wertschätzung, die unserer sympathischen, flexiblen und quicklebendigen Branche seitens der Politik immer wieder entgegengebracht wird. Die Prämie steht zur freien Verfügung und muss in den Betrieb investiert werden. Ob für Lesefestivals, nötige Renovierungen oder Investitionen in Technik, Logistik (z. B. in ein Lastenfahrrad), bleibt den Prämierten überlassen.

Wir würden im Buchland, falls wir eine Prämie erhalten sollten, unser im Frühjahr 2021 ausgefallenes Kinder- und Jugendfestival wieder aufleben lassen – dann noch umfangreicher und mehr vernetzt. Auch unser 14 Jahre alter, sehr strapazierter Eichenholzdielenboden könnte einen neuen Schliff vertragen. Oder wir bauen uns, ein langgehegter Traum würde wahr, direkt neben der Buchhandlung einen überdachten Sitzplatz für die kalten Tage. Und zu Weihnachten würde daraus ein Stall mit Krippe. Es gäbe Glühwein, Punsch und Plätzchen, angereichert mit Lesungen für Jung und Alt.

Ich möchte dazu ermuntern, sich auch während des beginnenden Weihnachtsgeschäftes die erforderliche Zeit für den Antrag zum Erhalt einer Prämie zu nehmen. Nach meinem Informationsstand haben sich schon ein paar hundert Buchhandlungen beworben. Zugleich bleibt bei über 1.000 Prämien noch Luft nach oben. Bei meinen eBuch Kolleg*innen werbe ich bereits für eine Teilnahme, indem ich sie zu Sprechstunden einlade, um ihnen beim Ausfüllen des Bewerbungsformulars meine Unterstützung anzubieten.