Jenseits von Bullerbü
Das Familienbild im Kinderbuch ist vielfältiger geworden. Ob damit gerade in unsicheren Zeiten auch mehr ´heile Welt´ Einzug hält, wird in der Branche kontrovers diskutiert.
Das Familienbild im Kinderbuch ist vielfältiger geworden. Ob damit gerade in unsicheren Zeiten auch mehr ´heile Welt´ Einzug hält, wird in der Branche kontrovers diskutiert.
Vielfalt im Kinderbuch? Die kann auch so aussehen: "Zurzeit ist es ein Anliegen, ganz unterschiedliche Familienkonstellationen als selbstverständlich und als eine gute Heimat zu beschreiben", meint Thienemann-Verlegerin Bärbel Dorweiler. Das umfasse vieles: "Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden, getrennt, Patchwork, zwei Männer, zwei Frauen … – nur polyamor habe ich im Kinderbuch noch nicht gesehen. Deswegen müssen echte Probleme, die in der Familie begründet sind, nicht ausgeblendet werden; sie kommen im echten Leben ja schließlich auch vor."
Dass es einen Trend hin "zur genauen Beobachtung verschiedener Möglichkeiten von Familie" gibt, bestätigt auch Annette Maas, Programmleiterin bei cbj Kinderbuch. "Die Rollenverteilung zwischen Kindern und Eltern wie auch die Geschlechterrollen werden in `normaleren` Familien ausgelotet." Maas beobachtet, dass in unsicheren Zeiten der Wunsch nach einem geschützten Raum im Buch zunehme, "in dem nicht alle Härten des Lebens stattfinden". Und für DK-Verlegerin Monika Schlitzer zeichnen sich die Kinderbücher ihres Verlags alles in allem "durch ein positives und hoffnungsvoll auf die Zukunft gerichtetes Familienbild aus, das Familien und Kinder zu Empathie und gegenseitigem Verständnis ermuntern will."