Lesetipp

"Wie hoch ist der Preis des Ausverkaufs des eigenen Berufslebens?"

16. Januar 2024
von Börsenblatt

Die Auswirkungen generativer Künstlicher Intelligenz auf den Kreativsektor sind schon heute spürbar. Mit der "Zeit" hat Nina George über ihre Befürchtungen und ihre Kritik am AI Act der EU gesprochen. 

 

Wie Nina George gegenüber der Zeit mitteilt, würden viele Berufsgruppen schon jetzt die Auswirkungen generativer KI in ihrem Berufsalltag spüren. Illustratorinnen würden seit einem Jahr weniger Auftragseingänge vermerken, "weil sich Agenturen oder Redaktionen was von Dall-E zusammenplagiieren lassen". Betroffen sieht sie auch Gutachter:innen fremdsprachiger Bücher und professionelle Sprecher:innen.  

Der größte Kritikpunkt Georges an generativer KI ist die Nutzung urheberrechtlich geschützten Guts für das Training der KI ohne Zustimmung oder Vergütung der Urheber:innen und der lasche Umgang der Politik damit. 

"Ein Gesetz muss klarstellen, dass das Persönlichkeitsrecht auf die eigene Stimme, Erscheinung oder Bewegung ebenso bei maschinellem Lernen greift und nicht ungefragt oder unvergütet benutzt werden kann. Wir Autorinnen und Autoren brauchen deshalb ein Gesetz, das eine Autorisation, eine Vergütung und eine Transparenz garantiert und vor allem durchsetzbar macht. Ich muss gefragt werden, ob meine Arbeit für die Ausbildung der mit mir konkurrierenden Systeme verwendet werden darf, ich muss einen Preis ansagen können und Lizenzbedingungen festlegen und sämtliche Herstellungsprozesse als auch Kennzeichnung von KI-Produkten muss sicher sein", fordert George. 

Eine Umfrage der Author's Guild habe ergeben, dass 95 Prozent gefragt werden und aktiv zustimmen wollen dürfen, wenn ihre Werke zum Trainieren einer KI verwendet würden. "Aber selbst wenn Verwertungsgesellschaften kollektive Lizenzen vergäben, was der logistisch beste Weg wäre, stellt sich immer noch die Frage, wie viel Geld man dafür nehmen muss – ich meine, wie hoch ist denn der Preis des Ausverkaufs des eigenen Berufslebens?"

Im AI Act sieht die Autorin vorerst keine große Hilfe. "Die gesetzliche Regulierung soll zunächst nicht für Open-Source-Modelle gelten", so George. Das gehe aus einem nicht öffentlichen Papier aus den Verhandlungen vor, das ihr vorliege.

Zum kompletten Interview: Autorin Nina George über KI: "Wenig Chancen auf Nachzahlungen"