Auschwitz-Überlebender

Zeitzeuge Hermann Höllenreiner gestorben

19. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Zeitzeuge Hermann "Mano" Höllenreiner ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Seine Lebensgeschichte hat Anja Tuckermann im dokumentarischen Roman "Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war" erzählt.

Hermann Höllenreiner

Hermann Höllenreiner

Hermann Höllenreiner, in seiner Familie Mano genannt, entstammte einer großen bayerischen Sinti-Familie. Er überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie die Lager Ravensbrück und Sachsenhausen. In seinen späten Lebensjahren wirkte er als Zeitzeuge und wurde 2013 für seine Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Geboren am 19. Oktober 1933, wuchs er in München auf und war neun Jahre alt, als die bayerischen Sinti deportiert wurden. Bei Kriegsende, mit elf Jahren, überlebte er auch den Todesmarsch vom KZ Sachsenhausen. Nach der Befreiung blieb er völlig entkräftet auf einer Landstraße liegen und wurde von befreiten Französinnen gerettet und nach Frankreich mitgenommen. Dort lebte er in einer Pflegefamilie, die das schwer traumatisierte Kind liebevoll aufgenommen hatte, bis Ende 1946 seine leibliche Familie in München gefunden und er mit ihr wiedervereint werden konnte.

Mit seiner Frau Else baute er einen erfolgreichen Antiquitäten-Handel auf. Er war Experte für das Bestimmen von Alter und Herkunft antiker Möbel.

Anfang der 2000er-Jahre sprach er erstmals über die Verfolgung in seiner Kindheit und besuchte anlässlich von Gedenkveranstaltungen die Orte des Überlebens. 2008 erschien der dokumentarische Roman mit seiner Lebensgeschichte: "Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war", geschrieben von der Autorin Anja Tuckermann. Das Buch wurde mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis ausgezeichnet.

Am 27. Januar 2020 wurde Hermann Höllenreiner vom deutschen Bundespräsidenten empfangen und begleitete ihn zur Gedenkfeier anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung zur KZ-Gedenkstätte Auschwitz.

Hermann Höllenreiner verstarb im Alter von 92 Jahren in Mettenheim im Kreise seiner Familie. Bis zuletzt wurde er von seiner Tochter Carol und seiner Frau gepflegt, mit der er 70 Jahre lang verheiratet war.