Aus dem Sonderheft Dienstleister: Buchimport

Gewusst wie: fremdsprachige Bücher bestellen

15. Juni 2021
von Sabine Schmidt

Mit fremdsprachigen Büchern erreicht man neue Zielgruppen. Aber wie kommen Buchhandlungen an die Titel heran? Erfahrungen. 

Zu Wasser, übers Land oder per Flugzeug kommen die fremdsprachigen Bücher in die Buchhandlungen.

Titel aus Japan, China, Russland, dem Baltikum, Griechenland, der Türkei, Israel: Bei der Vielfalt der Sprachen, mit denen Thomas Emig handelt, könnte einem fast schwindlig werden. Sein Schwerpunkt ist das internationale Bibliotheksgeschäft vor allem in Amerika, Europa und Asien. Dazu kommen die Altlandsberger Buchhandlung nordöstlich von Berlin sowie ein Versandantiquariat – und für Buchhandelskolleg*innen besorgt Emig Werke aus Ost- und Südosteuropa.

Dass er diesen Service anbiete, habe viel mit der Insolvenz von Kubon & Sagner im Jahr 2017 zu tun, dem bis dahin größten Slawistik-Importeur. Dessen Bestand wurde Emig angeboten, und er griff zu, obwohl – oder eher weil – er die Insolvenz sehr bedauerte. »Mein Osteuropa-Service beinhaltet nicht, dass wir Kolleg*innen Neuerscheinungslisten schicken und sie dabei unterstützen, ein Slawistik-Sortiment aufzubauen«, erklärt er – das lohne sich nicht. 

»Aber ich liefere auf Anfrage Bücher. Ich kenne mich in den Märkten in Osteuropa aus, habe Scouts vor Ort, bin auch selbst mit Buchhändler*innen vernetzt.« Die Scouts seien wegen einer Besonderheit des osteuropäischen Buchmarkts unerlässlich: »Dort werden Neuerscheinungen sofort verkauft, sind also schnell nicht mehr lieferbar. Hier kommen unsere Expert*innen ins Spiel.«

Kinderbuch international

Nahezu weltweit ist auch Mariela Nagle aktiv: Die Argentinierin hat in Berlin die Buchhandlung Mundo Azul gegründet, sich auf internationale Kinderbücher spezialisiert und ein weitgespanntes Netzwerk aufgebaut. »Die Buchhandlung ist für mich wie für meine drei Mitarbeiterinnen kein Vollzeit­-Job, aber ein zentrales Element neben meinen Vortrags- und Beratungstätigkeiten«, sagt sie. Sie berät Universitätsbibliotheken, Museen, Buchhandlun­gen, Sammler*innen und Einrichtun­gen, die Geflüchtete unterstützen.

Viele der gewünschten Kinderbücher kann sie selbst beschaffen, zum Beispiel direkt aus Indien, oder sie findet Wege zu den nicht gerade leicht zugänglichen Büchern aus Lateinamerika. »Wenn ich einen Titel mal nicht selbst besorgen kann, kenne ich jemanden, dem das möglich ist, und vermittle den Kontakt.«

Nagle bietet einen hochspezialisierten Service an – und teilt ihre Exper­tise mit Buchhandelskolleg*innen großzügig: »Wenn das Auffinden eines Kinderbuchs nicht außergewöhnlich aufwendig ist, berechne ich ihnen für meine Recherchearbeit höchstens eine Kleinigkeit oder gar nichts.«

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