Meinung

Kontroverse um "Der Turm"

Warum Uwe Tellkamp keine Ehrenerklärungen nötig hat. Von Georg M. Oswald.

Georg M. Oswald

Georg M. Oswald © Martin Fengel

Jens Wonneberger ist Autor eines Buches mit dem Titel »Die letzten Mohikaner«. Ob er James Fenimore Cooper in seinem Werk für die Entlehnung des Titels (»The Last of the Mohicans«) gedankt hat, ist mir nicht bekannt. Ich bezweifle es. Ein Plagiat wollte man sein Werk deshalb nicht nennen. Er selbst will auch niemanden des Plagiats bezichtigen. Insbesondere nicht Uwe Tellkamp. Dies teilt er der Presse mit und bekommt dafür bundesweit eine Aufmerksamkeit, die seinem Werk bisher versagt blieb.
»Man ärgert sich da immer; das wird jedem so gehen, der seine Arbeit in einer anderen Arbeit widergespiegelt findet«, sagt er im »Sachsenspiegel« des MDR. Das klingt, als würden sich laufend Autoren aus Herrn Wonnebergers Schriften bedienen, was jetzt endlich ein Ende haben müsse. Den »Dresdner Neuesten Nachrichten« erzählt er deshalb: »Vieles, was er [Uwe Tellkamp] im ›Turm‹ beschreibt, kann er nicht selbst erlebt haben, er war auf Recherchen angewiesen. Zu diesen Recherchen gehörten sicher nicht nur Dokumente, sondern auch belletristische Literatur. An all dem ist nichts Verwerfliches, die Frage ist nur, wie nah man an den Quellen bleibt und ob man, wenn die Nähe zu groß ist, vielleicht eine Quellenangabe machen sollte.« Aber wie gesagt, einen Plagiatsvorwurf will er Tellkamp nicht machen. Genau dies wäre an dieser Stelle aber die logi-sche Konsequenz von zu großer Nähe. Aber nein, er will nicht. Eigentlich ist also gar nichts los. Niemand wirft irgend­jemand irgend­etwas vor, aber beleidigt ist man schon. Schade nur, dass auch Uwe Tellkamp sofort mit einer anwaltlichen Erklärung reagiert, anstatt den Angriff, der ja gar keiner sein will, gelassen abprallen zu lassen. Unkommentiert am besten.
Weder Uwe Tellkamp, noch sein Roman haben Ehrenerklärungen nötig. Es ist schlichtweg ausgeschlossen, dass dieses 1 000-seitige Werk etwas anderes wäre als die originäre Schöpfung seines Autors. Originär heißt dabei nicht: aus dem Nichts entstanden. Welche Recherchen Tellkamp betrieben hat, um das Buch schreiben zu können, mag er irgendwann einmal offenlegen oder auch nicht. Sich damit zu befassen, wäre möglicherweise eine lohnende literaturwissenschaftliche Beschäftigung. Ob sie dazu führte, den Charakter des Werkes besser zu erfassen, steht dahin.
Die Feststellung, Tellkamp könne nicht alles selbst erlebt haben, was er in seinem Roman beschreibe, ist so banal wie falsch. »Madame Bovary, c’est moi«, sagte Gustave Flaubert, und wollte damit keineswegs durchblicken lassen, er sei eigentlich eine Frau. Das Vorbild für seine Titelgestalt gab ihm der Bericht über eine Ehetragödie in der Zeitung. Auf eine Quellenangabe verzichtete er. Man hat sie später trotzdem gefunden. An der Qualität des Romans ändert das nichts.
»Der Turm« hat, mit Verlaub, Thomas Manns »Buddenbrooks« weit mehr zu verdanken als Jens Wonnebergers »Die letzten Mohikaner«, was seinen Rang nicht schmälert, ganz im Gegenteil. Wenn nicht als Schriftsteller, so als ehemaliger Antiquariats­mitarbeiter müsste Jens Wonneberger wissen, dass Bücher aus Büchern entstehen, dass Autoren von der Welt abschreiben, ja sogar Titel von Werken anderer für eigene benutzen. Verwerflich ist daran in der Tat gar nichts, im Gegenteil: So entsteht, im besten Fall, Literatur.

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18 Kommentar/e

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  • jayne-ann igel

    jayne-ann igel

    Das größere Problem bei Tellkamp sind tatsächlich nicht die Parallelitäten, von denen Jens Wonneberger sehr treffend und sinngemäß schrieb, daß sich der Autor da möglicherweise zu nahe entlang des Originals bewegt (was so auch in Hinsicht auf die Parallelitäten zu Wachtel formuliert werden könnte) - das größere Problem stellt für mich der denunziatorische Grundgestus des Romanwerks dar. Tellkamp läßt keines der Klischees aus, die über die DDR-Wirklichkeit in Umlauf sind und eher Vorurteilen Vorschub leisten als einer differenzierten Sicht. Das massierte Auftreten all dessen, was es im Einzelnen auch wirklich gegeben hat, erzeugt ein Bild von dieser Wirklichkeit, das man tendenziös oder stark überzeichnet nennen mag. Von einem Roman, der vom Autor wie von der Kritik als Gesellschaftsroman verstanden und mit Werken Thomas Manns verglichen wird, kann man eine differenziertere Sicht verlangen. Zudem erweckt der "Turm", dessen Handlung in den 80er Jahren angesiedelt ist, stetig den Eindruck, man befände sich in der DDR der wahrlich weit düsteren 50er Jahre - zwischen der noch stalinistisch geprägten Realität der 50er und der weit liberaleren Atmosphäre der endsiebziger resp. 80er Jahre sind zeitgeschichtlich indes erhebliche Unterschiede auszumachen, auch wenn in dieser oder jener Amtsstube der stalinistische Geist noch präsent gewesen ist.
    Die Metaphorik in diesem von der Kritik als lyrisch und dicht gefeierten Text holpert oft bedenklich, das läßt sich an vielen Stellen belegen, und dies ist m.E. der Ungenauigkeit in der Beobachtung der Wirklichkeit geschuldet ...

  • Eckahrd Heinicke

    Eckahrd Heinicke

    Sehr geehrter Herr Oswald,
    es kann keine Rede davon sein, dass der von Ihnen denunziatorisch "Herr Wonneberger" genannte Jens Wonneberger sich aufmerksamkeitsheischend an die Presse gewandt hätte. Zuerst, nämlich am 17.12.2009, stand der Vorwurf immerhin hier: http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur/sor gfaeltig_abgeschrieben_1.4260528.html Eine Bekanntschaft zwischen Dorothea Dieckmann und Wonneberger ist sicher zu vermuten, aber zu unterstellen, dass Wonneberger Dieckmann zu seinem Sprachrohr gemacht (und die NZZ das nicht gemerkt) haben soll , ginge doch etwas weit. Am 11.1.2010 erst hat der offenbar zuständige „Sachsenspiegel“ Wonneberger gefragt und der hat, wie ich finde gelassen und durchaus nachvollziehbar, geantwortet. Merkwürdig allenfalls, dass in der der Sachsenspiegel-Sendung Sendung die NZZ nicht erwähnt wird, auf der MDR-Homepage aber ausführlich.
    Wie auch immer: Ob das alles irgendwas zur Würdigung des „Turmes“ etwas beiträgt, ist eine ganz andere Frage.
    Eckhard Heinicke

  • Ulrike Sárkány

    Ulrike Sárkány

    Großartiger Artikel, lieber Herr Oswald! Man merkt, dass Sie neben der Literatur auch was von Justiz und von Werbung verstehen. u.s.

  • jayne-ann igel

    jayne-ann igel

    ergänzend zu eigenem obigen Kommentar möchte ich noch einen anderen Aspekt ins Blickfeld rücken: vor dem Hintergrund einer sich immer stärker abzeichnenden Tendenz (vorangetrieben von jenen politischen Kreisen, die sich in dieser Frage die Diskurshegemonie angeeignet haben), nach der schon das Einfordern einer differenzierteren Sicht auf die DDR-Wirklichkeit im geschichtlichen Aufarbeitungsprozeß als "Verklärung" oder "Schönfärberei" eben dieser Vergangenheit denunziert wird, sehe ich durchaus auch Autoren, die sich literarisch mit dieser Wirklichkeit auseinandersetzen, in einer gesellschaftlichen Mit-Verantwortung (je nachdem, ob sie diese Tendenz bedienen und mit befördern, oder eben nicht...).

  • franzmalef

    franzmalef

    Zunächst: Wer sind Sie denn, Herr Oswald? Man kennt Sie nicht, und nach Ihrem Artikel muss ich sagen: Zu Recht. Wenn ich "google "oder bei Amazon nachschaue, entdecke ich nichts Außergewöhnliches von Ihnen. Ein unbekannter Schreiber - aber mit großer Meinung. Ich sage das nur, weil Sie Jens Wonneberger unterstellen, er habe sozusagen für sich Schleichwerbung betrieben. Wie hier gesagt wurde, geht es gar nicht so sehr um die Plakiatvorwürdfe. Ihre Platitüden, dass Literatur immer aus Literatur entstünde, ist eine allbekannte Tatsache. Es geht darum: Wie Herr Tellkamp arbeitet! Er hat es offenbar nicht nötig, ehrenwert mit Quellen umzugehen. Und Ihre kleine Frechheit mit dem "Letzten Mohikaner" Wonnebergers ist so dümmlich wie sie durchsichtig ist. Wonneberger schrieb schon beachtenswerte Bücher, da versuchte Tellkamp nich Arzt zu werden. Nein, Tellkamp ist ein Schreiber, der, ob nun im Auftrag oder nicht, das Buch zur Politik geschrieben hat - und er wird dafür belohnt. Die Seitenzahl ist keine Leistung an sich, die man immer wieder würdigen muss. Der T. kann nicht schreiben - er fügt Klischee an Klischee und seine Dialoge wie die Figurenzeichnung ist so trivial wie sie stümperhaft ist. Lesen Sie mal bei Amazon , was das Volk zu dem Roman sagt. Jeder, der ein Minimum vom Schreiben versteht, wird das Buch des Herrn Tellkamp als einen halb lektorierten Trivialroman empfinden, der durch Adjektivitis "aufgespritzt" wurde. Normalerweise ist jede Zeile zu schade über diesen literarischen Abfall etwas zu sagen. Das Buch verdient nicht eine der bekannten Attitüden: Es ist kein Wenderoman, kein Gesellschaftsroman, kein Spiegelbild der DDR, keine sprachliche Meisterleistung, schon gar nicht mit Thomas Mann vergleichbar - es ist ein Buch, das wie bestellt in die politische Sicht der derzeitig Herrschenden passt. Sage mir, mit wem Du umgehst und ich werde Dir sagen, wer Du bist - und nun schauen Sie auf den verkrampft wirkenden, humorlosen Herrn Tellkamp und Sie wissen, wer er ist und warum er das wurde, was er derzeit geworden ist ...

  • Susanne Dagen

    Susanne Dagen

    Lieber Herr Oswald,
    vielen Dank für Ihren Text. Seit dem Dieckmannschen NZZ-Artikel, der wohl als eine "Auftragsarbeit" bezeichnet werden darf ist die Diskussion fürwahr entbrannt. Herr Tellkamp selbst wußte davon nichts. Dieser Aspekt mag vielleicht im Gesamtkontext nicht wichtig erscheinen, spricht allerdings für den fehlenden Umgang unter Kollegen. Ich bin sehr froh darüber, dass der Autor sich zu einem anwaltlichen Schritt entschlossen hat, da die Vorwürfe ein Maaß an Unverfrorenheit überschritten hatten und es sich, wie Frau Dieckmann in einem Antwortbrief an mich versicherte, um eine nationale und nicht mehr nur regionale Angelegenheit halte. Was bleibt, ist der schale Geschmack und ein Kopfschütteln darüber, wie mit einem literarischen Text umgegangen wird, der eine große Qualität in sich birgt - und ein geradezu "geistiges Erdbeben" verursacht hat. Und da gebe ich der o.g. Autorin recht, nicht nur im Regionalen. Im übrigen kannte in Dresden, ich möchte behaupten ein jeder das beschriebene Antiquariat. Und da es sich um einen öffentlichen Ort handelte, kann ein jeder sich an die Eigentümlickeiten erinnern. Da gabe es schon andere Autoren, die sich nach Plagiatsvorwürfen mit einer Schrift "Wem gehört eine Erinnerun?" an die Öffentlichkeit wandten. Die dann allerdings ungehört verhallte und auch für das Feuilleton von keinerlei Interesse war. Wer interessiert sich schon für alte Fehden? Die Fehde jedenfalls, die hier ausgefochten wird irritiert, beschäftigt und macht höchst unglücklich angesichts der niederen und allzumenschlichen Beweggründe. Und es ist eine höchst politische! Vielen Dank, Herr Oswald für Ihren weisenden Artikel,
    Ihre Susanne Dagen
    BuchHaus Loschwitz in Dresden
    PS: Ich mußte Sie noch nicht mal "googeln"...

  • franzmalef

    franzmalef

    Ich muss mich, was Herrn Georg mM. Oswald betrifft, insoweit korrigieren, als er natürlich nicht gämnzlich unbekannt ist. Er ist ein Zweitberufler wie Tellkamp. Während Uwe Tellkamp ein schreibender Arzt ist, ist Herr Oswald ein schreibender Rechtsanwalt. Und in weiterem ähneln sie sich. Beide zeichnen sich durch die Meisterschaft im Beherrschen von Klischees aus und in der Gestaltung möglichst trivialer Plots. Und sie schreiben upper-class-Romane. Oswald über Rechtsanwälte, Tellkamp von Ärzten. Vielleicht kommt daher die brüderliche Liebe des Herrn Oswald für Herrn Tellkamp. Ansonsten bleibt es bei meinen obigen Feststellungen. Und - lesen muss man beide nicht. Man verpasst nichts.

  • Markus R.

    Markus R.

    Zunächst: Wer sind Sie denn, Herr Malef? Man kennt Sie nicht, und nach Ihrem Kommentar muss ich sagen: Zu Recht. Wenn ich "google "oder bei Amazon nachschaue, entdecke ich nichts Außergewöhnliches von Ihnen, außer Kommentare hinsichtlich der Tellkamp/Wonnberger Kontroverse. Das musste ich einfach mal so kopiert haben, denn dieser Anfang ist wahrlich komisch genug. Auch ihre Korrektur ändert daran nichts. Denn auch ich musste Herrn Oswald nicht googlen. Seine Bücher sind mir bekannt. Und das als Buchhändler in der "Provinz". Komisch auch, dass "halb lektorierte Trivialromane" in der heutigen Zeit mit dem deutschen Buchpreis und dem Literaturpreis der Konrad Adenauer Stiftung ausgezeichnet werden. Somit kann ich nur fest stellen, dass man Bücher von Herrn Tellkamp gerne lesen darf, ebenso die Werke von Herrn Oswald. Ihre Kommentare muss man nicht lesen. Denn damit verpasst man auch nichts. Nichts für ungut, aber das musste ich los werden.

  • franzmalef

    franzmalef

    Ein "Provinzbuchhändler" wie Sie, Herr R. lebt von Umsatz. Also liebt er die, welche ihm den meisten Umsatz bringen. Und dass es für Herrn Tellkamp die Preise alle aus derselben Wolke regnerte, ist nicht verwunderlich, es ist die Belohnung für eine Schreibe, die der Politik gerade recht kam. So einfach, Herr R. ist unsere Welt und auch die Ihre!

  • Jörg Scholz-Nollau

    Jörg Scholz-Nollau

    Vielen Dank für den sehr pointierten Beitrag. Ich finde allerdings, Herr Oswald tut nicht gut daran, Jens Wonneberger als den unbeachteten Autor hinzustellen, der dem Schriftstellerkollegen den Erfolg nicht gönnt. Ich kenne Jens Wonneberger, er hat damals in meiner Buchhandlung die Buchpremiere seines Buches "Die letzten Mohikaner" veranstaltet. Ich kenne auch Uwe Tellkamp, dessen Buchpremiere vom "Turm" ich mit einem Büchertisch begleitet habe. Neben Peter Handkes "Morawische Nacht" war dieses Buch das Leseereignis des Jahres 2008 für mich und gleichzeitig der größte Verkauferfolg eines einzelnen Buches meiner 12jährigen Buchhandlungsgeschichte.
    Der Artikel in der NZZ von Dorothea Dieckmann, der im Nachhinein, soviel ich hörte, durch den Titel "Sorgfältig abgeschrieben" verschärft wurde ist kein Auftragswerk Jens Wonnebergers. Der "Turm" Uwe Tellkamps ist erst recht kein Auftragswerk "bestimmter politischer Kreise", wie man es in Foren leider öfter liest. Der "Turm" ist ein Kunstwerk, und ein Kunstwerk lebt von Überzeichnungen, und ein Kunstwerk ist konsequent subjektiv. Die erzählte Zeit aber ist noch zu nah, viele haben diese persönlich erlebt, bestimmt auch anders als Uwe Tellkamp. Der Turm ist keine Fotografie dieser Zeit, sondern Malerei, Zeichnung und Skulptur.
    Jens Wonneberger hat ebenso wie Uwe Tellkamp über Jahre im Stillen ein sprachlich beachtliches Werk geschaffen. Den großen Erfolg hatte er überregional nicht, daß er ihn sich jetzt in dieser Art holen möchte, halte ich für eine ungerechtfertigte Unterstellung Herrn Oswalds.
    Die Ähnlichkeiten des Kapitels "Moorgrüne Blumen" im Turm zu Jens Wonnebergers Text "Dienemanns Nachfahren" sind mir auch aufgefallen. Ich führte diese auf ähnliche Beobachtungen beider Autoren zurück.
    Wenn man beide Texte direkt hintereinander liest, fallen die viele Motivgleichheiten ins Auge: das finde ich nicht verwerflich. Die Wirklichkeiten eines Romans setzten sich nicht nur aus selbst Beobachtetem, sondern aus mündlich Zugetragenem, Recheriertem und eben auch Gelesenem zusammen. Die Kathedrale, der Roman also, entsteht aus Einzelteilen, im "Baumeisterfeuer der Phantasie", wie Uwe Tellkamp in einem Interview sagte. Deshalb scheint mir der Titel des auslösenden Artikels der NZZ völlig falsch und impliziert damit einen Plagiatsvorwurf. Der letzte Satz des Beitrages im MDR-"Sachsenspiegel", daß ein klärendes Gespräch unter den Autoren vielleicht die bessere Variante wäre, den Streit zu schlichten, kann ich nur unterstreichen. Sicher ist es dafür immer noch nicht zu spät.

  • franzmalef

    franzmalef

    Vielen Dank, Herr Scholz-Nollau, endlich kommt wohltuende Sachlichkeit in die Debatte. Ich gebe zu, ich hatte mich von Herrn Oswald "Angriffen" gegen Jens Wonneberger hinreißen lassen, den ich ebenfalls kenne und den ich wie auch seine schriftstellerischen Arbeiten sehr schätze. Nun bin ich zwar, was die Leistungen und die Person Uwe Tellkamps betrifft, etwas anderer Meinung als Herr Scholz-Nollau oder die anderen Befürworter dieses neuen Literaturstars - das hat im wesentlichen zwei Gründe: Ich halte von den schriftstellerischen Fähigkeiten Herrn Tellkamps nicht allzu viel und meine, dass er in dieser Beziehung völlig überbewertet ist, ich kann das auch dezidiert begründen, aber das würde hier zu langen Ausführungen führen, der zweite Grund ist sein "Flirt" mit der Politik wie auch seine politische Haltung, die offenbar insgesamt von Unreife und von nationalistisch-konservativen Tendenzen geprägt wird. Dazu gehört auch seine Totalablehnung der 68-iger Bewegung, seine einseitige Sicht auf die DDR, seine Verweigerung von jeder Form der Ironie usw. - trotzdem stimme ich Hertn Scholz-Nollau in den meisten Punkten zu. Und nun will ich mich aus diesem Forum verabschieden ...

  • Susanne Dagen

    Susanne Dagen

    Guten Morgen! Das wir hier dann doch wohl über ein regionales Anliegen sprechen zeigt die rege Beteiligung Dresdner Autoren und Literaturvermittler.
    Vielen Dank an Sie, Herr Scholz-Nollau für Ihren produktiven Beitrag und Grüße an die anderen, die ungenannt bleiben wollen...

  • jayne-ann igel

    jayne-ann igel

    Sehr geehrte Frau Dagen, was heißt "regionales anliegen" - ich sehe hier weit mehr die gar nicht regional festzumachende instrumentalisierung eines werks für einschlägige politische zwecke, wie bereits in meinen kommentaren weiter oben und auch von franzmalef angedeutet. Aber darauf gehen Sie überhaupt nicht ein. Und was die qualitäten des romans betrifft, die streckenweise sehr zu wünschen übrig läßt, so möchte ich als kostprobe nur mal folgendes zitat beifügen: "Aber es dämmerte schon, die in diesem Jahr unerbittliche Julisonne sank, die tagsüber wie eine Scheibe aus kochender Milch am steinweißen Himmel stand, kenntlich nur durch Druckschlieren, die in Wellenkreisen abpulsten; als wäre die Luft ein Körper, dem die tiefstehenden Strahlen Schnittverletzungen zufügten, hatte sie eine Lineatur aus rötlich-metallischen Verfärbungen überzogen, wundgescheuertes Licht: Hämoglobin, das sich auf den Zäunen, den Glanzflächen dunkler spiegeleiheißer Autodächer, dem rissigen Asphalt auf den Straßen in Flugschichten ablagerte, seine Lebensröte vorher und die Eisenmoleküle preisgab, glitzernder Rost, der liegenblieb." (S. 457/458)

  • Susanne Dagen

    Susanne Dagen

    Liebe Frau Igel,
    Sie wiederholen sich. Den Diskurs über diese Textstelle eröffneten Sie schon einmal mit Ihrem Kollegen malef am 03.01.10 auf anderer Plattform.
    Die von Ihnen angedeuteten Parallelen kann ich nicht nachvollziehen.
    Auch ich ziehe es vor, mich aus diesem Forum zu verabschieden, meine Meinung zum Ausgangsthema kennen Sie.
    Mit Grüßen,
    Ihre Susanne Dagen.

  • Werner Drews

    Werner Drews

    Liebe Damen, ich komme auf diese Plattform und entdecke Ihren Disput, der sich zu verselbstständigen droht. Ja, Fraun Igel, Ihr Textbeispiel wiederholen Sie. Es wird dadurch aber weder besser noch schlechter, in der Tat es ist "furchtbar schlechtes Deutsch" und für einen Schriftsteller kein Ruhmesblatt. Und Frau Dagen, was Sie nicht sehen, wird allein dadurch nicht ungeschehen. Natürlich "kungelt" Herr Tellkamp mit der Politik, aber, wenn es ihm Spaß macht - jeder schmückt sich wie er kann. Ich halte es mit Herrn Weidermann von der FAZ - er hat Uwe Tellkamp wunderbar "entblättert". Was Sie indes, liebe Frau Dagen, für "Verschwörungstheorien" hinsichtlich einer Frau Dieckmann auftischen, das ist genauso abenteuerlich und vom gleichen Kaliber wie das, was Sie bei anderen ablehnen. Also bitte, wer im Glashaus sitzt ... - ansonsten sind solche Foren langweilig, ich geh auch gleich wieder.
    Leben Sie wohl, Ihr W. Drews aus Freiburg

  • jayne-ann igel

    jayne-ann igel

    Sehr geehrte Frau Dagen, warum soll ich nicht in diesem forum wiederholen, was ich schon andernorts zum "turm" geäußert habe? Ist das verboten? Ihre argumentation in dieser hinsicht ist schwach bzw. überhaupt kein argument.
    Jayne-Ann Igel

  • damals

    damals

    Sehr geehrter Herr Oswald,
    Ihr Hinweis auf die "Buddenbrooks" ist meines Erachtens ganz richtig : Auch "Die Buddenbrooks" waren ursprünglich als eine kleine, psycholgisch dichte Novelle um einen Vater-Sohn-Konflikt geplant, wurden aber vom Autor dann durch Fleiß und Aktenstudium zu einem konservativen, leicht spießigen Epochenroman umgearbeitet, der allen gefiel ... ich jedenfalls verabscheue wie Frau Igel die klischeehaften Anbiederungsversuche im "Turm", kann aber den echten, bewegenden Kern des Romans, den Handlungsstrang um Christian Hoffmann, nach wie vor bewundern und genießen. "Nicht alles groß, was ein großer Mann tut", sagte einst Brecht.

  • Dr. Stefan Wachtel

    Dr. Stefan Wachtel

    Sehr gehrter Herr Oswald, Sie haben keien Ahnung, Hätten Sie doch erst einmal den Sachverhalt erkundet!

    Es geht um S. 797 bis 26 und anderseits mein ganzes Buch - es scheint wie derselbe plot, und nicht weniger als 38 Zitate sind zu bewundern. In wenigen Tagen wird man es lesen können, aber nicht in der Zeitung, in der Sie etwas zu sagen haben, oder Herr Platthaus, der auch zwar die beiden Vergleichsbücher nicht gelesen hatte, und trotzdem sich ganz sicher war, dass er sich so etwas nicht vorstellen kann.

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