Praktikumsbericht Periplaneta

In diesem Artikel sollen Praktika von Buchwissenschaftsstudenten im Verlagsbereich dargestellt und dadurch für den fleißigen Leser der Marginalglosse ein möglichst objektiver Vergleich aufgestellt werden. Den Anfang macht der Bericht über ein Praktikum in einem kleinen Verlag, bei Periplaneta www.periplaneta.com in Berlin.

Sabine Naumann

Sabine Naumann © privat

Im Studium der Buchwissenschaft gibt es viele wichtige Dinge zu entdecken und zu lernen. Eine der Berufsvorbereitung dienende Möglichkeit ist unter anderem die Pflicht und gleichzeitig die Chance, während des Studiums ein Praktikum in der Buchbranche abzuleisten. Egal ob im Bucheinzelhandel, im Verlag oder gar im Barsortiment, praktische Erfahrungen sind wichtig, um sich als Studierender ein Bild von der (künftigen) Arbeitswelt der Buchbranche machen zu können und so so schnell wie möglich herausfinden zu können, in welchen Bereich man später eigentlich gehören möchte.

 

Wie sucht man als Studierender aber nun das perfekte Praktikum? Wo bekommt man die besten Erfahrungen und Erkenntnisse garantiert? Welcher Praktikumslieferant bietet das beste Aufwands-Lern-Angebot? Denn die meisten Praktika sind unvergütete „Informationsschulungen“, die den Studierenden zwar viel bringen können, aber nicht unbedingt müssen. Andererseits sind diese Praktika für die Buchbranche selbst meist ebenso aufwendig, da sich um den Praktikanten gekümmert werden muss, er mit lehrreichen und gleichzeitig machbaren Aufgaben versorgt werden muss, und dies ohne direkten Nutzen für den Praktikantenbetreuer. Doch kann man während eines Praktikums auf eine ausbalancierte Beziehung, ein „Nehmen und Geben“, hoffen? Das Bild vom Kaffee kochenden Praktikanten, der nach 6 Wochen genau weiß, wie und wann der Chef seinen Espresso macciato zu trinken gedenkt, ist mittlerweile (hoffentlich zu 100%) überholt.

 

 

Es war der Zufall, der mich als praktikumssuchende, 20jährige Studentin ohne nennenswerte Erfahrungen in der Verlagslandschaft, auf die Homepage des mir damals noch völlig unbekannten Periplaneta-Verlages brachte. Kommunikationsplattformen wie Myspace und Facebook machten es möglich. Auf der bestechend sympathischen Homepage wurden durch die sehr persönlich gehaltene Beschreibung die Verlagsmotive und vor allem die Ziele ersichtlich. Der Kontakt wurde unkompliziert geknüpft und kurz darauf  stand fest, ich durfte nach Berlin kommen.

 

Vielleicht sollte ich kurz auf die Besonderheit von Periplaneta eingehen: Die Verlagschefin Marion Alexa Müller gründete den Verlag, weil es ihr quasi auf der Seele brannte, Lesenswertes und Sinnvolles (also nicht nur Belletristik und Lyrik, sondern auch Musik und Poetryclips, und somit also alles, was durch einen kreativen Output entsteht) zu veröffentlichen. Begonnen hat alles mit dem Hörbuchstudio Silbenstreif, dann folgten Buch- und Hörbuch- Publikationen und nun hat Periplaneta auch ein eigens Literaturcafé. Den Verlegerberuf hat keiner der Periplanetaner von der Pieke auf gelernt, es handelt sich um wissbegierige Autodidakten.

 

Hier nun ein kleiner Ausschnitt aus meinen tatsächlichen „Aufgabenbereichen“. Frisch in Berlin angekommen, platzte ich gewissermaßen in die einmal wöchentlich stattfindende Verlagssitzung, in der kleinere und größere Projekte, deren Umsetzung und Termine abgesprochen wurden. Die Mitarbeiter diskutierten verschiedenste Möglichkeiten aus, um schließlich die für den Verlag bestmögliche Lösung zu finden.
Als nächstes kam dann gleich eine von Periplaneta organisierte Veranstaltung auf mich zu, in der vor allem Kreativität und Spontaneität gefragt waren. Verschiedene Künstler stellten in einem „bunten Abend“ ihre Werke einem Publikum in einem kleinen, typisch berlinerischen Theater vor.

 

Es folgten Manuskriptsichtungen, Telefonate mit Buchhandlungen zwecks einer zukünftigen Lesereise zweier Autoren in ganz Deutschland, das Arbeiten mit verschiedenen Bearbeitungsprogrammen wie z.B. Photoshop und InDesign, der Aufbau einer Datenbank mit für den Verlag nützlichen Adressen, die Umsetzung eines zielgruppenorientierten Marketingprogramms, viele Gespräche über das Verlagswesen an sich und die periplanetarische Ansichten darüber und vieles mehr. An sich lässt sich sagen, dass dieses Praktikum vor allem von Verlagsseite aus daraufhin ausgerichtet war, der Praktikantin soviel wie möglich mit auf den Weg zu geben und einen Einblick in die Ziele dieses speziellen Verlages zu geben.

 

 

An sich ist es für einen Buchwissenschaftler während des Studiums eher schwierig, ein gutes Praktikum zu finden, das terminlich, finanziell und auch was die eigenen Erwartungen betrifft, in die Semesterferien passt. Eine finanzielle Vergütung eines Praktikums ist wohl eher selten zu finden. Der Student muss also, ganz wie im Studium, auch für ein Praktikum einen gewissen Aufwand bewältigen können. Doch aus der verlegerischen Perspektive betrachtet können sich kleinere Verlage, wie eben Periplaneta, keine finanzielle Aufwandsentschädigung leisten. Es geht also für beide Seiten eher darum, das Beste aus so einem Praktikum zu machen. Der Vorteil bei eher kleineren Verlagen liegt darin, dass man als Praktikant einfach viel mehr Aufgabenbereiche kennenlernen kann und durch dieses „reinschnuppern“ vielleicht schon feststellen kann, in welche Richtung es nach dem Studium gehen könnte. Etwa PR- und Öffentlichkeitsarbeit, Rechte und Lizenzen oder das gute, alte Lektorat.

 

Im Vergleich zu größeren Verlagen, in denen man 6 oder 8 Wochen lang immer dieselben Handgriffe ableisten muss, lässt sich als Fazit ziehen, dass man sehr viele Einblicke erhält, diese aber unbedingt noch in weiteren Praktika vertieft werden müssen, um in der Verlagslandschaft einen Fuß in die Tür bekommen zu können. Man sollte also mit einem kleinen oder kleineren Verlag anfangen, um sich selbst in der weitläufigen Verlagslandschaft finden zu können, um dann in einem großen Verlag ein spezielleres Praktikum zu machen, das einen in eine spätere Berufsrichtung weisen kann. Andererseits muss jeder Buchwissenschaftler selbst wissen, wie die im Studium behandelten, sehr verschieden und weitreichenden Themen und Kenntnisse im späteren Berufsleben angewendet werden sollen. Doch allgemein formuliert: Nach dem Studium steht ein noch langer Weg an, indem die ganze vermittelte Theorie erst mal in einen praktischen Bezug gestellt werden muss. Praktika helfen dabei schon während des Studiums ungemein, aber letztendlich kommt es darauf an, was der Student aus sich machen möchte und welche Ziele er anstrebt.

 

 

Doch dieser Artikel ist noch unvollständig, wartet er doch auf die Meinung eines Buchwissenschaftlers, der ein Praktikum in einem größeren, kommerzieller orientierten Verlag abgeleistet hat und auf diesem Blog über seine gemachten Erfahrungen informieren möchte.

In diesem Sinne: „Fortsetzung folgt!“

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